Hokkaido plant Casino-Offensive: Japans Ringen um die zweite Resort-Lizenz

Hokkaido prüft den Bau eines Mega-Casinos. Nachdem 2024 bereits ein Tourismus-Rekord mit einem Plus von 44 Prozent zum Vorjahr erzielt wurde, nimmt die Bewerbung für 2027 nun Form an.
In Japan kommt Bewegung in die starren Strukturen der Glücksspiel-Regulierung. Während in Osaka bereits die Bagger für das MGM Osaka rollen, das 2030 als erstes Integrated Resort (IR) des Landes eröffnen soll, schaut der Rest der Nation gespannt nach Norden. Die Präfektur Hokkaido hat ihre alten Pläne aus der Schublade geholt und überarbeitet. Es geht um viel Geld, prestigeträchtige Architektur und die Frage, wie man vermögende Reisende auf die Insel lockt, ohne die sozialen Risiken des Glücksspiels zu unterschätzen. Die Regierung in Tokio hält noch zwei weitere Lizenzen bereit, doch bisher zögerten viele Regionen aufgrund massiver Bedenken in der Bevölkerung.
Die Entscheidungsträger in Hokkaido präsentierten am 16. Juli 2024 einen aktualisierten Entwurf, der vor allem die Kritiker besänftigen soll. Nachdem das Projekt 2019 wegen Umweltbedenken vorerst gestoppt wurde, rückt nun der Schutz der Spieler in den Fokus. Die Konkurrenz schläft nicht, denn auch die Präfektur Aichi zeigt bereits konkretes Interesse und sucht aktiv nach Investoren für ein Projekt am Flughafen Chubu Centrair. Hokkaido hingegen setzt auf seine natürliche Stärke als Tourismus-Magnet. Die Insel ist weltberühmt für ihre Vulkane, heißen Quellen und erstklassigen Skigebiete. Nun soll ein Casino-Komplex das Angebot abrunden.
Zahlen und Fakten
Die touristische Attraktivität von Hokkaido ist ungebrochen und liefert die wirtschaftliche Rechtfertigung für das Milliardenprojekt. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Präfektur einen Rekordwert von 12,82 Millionen ausländischen Besuchern. Das entspricht einer Steigerung von fast 30 Prozent im Vergleich zum Jahr 2024, welches selbst bereits ein starkes Wachstumsjahr war. Damals stiegen die Besucherzahlen nach der Pandemie um satte 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an. Das geplante Integrated Resort in der Stadt Tomakomai, die etwa 30 Kilometer vom Flughafen Neu-Chitose entfernt liegt, könnte diese Zahlen weiter nach oben treiben. Die Planer denken groß: Ein Hotelkomplex mit bis zu 2.800 Zimmern steht im Raum. Um das Projekt zu stemmen, soll eine spezielle Zweckgesellschaft gegründet werden, an der zwingend Firmen aus Hokkaido beteiligt sind.
Doch der Widerstand ist spürbar, besonders wenn es um die Suchtprävention geht. Noriko Tanaka, die Leiterin der in Tokio ansässigen NGO Society Concerned About Gambling Addiction, findet klare Worte zur aktuellen Lage in Japan:
„Glücksspielsucht kann zu sozialen Problemen wie Selbstmord, Kriminalität und dem Zerbrechen von Familieneinheiten führen. Die nationale Regierung und die Präfektur-Regierungen müssen Gegenmaßnahmen zur Suchtbekämpfung schaffen, bevor sie über die Errichtung von Glücksspieleinrichtungen diskutieren.“ - Noriko Tanaka, Leiterin der NGO The Society Concerned About Gambling Addiction
Hintergrund
Warum ist der Weg zum japanischen Casino so steinig? Die japanische Regierung möchte das Gross Gaming Revenue (GGR) im Land behalten und den Tourismus ankurbeln, doch die gesellschaftliche Akzeptanz ist niedrig. Mehrere Präfekturen wie Yokohama, Wakayama und Miyagi haben ihre Pläne zwischen 2020 und 2022 wieder aufgegeben. Erst 2023 lehnte die Zentralregierung zudem einen Vorschlag aus Nagasaki ab. Die Gründe waren damals mangelndes Vertrauen in die Finanzierungspläne und die Erfolgsbilanz der potenziellen Investoren. Hokkaido muss also einen sehr präzisen Plan vorlegen, um bis zur Deadline im Jahr 2027 zu überzeugen. Der neue Entwurf sieht unter anderem strenge Zugangskontrollen und ein spezielles Casino-Management-Komitee vor, das Betroffene direkt an Beratungsstellen vermitteln soll.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Urlauber, die gerne in Las Vegas oder Macau spielen, könnte Hokkaido bald eine spannende Alternative im asiatischen Raum werden. Doch der Blick auf Japan zeigt auch, wie wichtig eine strikte Regulierung ist. In Deutschland regelt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) den Markt extrem streng, um genau die Probleme zu verhindern, die Noriko Tanaka in Japan anspricht. Wer in Deutschland online spielt, ist durch das LUGAS-System und die Spielersperrdatei OASIS geschützt. Es gibt ein Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an automatisierten Spielformen. Japanische Integrated Resorts zielen zwar auf ein gehobenes, internationales Publikum ab, doch die Sicherheitsmechanismen, die wir aus der GGL-Whitelist kennen, sind weltweit ein Vorbild für verantwortungsbewusstes Spielen. Deutsche Spieler sollten auch im Ausland darauf achten, dass Anbieter hohe Standards bei der Suchtprävention einhalten.
Was das für GGL-Casinos heißt
Casinos mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen für Sicherheit und Transparenz. Während Großprojekte wie in Hokkaido oft Jahre der Planung und politische Kämpfe erfordern, bieten GGL-lizenzierte Anbieter in Deutschland einen rechtlich sicheren Rahmen. Die Debatte in Japan verdeutlicht, dass Spielerschutz kein Hindernis, sondern eine Grundvoraussetzung für einen stabilen Markt ist. Anbieter auf der GGL-Whitelist müssen strenge Anforderungen erfüllen, die oft über das hinausgehen, was in asiatischen Märkten aktuell diskutiert wird. Für Betreiber bedeutet das: Nur wer den Schutz der Spieler ernst nimmt, hat langfristig Erfolg. Der Vergleich mit internationalen Märkten wie Japan zeigt, dass Deutschland mit seiner zentralen Aufsicht und dem Fokus auf Suchtprävention einen Weg gewählt hat, der soziale Risiken minimiert, auch wenn die strengen Limits für manche Nutzer gewöhnungsbedürftig sind.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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