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Regulierung

Niederlande: Glücksspielsteuer enttäuscht Erwartungen deutlich

15. Juli 20265 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Niederlande: Glücksspielsteuer enttäuscht Erwartungen deutlich

Die niederländische Glücksspielsteuer hat ihre prognostizierten Einnahmen weit verfehlt. Statt erwarteter 108 Millionen Euro im Jahr 2025 wurden lediglich 2 Millionen Euro zusätzlich generiert.

Die Erhöhung der Glücksspielsteuer in den Niederlanden hat die fiskalischen Erwartungen der Regierung empfindlich enttäuscht. Prognosen von Mehreinnahmen in dreistelliger Millionenhöhe sind zu einem Bruchteil zusammengeschrumpft. Dies wirft Fragen zur Effektivität hoher Besteuerung im Glücksspielsektor auf. Es zeigt sich, dass eine reine Steuererhöhung ohne Berücksichtigung des Gesamtmarktes zu unerwünschten Nebeneffekten führen kann. Marktanalysten sprechen von einem wichtigen Realitäts-Check für europäische Regulierer. Auch für Deutschland können daraus wichtige Lehren gezogen werden. Die Branche muss diesen Fall genau beobachten.

Zahlen und Fakten

Die Niederlande erhöhten ihre Glücksspielsteuer in zwei Schritten: von 30,5 Prozent auf 34,2 Prozent im Januar 2025 und dann auf 37,8 Prozent im Januar 2026. Die niederländische Staatskasse rechnete mit zusätzlichen Einnahmen von 108 Millionen Euro im Jahr 2025 und 216 Millionen Euro im Jahr 2026. Die tatsächlichen Zahlen blieben weit hinter diesen Erwartungen zurück. Im Jahr 2025 wurden lediglich 2 Millionen Euro zusätzlich eingenommen. Für 2026 wird eine Summe von 57 Millionen Euro geschätzt. Ed Birkin, ein Analyst, weist darauf hin, dass nicht allein der Steuersatz Schuld an diesem Defizit trägt. Neue Einzahlungslimits, Werbebeschränkungen und das Abflauen des Umsatzanstiegs nach der Fußball-Europameisterschaft 2024 spielten eine Rolle bei der Schrumpfung der steuerpflichtigen Basis.

Interessanterweise litten auch landbasierte Spielstätten. Kasino- und Spielhallenbesuche gingen um rund 11 Prozent im Jahresvergleich zurück. Mehrere Betreiber führen diesen Rückgang direkt auf die Steuererhöhung zurück und nannten sie als Faktor für Geschäftsaufgaben. Generell zeigt sich, dass Steuererhöhungen nicht immer den gewünschten Effekt erzielen, den Regierungen sich erhoffen. Im Rahmen der Weltmeisterschafts-Vorhersagemärkte gab es zudem einige Beobachtungen. Der Kongo war das Land, auf das man am häufigsten setzte, das den Pokal aber nicht gewann. Frankreich, Spanien und Portugal waren die meistgespielten Favoriten.

Hintergrund

Die Diskussion um die richtige Besteuerung von Glücksspiel ist in Europa ein Dauerbrenner. Viele Länder experimentieren mit verschiedenen Ansätzen, um einerseits Einnahmen zu generieren und andererseits den Spielerschutz zu gewährleisten. Der Fall Niederlande zeigt die Komplexität dieser Aufgabe. Eine zu hohe Besteuerung kann dazu führen, dass Spieler auf unregulierte Angebote ausweichen. Dies würde sowohl den Spielerschutz als auch die Steuereinnahmen untergraben.

Dieser Aspekt wurde auch beim iGB L!VE Africa Summit diskutiert. Regulierungsbehörden aus Nigeria, Südafrika und Kenia trafen sich dort. Auch Industrieverbände wie das African Tax Administration Forum waren anwesend. Ein Hauptthema war dabei die nachhaltige Besteuerung und die Kanalisierung der Spieler in den regulierten Markt. Ed Birkin, der auf dem Gipfel eine Steuer-Podiumsdiskussion moderierte, stellte dabei eine kritische Frage:

„Wenn Betreiber in einigen Märkten hohe Steuersätze stillschweigend schlucken oder umgehen, kann die Branche dann immer noch glaubhaft gegen hohe Besteuerung an anderer Stelle argumentieren?“ - Ed Birkin, Analyst

Diese Frage bleibt relevant für die gesamte globale Glücksspielbranche.

Parallel dazu gibt es in Irland ein neues Lizenzregime, das seit dem 1. Juli unter der Gaming and Lotteries Regulatory Authority of Ireland (GRAI) in Kraft ist. Derzeit entfallen 89 Prozent der Online-Wetten auf lizenzierte Anbieter. Der Gesamtmarktanteil lizenzierter Angebote beträgt jedoch nur 35 Prozent, da alle anderen iGaming-Angebote weiterhin offshore und unreguliert sind. Dies verdeutlicht, dass die Regulierung nicht nur die Besteuerung, sondern auch die Kanalisierung der Spieler in den legalen Markt effektiv gestalten muss. Plattformanbieter wie Pragmatic Solutions sind bereits in Irland live gegangen. Sie unterstützen Betreiber beim Übergang in den regulierten Markt.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Der Fall Niederlande ist ein mahnendes Beispiel für die potenziellen Folgen einer suboptimalen Glücksspielregulierung. In Deutschland trat 2021 der Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV 2021) in Kraft. Dieser zielte darauf ab, den Online-Glücksspielmarkt zu kanalisieren und den Spielerschutz zu verbessern. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) ist für die Lizenzvergabe und Aufsicht zuständig. Diese Ansätze sind grundsätzlich positiv. Allerdings gibt es auch hier Einschränkungen, die zu einer Verlagerung auf den Schwarzmarkt führen könnten. Zum Beispiel das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über das LUGAS-System, und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Online-Spielautomaten. Solche Restriktionen können dazu führen, dass Spieler auf unregulierte Anbieter ausweichen. Diese sogenannten "Graumarkt"-Casinos, oft mit Lizenzen aus Malta (MGA) oder Curacao, bieten oft höhere Einsatzlimits und kein LUGAS-System. Dies mag zwar vordergründig attraktiver wirken, birgt aber erhebliche Risiken. Im Falle von Problemen gibt es dort keinen ausreichenden Spielerschutz oder rechtliche Handhabe.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Casinos, die eine deutsche Lizenz der GGL besitzen, sind die Entwicklungen in den Niederlanden ein wichtiges Signal. Der GlüStV 2021 verfolgt einen anderen Ansatz als die niederländische Steuererhöhung. Er legt den Fokus auf Spielerschutz und die Kanalisierung hin zu regulierten Anbietern. Die GGL-Whitelist ist hierbei das zentrale Instrument. Dort finden Spieler Casinos, die die strengen deutschen Vorgaben erfüllen. Der Erfolg der deutschen Regulierung wird maßgeblich davon abhängen, wie gut es gelingt, den Schwarzmarkt einzudämmen und gleichzeitig attraktive Angebote im regulierten Bereich zu ermöglichen. Eine zu hohe Besteuerung oder zu strenge Auflagen, wie in den Niederlanden, könnten auch in Deutschland zu unerwünschten Effekten führen. Die GGL muss daher die Balance zwischen Spielerschutz, Attraktivität des legalen Angebots und natürlich den fiskalischen Zielen sorgfältig austarieren. Der Fall Niederlande zeigt, dass die Einnahmenseite leiden kann, wenn das Ökosystem nicht genau genug verstanden wird.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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