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KI-Preiskartell in Atlantic City: US-Gericht lässt Klage gegen Casino-Riesen wieder zu

Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
KI-Preiskartell in Atlantic City: US-Gericht lässt Klage gegen Casino-Riesen wieder zu

Haben US-Casinos Software genutzt, um Zimmerpreise künstlich hochzuhalten? Ein Berufungsgericht lässt die Klage gegen Größen wie MGM und Caesars zu, da KI-Algorithmen Absprachen erleichtert haben könnten.

In den luxuriösen Hotelhallen von Atlantic City bahnt sich ein juristisches Beben an, das die gesamte Hotel- und Casino-Branche weltweit aufhorchen lässt. Drei Richter eines US-Berufungsgerichts haben am Mittwoch eine Entscheidung getroffen, die eine zuvor abgewiesene Kartellrechtsklage gegen Schwergewichte wie Caesars Entertainment, MGM Resorts International und Hard Rock International wieder in den Fokus rückt. Es geht um den Vorwurf, dass diese Unternehmen mithilfe künstlicher Intelligenz ein illegales Preiskartell gebildet haben, um die Kosten für Hotelübernachtungen künstlich in die Höhe zu treiben und den Wettbewerb auszuhebeln.

Die Kläger, darunter Karen Cornish-Adebiyi, Luis Santiago und Monica Blair-Smith, werfen den Casinobetreibern vor, die Plattform Rainmaker des Softwareherstellers Cendyn Group als Werkzeug für ihre Absprachen genutzt zu haben. Anstatt ihre Preise unabhängig voneinander nach Angebot und Nachfrage zu gestalten, sollen die Häuser interne, nicht öffentliche Echtzeitdaten über ihre Auslastung und Preisgestaltung in den Algorithmus eingespeist haben. Diese Praxis, so die Argumentation, habe es der KI ermöglicht, Preisempfehlungen zu generieren, die den Profit aller beteiligten Parteien maximieren, anstatt dem Endverbraucher einen fairen Wettbewerbspreis zu ermöglichen.

Zahlen und Fakten

Besonders belastend wirkt die statistische Übereinstimmung in den Verhaltensmustern der Casinos. Den Unterlagen zufolge haben die Hotelbetreiber die von der KI generierten Preisempfehlungen in etwa 90 Prozent der Fälle eins zu eins übernommen. Dies half den Unternehmen massiv dabei, ihre Tarife auf einem konstant hohen Niveau zu halten, ohne Gefahr zu laufen, von der direkten Konkurrenz unterboten zu werden. Zu den betroffenen Liegenschaften zählen namhafte Häuser wie das Caesars, Harrah’s, das Tropicana, das Borgata Hotel Casino & Spa der MGM-Gruppe sowie das Hard Rock Hotel & Casino Atlantic City.

Rechtlich stützt sich die Klage auf Paragraph 1 des Sherman Act, dem zentralen US-Antikartellgesetz. Die Richter Restrepo, McKee und Smith vom Third Circuit Court of Appeals in Philadelphia hielten in ihrem Urteil fest, dass die Vorwürfe ausreichten, um eine plausible Vermutung einer Verschwörung zu rechtfertigen. Richter Theodore McKee betonte dabei die neuartige Gefahr durch moderne Technik:

„KI-Software kann Absprachen erleichtern, indem sie es Wettbewerbern ermöglicht, Preise zu koordinieren und Informationen auszutauschen, ohne jemals direkt miteinander zu kommunizieren.“ - Theodore McKee, Richter am US-Berufungsgericht des Third Circuit

Hintergrund

Der Fall hat bereits eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Ursprünglich hatte die US-Bezirksrichterin Karen Williams die Klage im Oktober 2024 abgewiesen. Sie argumentierte damals, dass die Kläger nicht ausreichend belegt hätten, wie die Hotels die vertraulichen Daten nutzten, nachdem diese an Cendyn übermittelt worden waren. Zudem sah sie keinen Beweis für eine explizite Vereinbarung zwischen den konkurrierenden Unternehmen. Das Berufungsgericht widersprach dieser Sichtweise nun deutlich. Es sei für den Prozessbeginn nicht nötig, jede technische Nuance des Algorithmus zu kennen, sondern das Ergebnis der Datenzusammenführung reiche für einen Anfangsverdacht aus.

