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Regulierung

Glücksspiel oder Finanzmarkt: Heftiger Streit um Event-Wetten in den USA

28. Juli 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Glücksspiel oder Finanzmarkt: Heftiger Streit um Event-Wetten in den USA

Die Organisation Better Markets kritisiert die CFTC scharf für Pläne, Ereigniswetten als Finanzinstrumente zuzulassen, was Insiderhandel bei Google oder im Weißen Haus fördern könnte.

In den USA braut sich ein gewaltiger Sturm zwischen den Finanzaufsichtsbehörden und Verbraucherschützern zusammen. Es geht um die Frage, ob Wetten auf den Ausgang von Sportereignissen, Wahlergebnisse oder sogar das Verhalten von Prominenten als legitime Finanzinstrumente eingestuft werden dürfen. Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) hat einen Vorschlag vorgelegt, der sogenannte Event-Kontrakte breiter zugänglich machen würde. Doch der Widerstand ist massiv. Kritiker werfen der Behörde vor, sie beuge sich den Interessen der Vorhersagemärkte und ignoriere dabei den Spielerschutz sowie geltendes Recht. Es herrscht die Sorge, dass hier unter dem Deckmantel von Finanzprodukten herkömmliches Glücksspiel ohne die nötigen Sicherheitsvorkehrungen legalisiert wird.

Besonders laut wird die Kritik von der Organisation Better Markets vorgetragen. Diese sieht in den Plänen der CFTC einen klaren Bruch mit dem Mandat, das der Kongress der Behörde im Jahr 2010 erteilt hat. Damals wurde festgelegt, dass Ereigniskontrakte, die Glücksspiel beinhalten, gegen das öffentliche Interesse verstoßen können. Die aktuelle Entwicklung zeigt, wie schmal der Grat zwischen Börsenspekulation und Sportwette geworden ist. Wenn man darauf setzt, wie viele Punkte ein Basketballspieler erzielt, ist das für die meisten Menschen schlichtweg eine Wette. Die CFTC scheint dies jedoch als eine Form von wirtschaftlichem Risikoabsicherungs-Instrument neu definieren zu wollen, sehr zum Unmut von Experten wie Benjamin Schiffrin.

Zahlen und Fakten

Im Zentrum der Debatte stehen konkrete Vorwürfe bezüglich des Missbrauchs von Insiderwissen. Better Markets verweist auf alarmierende Beispiele, die zeigen, wie anfällig solche Märkte sind. So gab es Berichte über einen Google-Ingenieur, der interne Daten nutzte, um Wetten zu manipulieren, die auf Google Suchtrends basierten. Ein weiterer Fall betrifft einen Teleprompter-Bediener im Weißen Haus, der durch seinen Zugang zu den Redemanuskripten des US-Präsidenten Profit schlug. Die Organisation argumentiert, dass solche Ereigniskontrakte keinerlei kommerziellen Nutzen oder Absicherungsfunktion (Hedging) haben.

„Geld darauf zu setzen, ob ein Team ein Spiel gewinnt oder wie viele Punkte ein Spieler erzielen wird, ist eindeutig Glücksspiel - und das amerikanische Volk weiß das. Umfrage um Umfrage bestätigt das. Die einzigen Leute, die anderer Meinung zu sein scheinen, sind die Firmen der Vorhersagemärkte, die davon profitieren wollen, und die CFTC, die offenbar bereit ist, alles zu tun, was diese Firmen wollen." - Benjamin Schiffrin, Direktor für Wertpapierpolitik bei Better Markets

Diese deutlichen Worte unterstreichen das Misstrauen gegenüber der Aufsichtsbehörde. Es wird kritisiert, dass die CFTC den Willen des Kongresses aus dem Jahr 2010 ignoriert, um ein Ergebnis zu erzwingen, das für private Unternehmen vorteilhaft ist. Der Vorschlag wird als beschämend bezeichnet, da er die Grenze zwischen seriöser Finanzmarktregulierung und unkontrolliertem Zocken verwischt.

Hintergrund

Seit Jahrzehnten kämpfen Anbieter von Prediction Markets darum, als Finanzbörsen anerkannt zu werden. Ihr Argument: Diese Märkte liefern bessere Prognosen als Expertenmeinungen. Doch die rechtliche Realität sieht oft anders aus. In den USA ist das Department of Justice traditionell streng beim Thema Online-Wetten. Dass nun eine Finanzaufsicht wie die CFTC den Weg für Wetten auf Sport und öffentliche Ereignisse ebnen will, wirkt wie ein Frontalangriff auf bestehende Strukturen. Besonders brisant ist, dass Ereignisse wie Google Suchanfragen oder die Wortwahl eines Präsidentschaftskandidaten manipulierbar sind. Wer Zugriff auf die Technik oder die Manuskripte hat, kann risikofrei Wetten platzieren.

Better Markets fordert daher einen sofortigen Rückzug des Vorschlags. Die Mission der CFTC sei es, Instrumente zu regulieren, die ein legitimes wirtschaftliches Risiko absichern. Wetten auf das meistgesuchte Wort bei Google oder den Ausgang eines Football-Spiels fallen nach Ansicht der Experten nicht darunter. Sie dienen ausschließlich dem Glücksspiel und bieten keinen Mehrwert für die Realwirtschaft.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler ist diese US-Debatte relevanter, als es auf den ersten Blick scheint. In Deutschland ist die Trennung zwischen Finanzprodukten und Glücksspiel durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) klar geregelt. Wer hierzulande Sportwetten oder Online-Slots anbietet, braucht eine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Diese Anbieter stehen auf der sogenannten Whitelist. Deutsche Kunden profitieren von harten Regeln: Es gibt ein anbieterübergreifendes Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Slots. Das IT-System LUGAS überwacht diese Limits streng.

Würden solche Event-Wetten als Finanzprodukte nach Deutschland schwappen, könnten sie versuchen, diese strengen Schutzmechanismen zu umgehen. Das würde bedeuten, dass Limits nicht greifen und kein Anschluss an das Sperrsystem OASIS besteht. Dies wäre eine Gefahr für die Spielersicherheit. In Deutschland wird jedoch penibel darauf geachtet, dass alles, was nach Wette aussieht, auch als solche unter der Aufsicht der GGL reguliert wird. Ein Ausweichen in den Graubereich der Finanzderivate wird hierzulande durch die Kooperation von BaFin und GGL meist im Keim erstickt.

Was das für GGL-Casinos heißt

Seriöse Anbieter in Deutschland, die sich an die GGL-Vorgaben halten, haben ein Interesse an fairem Wettbewerb. Wenn Finanzplattformen plötzlich Produkte anbieten dürften, die faktisch Sportwetten sind, aber nicht den strengen Steuern und Regeln des GlüStV 2021 unterliegen, wäre das ein massiver Wettbewerbsnachteil. GGL-lizenzierte Casinos investieren viel Geld in den Spielerschutz und die technische Anbindung an LUGAS. Sie müssen sicherstellen, dass Minderjährige keinen Zugriff haben und die Suchtprävention greift. In den USA zeigt der Fall der CFTC, was passiert, wenn Aufsichtsbehörden unterschiedliche Maßstäbe anlegen. Für den deutschen Markt bleibt die GGL-Whitelist der wichtigste Ankerpunkt für Sicherheit und Transparenz, während internationale Entwicklungen wie bei der CFTC als Warnsignal für mögliche Regulierungs-Lücken gesehen werden müssen.

Quellen & weiterführende Links

Erwähnte Unternehmen:CFTCBetter Markets

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