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Regulierung

Strafzahlung für TAB: Millionenschwere Quittung für illegale Glücksspielwerbung

Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Strafzahlung für TAB: Millionenschwere Quittung für illegale Glücksspielwerbung

Die australische Behörde ACMA brummt dem Anbieter TAB eine Strafe von 1,9 Millionen Dollar auf. Über 217.000 Werbe-Nachrichten wurden unzulässigerweise versendet.

Wenn das Telefon klingelt oder das Postfach überquillt, obwohl man ausdrücklich Nein gesagt hat, verstehen Regulierungsbehörden keinen Spaß. Der australische Glücksspiel-Riese Tabcorp, besser bekannt unter dem Namen TAB, muss nun tief in die Tasche greifen. Die Australian Communications and Media Authority (ACMA) hat das Unternehmen mit einer saftigen Strafe belegt. Es geht um massiven Druck durch Marketing, der genau dort landete, wo er gesetzlich verboten ist. Betroffen sind Menschen, die sich aktiv gegen Werbung entschieden hatten.

Denn wer sich in Australien in das sogenannte Do Not Call Register einträgt, möchte seine Ruhe haben. TAB ignorierte diesen Wunsch bei hunderten Kunden konsequent. Besonders pikant ist dabei der Zeitraum. Die Verstöße zogen sich über das Jahr 2024 und bis Juni 2025 hin. Es handelt sich nicht um einen kleinen technischen Fehler bei einer Handvoll Nutzer, sondern um ein systematisches Versagen der internen Kontrollprozesse. Die Behörde greift nun hart durch, um ein Exempel für den Spielerschutz zu statuieren.

Zahlen und Fakten

Die Details der Ermittlungen lesen sich wie ein Katalog der Versäumnisse. Insgesamt muss TAB eine Strafe von 1,9 Millionen Dollar zahlen, was umgerechnet etwa 2,7 Millionen Australischen Dollar entspricht. Die ACMA stellte fest, dass Werbebotschaften an 351 VIP-Kunden gingen, die auf der Verbotsliste standen. Doch das war nur die Spitze des Eisbergs. Innerhalb von nur 16 Tagen im Jahr 2025 verschickte TAB sage und schreibe 217.000 Marketing-SMS und E-Mails an Personen, die sich selbst vom Erhalt solcher Nachrichten ausgeschlossen hatten.

Zusätzlich zu diesen digitalen Nachrichten gab es 82 Anrufe, die außerhalb der erlaubten Zeiten getätigt wurden. Bei weiteren 4.000 Telefonaten versäumte es das Unternehmen, sich ordnungsgemäß als Anrufer zu identifizieren. Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine aggressive Taktik, die den Spielerschutz untergräbt. Samantha Yorke von der ACMA fand deutliche Worte für dieses Verhalten von Tabcorp.

„Wenn Menschen sich in das Do Not Call Register eintragen oder sich von Marketing-Nachrichten abmelden, treffen sie eine klare Entscheidung. Diese Entscheidungen müssen respektiert werden, insbesondere angesichts der erhöhten Risiken finanzieller Verluste und psychischer Schäden durch Glücksspiel-Marketing." - Samantha Yorke, Mitglied der ACMA

Hintergrund

Für Tabcorp ist dies nicht der erste Zusammenstoß mit der Aufsicht. Das Unternehmen steht bereits unter Beobachtung der Finanzaufsicht Austrac, da es Unregelmäßigkeiten bei der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung gab. Es wirkt fast so, als hätte man aus früheren Fehlern kaum gelernt. Bereits in der Vergangenheit belegte die ACMA den Konzern mit einer Strafe von 2,6 Millionen Dollar (4 Millionen AUD), weil 5.700 Marketing-Botschaften fälschlicherweise versendet wurden. Damals gelobte man Besserung, doch die aktuellen Zahlen zeigen ein anderes Bild.

TAB selbst gibt sich nun reumütig. Das Unternehmen bestätigte, dass die Fehler intern entdeckt und gemeldet wurden. Man arbeite vollumfänglich mit der Behörde zusammen und akzeptiere die Sanktionen. Dennoch stellt sich die Frage, wie ein so großer Akteur am Markt solche grundlegenden Schutzmechanismen über Monate hinweg missachten konnte. Die psychische Belastung für spielsüchtige Menschen, die versuchen, dem Glücksspiel fernzubleiben und dann mit 217.000 Nachrichten bombardiert werden, ist kaum zu unterschätzen.

Was heißt das für deutsche Spieler?

In Deutschland ist die Rechtslage durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) sogar noch strenger als in Australien. Wer hierzulande in einem Online-Casino mit GGL-Lizenz spielt, ist durch das zentrale Sperrsystem OASIS und die Überwachungsdatenbank LUGAS geschützt. Werbemaßnahmen an gesperrte Spieler sind in Deutschland streng untersagt und würden sofort zum Entzug der deutschen Lizenz führen. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) führt eine Whitelist, auf der nur Anbieter stehen, die sich an die harten Regeln halten. Dazu gehört auch das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten.

Deutsche Spieler sollten Vorfälle wie bei TAB als Warnung verstehen. Anbieter ohne deutsche Lizenz, etwa aus Curacao oder Malta (MGA), halten sich oft nicht an solche Werbeverbote. Wer dort spielt, riskiert nicht nur sein Geld, sondern auch eine Flut an aggressiver Werbung, der man sich kaum entziehen kann. In Deutschland hingegen sorgt LUGAS dafür, dass das monatliche Limit anbieterübergreifend eingehalten wird. Marketing-Terror, wie er in Australien stattfand, ist bei strikter Einhaltung der deutschen Gesetze technisch und rechtlich kaum möglich, solange man bei legalen Anbietern bleibt.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Betreiber mit einer deutschen Genehmigung ist der Fall TAB eine Mahnung zur Sorgfalt. Die GGL schaut bei Marketing-Verstößen ganz genau hin. Wer in die Whitelist will oder darin bleiben möchte, muss seine CRM-Systeme perfekt im Griff haben. Ein technischer Fehler, der tausende Werbe-SMS an gesperrte Kunden verschickt, wäre in Deutschland das Ende der Geschäftstätigkeit. Der Schutz der Spieler vor sich selbst und vor übermäßigem Kaufanreiz steht an oberster Stelle. Die GGL-Lizenz ist ein Qualitätssiegel, das genau solche Auswüchse verhindern soll. Ein „Do Not Call" Register gibt es in Deutschland zwar nicht direkt in dieser Form für Glücksspiel, aber die OASIS-Sperre wirkt wie ein totaler Werbestopp für den gesamten legalen Markt.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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