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Regulierung

Chile zieht die Steuerschraube an: Zahlungsdienstleister werden zu Steuerfahndern

Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Chile zieht die Steuerschraube an: Zahlungsdienstleister werden zu Steuerfahndern

Chile führt eine Mehrwertsteuerpflicht auf Zahlungsebene für Online-Wetten ein. 25 Plattformen registrierten sich bereits, während 10 weitere nun direkt zur Kasse gebeten werden.

Chile macht Ernst bei der Besteuerung des Online-Glücksspiels. Die nationale Steuerbehörde Servicio de Impuestos Internos (SII) hat ein neues System scharfgeschaltet, das die Erhebung der Mehrwertsteuer direkt in den Zahlungsfluss integriert. Damit reagiert das Land auf den wachsenden Markt der Offshore-Anbieter, die bisher oft am Fiskus vorbeigearbeitet haben. Der Druck zeigt Wirkung, denn innerhalb von nur zwei Tagen meldeten sich 25 Betreiber freiwillig für das vereinfachte Steuersystem an.

Dabei geht es nicht nur um eine freundliche Aufforderung. Die Behörden haben eine weitreichende Neuerung eingeführt: Wer sich nicht registriert, dessen Transaktionen werden künftig direkt bei den Banken und Zahlungsdienstleistern mit einer Abgabe belegt. Diese Methode markiert einen Wendepunkt in der lateinamerikanischen Glücksspielregulierung, da sie die Abhängigkeit von der Kooperationsbereitschaft ausländischer Firmen minimiert und stattdessen das heimische Finanzsystem als Filter nutzt.

Zahlen und Fakten

Am 14. und 15. Juli gab es einen regelrechten Ansturm auf die Registrierungsstellen. Insgesamt 25 Portale, darunter bekannte Namen wie Betway, Betano, 1xBet, Novibet, Betsala, Jugabet und DoradoBet, ließen sich offiziell erfassen. Diese Unternehmen haben sich damit verpflichtet, ihre Umsatzdaten selbst zu melden und die fällige Digital-Mehrwertsteuer eigenständig abzuführen. Die Behörde SII wird diese Angaben jedoch nicht ungeprüft lassen, sondern nutzt automatisierte Abgleiche mit den Transaktionsdaten der Zahlungsanbieter, um Unstimmigkeiten aufzudecken.

Für zehn andere Anbieter wird die Luft ab dem 1. August dünner. Da sie den Registrierungsprozess bisher gemieden haben, greift hier die Resolution No. 94. Zu diesen betroffenen Plattformen gehören Schwergewichte wie bet365, PokerStars, GGPoker, LeoVegas und 1Win.com. Bei jeder Einzahlung, die ein chilenischer Kunde an diese Unternehmen tätigt, muss der Zahlungsabwickler nun 19 Prozent Mehrwertsteuer einbehalten und monatlich an den Staat abführen. Dies betrifft Kreditkarten, Debitkarten und Prepaid-Systeme gleichermaßen.

„Automatisierte Prozesse werden den Registrierungsprozess überprüfen und bestätigen, ob die Plattformen den richtigen Betrag gezahlt haben. Ein entscheidender Faktor wird sein, ob das, was von der Plattform deklariert wurde, mit dem übereinstimmt, was die Behörde in ihren Zahlungen sehen kann." - Carolina Saravia, Stellvertretende Prüfungsdirektorin der SII

Hintergrund

Chile nutzt bereits seit 2021 digitale Transaktionsdaten, um die Mehrwertsteuer für ausländische Dienstleistungen durchzusetzen. Dass nun das Glücksspiel so vehement ins Visier gerät, liegt auch an der Komplexität des Marktes. Die Steuerbehörde stellt klar, dass die bloße Zahlung der Steuer keine offizielle Glücksspiellizenz darstellt. Es geht hierbei rein um die fiskalische Gerechtigkeit. Während lokale Anbieter strengen Regeln unterliegen, agierten internationale Firmen oft in einer Grauzone.

Interessant ist der Vergleich mit anderen Regionen. Sun International, ein großer Akteur im südafrikanischen Markt, berichtete kürzlich über ein massives Wachstum im iGaming-Sektor. Dort stiegen die Online-Einnahmen von Sunbet um 70 Prozent auf 871 Millionen ZAR. Die Steuerlast, insbesondere Abgaben und Mehrwertsteuer, wurde dort als einer der Hauptkostenfaktoren identifiziert. Chile möchte nun sicherstellen, dass ähnliche Umsatzsteigerungen auf dem eigenen Staatsgebiet nicht unversteuert bleiben. Die Zusammenarbeit mit Zahlungsdienstleistern als „Withholding Agents" ist dabei ein scharfes Schwert, das auch in anderen Ländern Schule machen könnte.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für Spieler in Deutschland klingt das chilenische Modell nach einem Eingriff, den wir in ähnlicher Form durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) kennen. Auch hierzulande ist die Regulierung streng, allerdings mit einem Fokus auf Spielerschutz und Markttransparenz. In Deutschland müssen Anbieter auf der White-List der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen, um legal agieren zu dürfen. Wer sich nicht daran hält, riskiert, dass Zahlungsströme durch das sogenannte Payment Blocking unterbunden werden.

Deutsche Kunden profitieren von festen Limits: 1,00 Euro maximal pro Spin an den Slots und ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000,00 Euro über alle regulatorisch erfassten Plattformen hinweg. Das System LUGAS sorgt dabei für die Überwachung dieser Grenzen. Während Chile primär auf die 19 Prozent Mehrwertsteuer schielt, geht es in Deutschland um eine spezifische Glücksspielsteuer und den Schutz vor Überschuldung. Ein direktes Abziehen von Steuern bei jeder Einzahlung, wie es Chile nun für nicht registrierte Anbieter plant, gibt es in Deutschland in dieser Form nicht, da illegale Anbieter hierzulande komplett blockiert werden sollen, statt sie nur zu besteuern.

Was das für GGL-Casinos heißt

Casinos mit GGL-Lizenz sind in einer weitaus sichereren Position als die in Chile gelisteten Offshore-Betreiber. Sie haben bereits bewiesen, dass sie bereit sind, Steuern in Deutschland abzuführen und die strengen technischen Vorgaben der GGL zu erfüllen. Ein Vergleich mit dem chilenischen System zeigt, dass staatliche Behörden weltweit immer findiger werden, um Geldflüsse zu kontrollieren. Anbieter ohne deutsche Lizenz, etwa jene mit Lizenzen aus Curacao oder von der MGA, die sich nicht an den GlüStV halten, stehen auch in Europa unter verstärkter Beobachtung der Finanzbehörden.

Der Prozess in Chile verdeutlicht, dass die Anonymität von Zahlungen an Online-Casinos ein Auslaufmodell ist. Durch die automatisierte Prüfung, wie sie Carolina Saravia beschreibt, wird die Lücke zwischen realem Umsatz und Steuererklärung geschlossen. Deutsche Unternehmen müssen durch LUGAS und Safe-Server-Anbindungen ohnehin maximale Transparenz bieten, was ihnen zwar administrative Lasten aufbürdet, sie aber vor plötzlichen Steuernachforderungen oder Blockaden schützt, wie sie nun die zehn unregistrierten Firmen in Chile treffen.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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