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William-Hill-Eigentümer Evoke wird für 243 Mio. £ von Bally's Intralot übernommen

5. Juni 20267 Minvon Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
William-Hill-Filiale bei Dämmerung mit griechischer Säule, Symbolbild zur Bally's-Intralot-Übernahme von Evoke

Der britische Wettkonzern Evoke (vormals 888 Holdings) stimmt einer Übernahme durch den griechischen Casino- und Lotterie-Konzern Bally's Intralot zu. Was der 243-Mio.-£-Deal für den europäischen Glücksspielmarkt bedeutet.

Der britische Glücksspielkonzern Evoke, bekannt als Eigentümer von William Hill und 888, hat einem Übernahmeangebot von Bally's Intralot zugestimmt. Stolze 243 Millionen Pfund, umgerechnet rund 285 Millionen Euro, berappt der griechische Casino- und Lotterie-Anbieter. Beide Firmen bestätigten den All-Share-Deal letzten Freitag, nach ungefähr zwei Monaten Verhandlung. An der Londoner Börse katapultierte das den Evoke-Kurs mal eben um 15 % nach oben. Auch Bally's Intralot legte in Athen kräftig zu.

Der Deal bewertet Evoke mit 52 Pence je Aktie, ein echter Sprung um 77 Prozent, gemessen am durchschnittlichen Kurs von 29,4 Pence im Quartal, vor Bekanntwerden der Übernahmegespräche am 17. April. Für die William Hill und 888-Gruppe ist das ein ganz schöner Einschnitt: Erst vor vier Jahren hatte Evoke, damals noch als 888 Holdings, das Wettshop-Netz von William Hill mit rund 1.400 Filialen für 2,2 Milliarden Pfund von Caesars geschluckt. Seitdem purzelte der Evoke-Aktienkurs um 90 %.

Heute steckt Evoke tief in der Kreide: Die Nettoverschuldung liegt bei etwa 1,8 Milliarden Pfund, der Börsenwert vor dem Angebot bei nur etwas über 180 Millionen Pfund. Dem Konzern machen die massiven Steuererhöhungen der Briten auf Glücksspielprodukte, die verschärften Spielerschutzauflagen der UKGC und der Niedergang bei den stationären Wettshops schwer zu schaffen. Schon im Mai kündigte Evoke an, rund 200 William-Hill-Filialen dichtzumachen, klar, wegen dieser Kostenexplosionen.

Bally's Intralot dagegen ist ein eher unbeschriebenes Blatt, aber global unterwegs. Der Konzern liefert die Technik für zwölf US-Staatslotterien und mischt in Europa, Südamerika, Nordafrika, Südostasien sowie Australien und Neuseeland mit. Vorsitzender Soo Kim meinte, Großbritannien sei „eine hochattraktive Geografie“ und die aktuelle Marktverwerfung biete „eine signifikante Konsolidierungschance“. Für Evoke-Chairman Mark Summerfield war das „attraktivste und realistisch umsetzbare Ergebnis“ für die Aktionäre gefunden. Selbst die Gründerfamilie Shaked, 1997 mit 888 gestartet und noch immer größter Einzelaktionär mit 19,2 %, nickt den Zusammenschluss ab.

Für den deutschen Markt? Nur indirekt relevant, aber strategisch nicht zu unterschätzen. Weder William Hill noch 888 tauchen im Moment auf der GGL-Whitelist als deutsche Online-Casino-Lizenznehmer auf, Deutschland war für Evoke schon länger kein Fokusmarkt. Bally's Intralot wird das wohl kaum ändern. Allerdings zeigt der Deal: Der europäische Glücksspielmarkt steht vor einer neuen Konsolidierungswelle. Hohe Steuern, strenge Regeln, gestiegene Compliance-Kosten. Mittelgroße Anbieter tun sich immer schwerer, allein profitabel zu bleiben.

Diese Entwicklung wird mittelfristig auch Deutschland erwischen. Die rund 60 GGL-lizenzierten Online-Casino-Anbieter, wie zum Beispiel JackpotPiraten, OnlineCasino DE, Merkur Slots, bwin Casino, Tipico Games und LeoVegas DE, agieren unter harten Bedingungen: 5,3 % Glücksspielsteuer auf jeden Einsatz, 1.000-Euro-Monats-Einzahlungslimit (LUGAS), strikte Werbeverbote und ab 2026 noch schärfere Compliance-Pflichten. Ich schätze, internationale Konzerne à la Entain, Flutter, Kindred und bald auch Bally's Intralot werden genau prüfen, ob deutsche Lizenzen oder Übernahmen lizenzierter Marken künftig spannender werden.

Für deutsche Zocker ändert sich erstmal nix. Wer bei einem GGL-lizenzierten Anbieter spielt, bleibt geschützt: deutsche Aufsicht, OASIS-Sperrsystem, LUGAS-Limit und die zentrale Beschwerdestelle der GGL passen auf. Sollte sich die Konsolidierung aber, wie Branchenanalysten orakeln, in den nächsten ein bis zwei Jahren beschleunigen, erleben wir sicher Marken-Wechsel, Plattform-Migrationen und neue Eigentümerstrukturen, auch bei deutschen Anbietern. Das beobachten wir genau und melden uns, sobald deutsche Lizenzinhaber von Übernahmen betroffen sind.

Die Übernahme ist noch nicht in trockenen Tüchern: Aktionärsversammlungen, die britische Glücksspielaufsicht UKGC und die Wettbewerbsprüfung müssen noch zustimmen. Branchenkreise erwarten einen Abschluss im vierten Quartal 2026.

Quellen & weiterführende Links

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