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Glücksspiel-Offensive in Alabama: Neue Regulierung soll Schwarzmarkt verdrängen

22. Juli 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Glücksspiel-Offensive in Alabama: Neue Regulierung soll Schwarzmarkt verdrängen

Der US-Bundesstaat Alabama plant im nächsten Quadrennium eine weitreichende Glücksspiel-Regulierung. Ein Gesetzentwurf scheiterte 2024 nur um eine einzige Stimme im Senat.

In den USA braut sich im Südstaat Alabama eine politische Debatte zusammen, die das Gesicht des dortigen Glücksspielmarktes grundlegend verändern könnte. Seit Jahren kochen die Diskussionen über Lotterien, Sportwetten und Casinos hoch, doch bisher blieben die Würfel meist auf der Seite der Traditionalisten liegen. Das soll sich nun ändern. Ein einflussreicher Abgeordneter hat angekündigt, dass das Thema im kommenden Quadrennium, das im nächsten Jahr beginnt, ganz oben auf der Tagesordnung stehen wird. Es geht dabei nicht nur um die bloße Lust am Zocken, sondern um handfeste finanzielle Interessen und den Kampf gegen einen ausufernden Schwarzmarkt.

Der Staat steht unter Zugzwang, da die bisherigen Budgetüberschüsse in den Bildungs- und Gesamthaushaltsfonds zur Neige gehen. Während die Nachbarstaaten längst von den Steuereinnahmen legalisierter Wetten profitieren, fließt in Alabama das Geld entweder in illegale Kanäle oder über die Staatsgrenzen hinweg. Die aktuelle Situation ist paradox: Während kommerzielle Casinos verboten sind, existieren quasi-legale Grauzonen, die täglich wachsen. Diese unkontrollierte Ausbreitung ist den Regulierern ein Dorn im Auge, da ohne staatliche Aufsicht weder Spielerschutz noch Steuereinnahmen garantiert werden können.

Zahlen und Fakten

Alabama gehört zu einer kleinen Gruppe von nur elf US-Bundesstaaten, in denen Sportwetten noch immer komplett illegal sind. Noch erstaunlicher ist der Fakt, dass der Staat einer der wenigen ist, der nicht einmal eine eigene staatliche Lotterie betreibt. Im Jahr 2024 scheiterte ein ambitionierter Vorstoß zur Legalisierung nur denkbar knapp. Der Abgeordnete Chris Blackshear hatte eine Verfassungsänderung gesponsert, die eine Lotterie, kommerzielle Casinos und Sportwetten sowie die Gründung einer staatlichen Glücksspielkommission vorgesehen hätte. Dieser Entwurf passierte zwar das Repräsentantenhaus, wurde aber im Senat massiv zusammengestrichen und verfehlte die notwendige Mehrheit schließlich um eine einzige Stimme.

Bisher beschränkt sich das legale Angebot auf drei Stammes-Casinos der Poarch Band of Creek Indians, die unter sogenannten Class-II-Regeln firmieren. In vier Landkreisen ist zudem Wetten auf Pferde- und Hunderennen in begrenztem Umfang erlaubt. Blackshear warnt davor, dass die illegalen Angebote wie Pilze aus dem Boden schießen und fordert Lösungen von den Gegnern einer Regulierung.

„Ich würde mich freuen, wenn jemand von der Gegenseite mit einer Lösung zu uns käme, wie wir das stoppen können, was bereits existiert. Man kann das, was auf Stammesland geschieht, nicht anfassen, oder? Aber es gibt eine Menge anderes, manche würden sagen quasi-legales, illegales Glücksspiel, das über den ganzen Staat verteilt existiert. Es wächst jeden Tag. Es taucht jeden Tag neu auf.“ - Chris Blackshear, Abgeordneter im Repräsentantenhaus von Alabama

Hintergrund

Die politische Landschaft in Alabama ist tief konservativ geprägt, was weitreichende Reformen im Bereich Glücksspiel oft erschwert. Da für eine Legalisierung eine Verfassungsänderung notwendig ist, müssen am Ende die Bürger an der Wahlurne entscheiden. Die Befürworter argumentieren vor allem mit der Kontrolle. Ohne Parameter und staatliche Aufsicht habe man keine Handhabe gegen die Betreiber im Schattenreich. Zudem sieht die finanzielle Prognose für den Staat düsterer aus als in den vergangenen Jahren. Die Sonderzahlungen in den Education Trust Fund (ETF) und den allgemeinen Haushalt laufen aus. Neue Einnahmequellen müssen her, um die Infrastruktur und das Bildungssystem auf dem aktuellen Niveau zu halten.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für Spieler in Deutschland mag ein Blick nach Alabama wie eine Reise in die Vergangenheit wirken. Während dort noch über Grundsatzfragen wie eine Lotterie gestritten wird, ist der deutsche Markt durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) längst klar reguliert. Deutsche Spieler profitieren hier von einem Sicherheitsniveau, das in Alabama erst mühsam erkämpft werden muss. Wer in Deutschland bei einem Anbieter mit GGL-Lizenz spielt, ist durch das zentrale Sperrsystem OASIS und die Überwachungsdatenbank LUGAS geschützt.

In Alabama gibt es derzeit keine Einzahlungslimits oder zentrale Aufsichtsbehörden für den Massenmarkt. Im Vergleich dazu sind die deutschen Regeln streng: Einzahlungslimits von 1.000 Euro pro Monat über alle Anbieter hinweg und das Einsatzlimit von einem Euro pro Spin bei Online-Slots sind fester Bestandteil des Spielerschutzes. Deutsche Kunden sollten darauf achten, nur in Casinos zu spielen, die auf der offiziellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder stehen. Anbieter ohne diese Lizenz, oft aus Übersee oder der Karibik, bieten keinen rechtlichen Schutz bei Gewinnauszahlungen und ignorieren die deutschen Standards zum Jugend- und Spielerschutz.

Was das für GGL-Casinos heißt

Die Entwicklung in Alabama zeigt, dass die staatliche Regulierung weltweit der einzige Weg ist, um den Schwarzmarkt effektiv zu bekämpfen. Für deutsche GGL-lizenzierte Casinos bedeutet dies eine Bestätigung ihres Geschäftsmodells. Während in den USA oft noch über die reine Existenz von Glücksspiel gestritten wird, fokussiert sich der deutsche Markt auf die Optimierung von Kanalisierungsquoten. Die GGL überwacht streng, dass legale Anbieter nicht durch illegale Konkurrenz ohne Steuerlast verdrängt werden. Die Debatte in Alabama verdeutlicht, dass auch ohne Regulierung gespielt wird, nur eben ohne Schutz und ohne Abgaben. Deutsche Anbieter können sich durch Transparenz und die Einhaltung der strengen GlüStV-Regeln als sichere Häfen positionieren, während der US-Markt noch mit fundamentalen Kontrollproblemen kämpft.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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