Interessanterweise weicht das Urteil von einer Entscheidung des Ninth Circuit aus dem August 2025 ab. In San Francisco wurde eine ähnliche Sammelklage gegen Casinos in Las Vegas abgewiesen, die dieselbe Cendyn-Software nutzten. Diese gegensätzliche Rechtsprechung zeigt, wie unsicher das rechtliche Terrain im Umgang mit KI-gestützter Preisgestaltung noch ist. Christopher Cormier von der Kanzlei Burns Charest, der die Kläger vertritt, lobte die aktuelle Entscheidung als gesunden Menschenverstand gegenüber Technologien, die Konsumenten massiven Schaden zufügen könnten.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler, die online bei Anbietern mit GGL-Lizenz (Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder) aktiv sind, scheint das Thema Hotelpreise in Atlantic City zunächst weit weg. Doch der Kern der Nachricht betrifft das Vertrauen in digitale Plattformen und die Preisgestaltung. In Deutschland unterliegen Online-Casinos strengsten Regeln durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021. Hierzu zählen das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro über das LUGAS-System sowie das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten. Solche starren Limits verhindern in Deutschland viele Formen der dynamischen Preisgestaltung, wie sie in den USA nun vor Gericht landen.

Dennoch ist die Entscheidung wichtig, da sie zeigt, dass Behörden und Gerichte zunehmend verstehen, wie Algorithmen genutzt werden können, um regulatorische Schranken zu umgehen. In Deutschland sorgt die GGL-Whitelist dafür, dass nur Anbieter legal agieren, die sich an Transparenzregeln halten. Jede Form von Datenmissbrauch oder Preisabsprache, die den Spieler benachteiligt, würde hierzulande sofort zum Entzug der deutschen Lizenz führen. Deutsche Kunden sollten daher ausschließlich bei in der Whitelist aufgeführten Anbietern spielen, da nur dort die Überwachung durch nationale Behörden sichergestellt ist, die vor solchen algorithmischen Manipulationen schützen.

Was das für GGL-Casinos heißt

Betreiber mit einer deutschen Lizenz müssen ihre IT-Systeme und Algorithmen regelmäßig auf Konformität prüfen lassen. Der Fall aus Atlantic City verdeutlicht, dass die bloße Nutzung einer Drittanbieter-Software keine Entschuldigung für mangelnden Wettbewerb ist. Sollten deutsche Anbieter KI nutzen, um beispielsweise Bonusbedingungen oder Quoten untereinander abzugleichen, ohne die strengen Datenschutzregeln des GlüStV 2021 oder der DSGVO zu beachten, drohen drakonische Bußgelder. Die Transparenz, die von der GGL gefordert wird, dient als Schutzwall gegen die im Urteil beschriebene „stille Kollusion“ durch Schatten-Datenpools.

Häufige Fragen

Welche Casinos sind von der KI-Klage in Atlantic City betroffen?

Die Klage richtet sich gegen große Betreiber wie Caesars Entertainment, MGM Resorts International und Hard Rock International. Konkret werden Häuser wie das Borgata, Harrah’s, Tropicana und das Hard Rock Hotel in New Jersey genannt, die die Software Rainmaker nutzten.

Was genau wird der Software Rainmaker von Cendyn vorgeworfen?

Dem Algorithmus wird vorgeworfen, nicht öffentliche Echtzeitdaten über Preise und Belegung der Konkurrenten gesammelt zu haben. Dadurch konnten die Hotels ihre Preise so koordinieren, dass sie dauerhaft hoch blieben, was laut Klägern gegen das US-Kartellrecht verstößt.

Wie oft wurden die Preisvorschläge der KI von den Hotels übernommen?

Berichten zufolge akzeptierten die Hotel-Casinos die Empfehlungen der KI-Plattform in etwa 90 Prozent der Fälle. Diese hohe Übereinstimmungsrate wird als Indiz dafür gewertet, dass der Wettbewerb durch eine automatisierte Preisabstimmung ersetzt wurde.

Können solche Preisabsprachen auch in deutschen Online-Casinos vorkommen?

In Deutschland ist dies durch die strikte Regulierung der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) fast ausgeschlossen. Anbieter müssen transparente Quoten und fixe Einsatzlimits von 1 Euro einhalten, zudem werden alle Daten zur Spielsuchtprävention und Steuerabrechnung über das LUGAS-System zentral kontrolliert, was geheime Absprachen massiv erschwert.

Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

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