Steuerangst in Großbritannien: Automatenbranche warnt vor Massenschließungen

Eine neue Umfrage des Verbandes Bacta zeigt: 90 Prozent der britischen Glücksspielbetreiber fürchten schwere wirtschaftliche Einbußen durch eine Erhöhung der Machine Games Duty.
In Großbritannien braut sich ein gewaltiger Sturm für die Betreiber von Spielautomaten zusammen. Die Branche blickt mit großer Sorge auf die finanzpolitischen Pläne in Westminster, insbesondere im Hinblick auf eine potenzielle Anhebung der Machine Games Duty (MGD). Diese Steuer, die speziell auf die Einnahmen aus Spielautomaten erhoben wird, stellt bereits jetzt eine erhebliche Belastung für viele Unternehmen dar. Sollte die Regierung unter dem neuen Premierminister Andy Burnham die Steuerschraube weiter anziehen, droht ein massives Sterben von Traditionsbetrieben. Die Stimmung unter den Betreibern ist am Boden, da sie sich von der Politik missverstanden fühlen.
Besonders alarmierend ist die Tatsache, dass die Befürchtungen nicht nur vage Vermutungen sind, sondern durch harte Daten untermauert werden. Die jüngste Umfrage unter den Mitgliedern des Branchenverbandes Bacta lässt keinen Raum für Optimismus. Alle Teilnehmer gaben an, dass die Auswirkungen einer signifikanten MGD-Erhöhung negativ ausfallen würden. Die wirtschaftlichen Folgen würden weit über die Glücksspielbranche hinausreichen und auch Zuliefererketten sowie lokale Wirtschaftskreisläufe in mitleidenschaft ziehen. Es steht viel auf dem Spiel, von der Existenz kleiner Pubs bis hin zur Erhaltung der berühmten britischen Seebrücken.
Zahlen und Fakten
Die Ergebnisse der aktuellen Puls-Umfrage der Bacta-Mitglieder sind eindeutig und erschütternd. Ganze 90 Prozent der Befragten rechnen mit schwerwiegenden negativen Folgen für ihr Geschäft. Nur 10 Prozent stufen die Auswirkungen als moderat negativ ein. Auf die Frage nach der größten Herausforderung antworteten 67 Prozent, dass das reine Überleben in der Gewinnzone das Hauptproblem sein wird. Weitere 23 Prozent gaben an, dass sie ihren Personalbestand nicht halten könnten, während 10 Prozent die Investitionen in neue Geräte oder Renovierungsprogramme streichen müssten.
Auch das Investitionsklima leidet massiv unter der Unsicherheit. Etwa 87 Prozent der befragten Unternehmer halten einen Rückgang der Investitionen für sehr wahrscheinlich. In der Praxis bedeutet das: Die Hallen veralten, die Technik bleibt auf dem Stand von gestern, und die Attraktivität für die Kunden sinkt. Die tangibelsten Konsequenzen sind jedoch noch düsterer. Rund 43 Prozent der Teilnehmer sehen die Schließung ganzer Adult Gaming Centres (AGCs) als wahrscheinlichste Folge an. Ein Rückgang der Rentabilität wird von 30 Prozent erwartet, und 27 Prozent stellen sich auf einen massiven Stellenabbau ein.
Hintergrund
Die Machine Games Duty ist eine spezifische Steuerform, die in Großbritannien den landbasierten Glücksspielsektor trifft. Joseph Cullis, der Präsident von Bacta, findet klare Worte für die Situation seiner Mitglieder. Er betont, dass die Branche bereits jetzt eine enorme Last trägt. Neben der MGD kämpfen die Betreiber mit Gewerbesteuern, nicht rückforderbarer Mehrwertsteuer, gesetzlichen Abgaben, steigenden Lohnkosten, höheren Sozialversicherungsbeiträgen, Energiekosten und Lizenzgebühren. Hinzu kommen die ständig wachsenden Kosten für die Einhaltung regulatorischer Vorschriften. Der Druck ist so hoch, dass 100 Prozent der Umfrageteilnehmer davon überzeugt sind, dass die politischen Entscheidungsträger in Westminster den Sektor schlichtweg nicht verstehen.
„Die jüngste Puls-Umfrage unter unseren Mitgliedern stützt unsere Position, dass eine Erhöhung der Steuern auf Spielautomaten nur dazu führen wird, die Einkaufsstraßen, Küstenstädte, Arbeiterclubs, Pubs, Bingo-Clubs, Hersteller und die gesamte Lieferkette zu schädigen. Wenn sich der lizenzierte, regulierte Sektor zurückzieht, wird es der illegale, unregulierte Sektor sein, der davon profitiert.“ - Joseph Cullis, Präsident von Bacta
Besonders die britischen Küstenregionen hängen stark am Tropf der Unterhaltungsindustrie. Viele Seebrücken und Spielhallen finanzieren sich über das ganze Jahr hinweg durch die Einnahmen aus den Automatenbereichen. Diese Gelder sichern Arbeitsplätze und sorgen dafür, dass historische Gebäude und Attraktionen, die zum kulturellen Erbe gehören, erhalten bleiben. Ein Kahlschlag in diesem Bereich würde das Gesicht vieler britischer Badeorte dauerhaft verändern.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler zeigt die Situation in Großbritannien vor allem eines: Steuerdruck und Regulierung gehen Hand in Hand. Wer in Deutschland bei einem GGL-lizenzierten Anbieter spielt, ist mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) konfrontiert. Auch hierzulande gibt es strenge Regeln, wie das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über das LUGAS-System oder der maximale Einsatz von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten. Diese Maßnahmen dienen dem Spielerschutz, erhöhen aber gleichzeitig die Hürden für die Betreiber. Wenn die steuerliche Belastung, ähnlich wie in England befürchtet, zu hoch wird, besteht auch in Deutschland die Gefahr, dass Spieler in Richtung unlizensierter Anbieter abwandern. Dort gibt es zwar keine Limits, aber auch keine Sicherheit durch staatliche Aufsicht. Die britische Debatte mahnt also zur Vorsicht, die legale Branche nicht über Gebühr zu strangulieren.
Was das für GGL-Casinos heißt
Casinos mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) müssen die Entwicklungen im Ausland genau beobachten. Die deutsche Glücksspielsteuer auf Einsätze bei Online-Slots ist bereits ein Thema, das die Rentabilität beeinflusst. Werden Steuern und Abgaben zu hoch, sinkt die Marge, was sich oft in einem geringeren RTP (Return to Player) niederschlägt. Deutsche Betreiber auf der Whitelist müssen darauf achten, dass die Balance zwischen staatlicher Abgabe und attraktivem Spielangebot gewahrt bleibt. Nur ein starker, legaler Markt bietet langfristig Schutz für die Kunden und stabile Einnahmen für den Fiskus. Ein Abdriften in den Schwarzmarkt, wie es Joseph Cullis für Großbritannien prophezeit, wäre für den deutschen Spielerschutz fatal.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
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