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Georgiens gewagtes Glücksspiel-Experiment: Exotische Steuereinnahmen ohne soziale Kopfschmerzen?

23. Juni 20267 Minvon Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Ein goldener Schlüssel öffnet ein stilisiertes Vorhängeschloss auf einer Weltkarte, das Georgien hervorhebt, während im Hintergrund verschwommene Glücksspielsymbole und eine Waage zu sehen sind, die Einnahmen und soziale Verantwortung darstellt.

Georgien wagt ein besonderes Experiment auf dem Glücksspielmarkt: Es öffnet die Tore für ausländische Anbieter, schließt aber gleichzeitig die eigenen Bürger vom Spiel aus. Ein Modell, das an ferne Karibikinseln oder umgekehrte historische deutsche Alleingänge erinnert und die Branche sowie Regulierungsbehörden weltweit aufhorchen lässt. Lisa Lustich analysiert die Hintergründe und möglichen Auswirkungen.

Georgien, ein Land bekannt für seine Gastfreundschaft und atemberaubende Landschaften, prescht mit einem bemerkenswerten Vorstoß in der Glücksspielregulierung vor. Wie iGamingToday am 23. Juni 2026 berichtete, hat die georgische Regierung eine Entscheidung getroffen, die in der internationalen Glücksspielwelt für reichlich Gesprächsstoff sorgt: Ausländische Casino-Anbieter dürfen sich im Land lizenzieren lassen, aber sie dürfen keine georgischen Staatsbürger als Spieler akzeptieren. Ein kühnes Manöver, das auf den ersten Blick paradox erscheint, bei genauerer Betrachtung jedoch eine strategische Fiskalpolitik offenbart. Das Modell erinnert frappierend an die Offshore-Lizenzen karibischer Inselstaaten wie Antigua oder die umgekehrte Logik der früheren Alleingänge Schleswig-Holsteins, als deutsche Anbieter zeitweise nur für nicht-deutsche Spieler lizenziert waren. Nur hier eben andersherum, die Lizenz kommt aus Georgien, die Spieler aber ausdrücklich nicht.

Das Hauptziel dieser außergewöhnlichen Regelung ist klar definiert: Es geht um die Generierung von Steuereinnahmen. Georgien will vom milliardenschweren globalen Glücksspielmarkt profitieren, ohne die sozialen Kosten tragen zu müssen. Spielsucht, Überschuldung und damit verbundene gesellschaftliche Probleme sollen durch den Ausschluss der eigenen Bevölkerung minimiert werden. Ein scheinbar genialer Schachzug, der die Kassen füllen und gleichzeitig die heimische Bevölkerung schützen soll. Die georgische Regierung kalkuliert hier mit hohen Lizenzgebühren und einer Besteuerung der Bruttospielerträge, die von ausländischen Spielern generiert werden. Eine genaue Bezifferung der erwarteten Einnahmen ist noch nicht erfolgt, aber Experten schätzen, dass es sich um einen dreistelligen Millionenbetrag handeln könnte, der jährlich in die Staatskasse fließen könnte. Dies würde eine signifikante Steigerung der Staatseinnahmen bedeuten, die für Infrastrukturprojekte, Bildung oder Gesundheitswesen eingesetzt werden könnten.

Für den deutschen Glücksspielmarkt und seine Akteure wirft dieses georgische Modell spannende Fragen auf. Welche Relevanz hat es für uns, wenn ein Land ein solches Export-Modell etabliert? Könnten deutsche Anbieter, die hierzulande streng reguliert sind, perspektivisch daran interessiert sein, in solchen Märkten zu operieren, um neue Einnahmequellen zu erschließen? Die GGL, Deutschlands zentrale Aufsichtsbehörde, achtet penibel auf die Einhaltung des Glücksspielstaatsvertrages und die damit verbundenen Spielerschutzmaßnahmen. Anbieter wie JackpotPiraten, OnlineCasino DE, Merkur Slots, bwin Casino, Tipico Games und LeoVegas DE, die alle über eine deutsche Lizenz verfügen, sind an strenge Regeln gebunden. Ein Engagement in Georgien würde für diese Unternehmen bedeuten, sich an ein völlig anderes Regelwerk anzupassen und explizit darauf zu achten, keine deutschen Spieler anzunehmen.

Die Diskussion in Deutschland, was wäre, wenn deutsche Anbieter im Ausland operieren könnten, ohne deutsche Spieler als Zielgruppe zu haben, ist nicht neu. Sie entflammte schon bei den ersten Entwürfen zur Regulierung. Das georgische Modell könnte diesen Diskurs neu beleben und aufzeigen, dass es durchaus Wege gibt, von der globalen Glücksspielindustrie zu profitieren, ohne die Schutzmechanismen für die eigene Bevölkerung aufweichen zu müssen. Allerdings birgt ein solches Vorgehen auch Risiken. Die Reputation deutscher Anbieter könnte leiden, wenn sie in Märkten aktiv sind, die als

Offshore-Paradiese

gelten, obwohl das georgische Modell explizit den Spielerschutz der eigenen Bevölkerung vorsieht. Es ist ein schmaler Grat zwischen wirtschaftlicher Opportunität und ethischer Verantwortung, den es zu balancieren gilt. Die deutsche Diskussion dreht sich ja oft um die Frage, wie man sowohl Spielerschutz gewährleisten als auch attraktive Angebote bereitstellen kann. Das georgische Modell könnte hier als Gedankenspiel dienen, ob sich nicht auch ein rein exportorientierter Betrieb von Anbietern denken ließe. Allerdings ist ein solcher Gedanke im stark regulierten deutschen Kontext eher hypothetisch.

Vergleiche mit der Situation in Schleswig-Holstein sind hier nur bedingt hilfreich, da die damalige Konstellation eine gänzlich andere war. Dort wurde über eine eigene Landeslizenz diskutiert, die de facto auch für deutsche Spieler Gültigkeit haben sollte, bevor der Glücksspielstaatsvertrag diese Bestrebungen einhegte. Georgien hingegen schließt die eigenen Spieler kategorisch aus, was eine klare Abgrenzung darstellt. Die Parallelen zu Jurisdiktionen wie Curaçao oder Malta, die Lizenzen für den internationalen Markt vergeben, liegen näher. Doch auch hier der entscheidende Unterschied: In diesen Ländern gibt es keine explizite und durchsetzbare Vorgabe, die eigene Bevölkerung vom Spiel auszuschließen. Im Gegenteil, oft sind die lokalen Spieler ein relevanter Teil des Marktes.

Kritische Stimmen könnten anführen, dass Georgien sich mit dieser Politik zu einer Art

Quellen & weiterführende Links

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