Verluste in Fernost: Royal Ha Long Casino kämpft mit WM-Fieber und hohen Gewinnen

Das Royal Ha Long meldet einen Umsatzrückgang von 30 Prozent. VIP-Spieler haben zu oft gewonnen und die Fußball-Weltmeisterschaft lockte die Kundschaft weg.
Das Glücksspielgeschäft in Vietnam steht vor harten Zeiten, wie die nackten Zahlen des zweiten Quartals zeigen. Der Betreiber des Royal Ha Long Casinos, die Royal International Corporation (RIC), muss einen herben Rückschlag verbuchen. Während das Casino im Nordosten des Landes in der Provinz Quang Ninh liegt und als größtes Haus der Region gilt, blieben die Kassen zuletzt ungewohnt leer. Ein Umsatzrückgang von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zeigt, wie empfindlich das Geschäft auf äußere Einflüsse reagiert. In Zahlen ausgedrückt: Aus einem Gewinn von 380.000 US-Dollar im Vorjahr wurde ein Verlust von 342.000 US-Dollar.
Es ist eine seltene Kombination aus fabelhaftem Glück der Spieler und globalen Sportevents, die den Betreibern die Bilanz verhagelt hat. VIP-Gäste, die mit extrem hohen Einsätzen spielen, legten im zweiten Quartal 2026 eine unglaubliche Siegesserie hin. Laut Unternehmensangaben gewannen diese High-Stakes-Kunden mehrfach hintereinander, was das Ergebnis massiv nach unten drückte. Hinzu kommt die Konkurrenz durch die Fußball-Weltmeisterschaft. Wenn der Ball rollt, scheinen selbst die loyalsten Casino-Gänger lieber auf Tore zu wetten oder die Spiele zu verfolgen, anstatt sich an den 18 Spieltischen oder den 62 Automaten des Hauses zu vergnügen.
Zahlen und Fakten
Ein Blick in die Details der Buchhaltung offenbart die Tiefe der Krise. Die reinen Gaming-Umsätze sind um satte 50 Prozent auf etwa 646.000 US-Dollar abgestürzt. Für das laufende Jahr hatte sich das Management eigentlich ein ehrgeiziges Ziel von 7,6 Millionen US-Dollar Gesamtumsatz gesetzt. Nach sechs Monaten sind davon jedoch erst 38 Prozent erreicht. Dass der Betrieb überhaupt noch atmet, liegt an den Bereichen abseits der Spieltische. Hotelübernachtungen, Gastronomie und andere Dienstleistungen verzeichneten paradoxerweise ein Wachstum, was den Absturz ein wenig abfederte.
Die Royal International Corporation kämpft schon länger um Stabilität. Bereits im Mai 2022 wurde das Unternehmen von der offiziellen Börse in Ho Chi Minh City delisted, nachdem es drei Jahre in Folge Verluste schrieb. Aktuell werden die Aktien nur noch am unregulierten Markt (UPCoM) gehandelt. Das Management macht neben der WM auch geopolitische Spannungen für die Misere verantwortlich. Die dadurch steigenden Treibstoffpreise würden Flugreisen verteuern und somit die für das Casino überlebenswichtigen internationalen Touristen fernhalten. In Macau beobachtet man übrigens ähnliche Effekte. Dort sanken die Einnahmen in den VIP-Räumen während der Weltmeisterschaft ebenfalls um 2,6 Prozent.
Hintergrund
Vietnam verfolgt eine sehr strikte Glücksspielpolitik. Die meisten Casinos im Land dürfen nur Personen mit ausländischem Reisepass einlassen. Das macht Häuser wie das Royal Ha Long extrem abhängig vom internationalen Tourismus. Um diesen Druck zu mildern, hat das Finanzministerium ein Pilotprojekt für Einheimische gestartet. Doch die Hürden sind hoch. Vietnamesische Staatsbürger müssen eine Eintrittsgebühr von etwa 95 US-Dollar pro Tag zahlen oder einen Monatspass für rund 1.900 US-Dollar erwerben. Das ist für den Durchschnittsbürger kaum bezahlbar.
Die Verantwortlichen versuchen nun gegenzusteuern. Man will neue Kunden binden und die Basis verbreitern. Dass die Tourismusbehörde des Landes eigentlich von einem Zuwachs der Besucherzahlen um 15 Prozent spricht, passt nicht ganz zum Wehklagen des Casinobetreibers. Offenbar finden die Menschen zwar den Weg nach Vietnam, aber nicht unbedingt an die Baccarat-Tische des Royal Ha Long.
„Das Turnier hat die weltweiten Unterhaltungsausgaben angekurbelt, was dazu führte, dass High-End-Kunden die Häufigkeit ihrer Casino-Besuche reduzierten." - Sprecher der Royal International Corporation
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler zeigt dieser Fall aus Asien vor allem eines: Volatilität gehört zum Glücksspiel dazu, sowohl für den Spieler als auch für den Betreiber. In Deutschland ist der Markt durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) wesentlich strenger reguliert als in vielen asiatischen Grauzonen. Wer hierzulande in einem Casino spielt, das auf der offiziellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) steht, genießt höchste Sicherheit. Während in Vietnam VIP-Kunden mit unbegrenzten Summen das Casino an den Rand des Ruins treiben können, fängt das deutsche System extreme Verluste durch das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat ab.
Zudem sorgt das Einsatzlimit von einem Euro pro Spin bei Online-Slots dafür, dass solche dramatischen Gewinnausschüttungen, die einen Betreiber finanziell destabilisieren, in Deutschland kaum vorkommen. Die Anbindung an LUGAS und OASIS schützt zudem vor Überschuldung. Ein deutsches Casino mit GGL-Lizenz wird selten über Nacht pleitegehen, weil ein einzelner High-Roller eine Glückssträhne hat, da die mathematische Varianz durch die schiere Masse an kleinen Einsätzen besser verteilt ist. Das Beispiel aus Vietnam mahnt jedoch zur Vorsicht bei der Wahl des Anbieters. Lizenzen aus Curacao oder von der MGA bieten im Ernstfall oft nicht den Rückhalt, den deutsche Spieler durch die heimische Regulierung erfahren.
Was das für GGL-Casinos heißt
Deutsche Anbieter können aus der Situation in Vietnam lernen, dass Sportgroßereignisse nicht nur eine Chance für Sportwetten sind, sondern eine Gefahr für das klassische Spielsegment darstellen. Während der Weltmeisterschaft wandert das Budget der Spieler oft massiv in Richtung Fußballwetten ab. GGL-lizenzierte Betreiber, die sowohl Slots als auch Wetten anbieten, können diesen Effekt intern ausgleichen. Reine Slot-Anbieter müssen in solchen Phasen hingegen mit kreativen Bonusangeboten gegensteuern. Die GGL überwacht hierbei genau, dass Marketingmaßnahmen nicht aggressiv in das Suchtverhalten eingreifen. Die Stabilität des deutschen Marktes liegt in der Berechenbarkeit. Ein Einbruch von 50 Prozent im Gaming-Umsatz ist für ein deutsches Unternehmen dank der soliden Liquiditätsvorgaben der Behörde in Halle kaum vorstellbar, solange man sich strikt an die Regeln des GlüStV hält.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
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