GGL verschärft Werbeverbote 2026 — Was sich für deutsche Online-Casinos jetzt ändert

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder hat zum 1. Juni 2026 neue, deutlich strengere Werberichtlinien veröffentlicht. Wir analysieren die wichtigsten Punkte für Spieler und Anbieter.
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) hat am 1. Juni 2026 ein neues, umfassendes Maßnahmenpaket zur Werbung für virtuelle Automatenspiele und Online-Pokers in Kraft gesetzt. Damit reagiert die Behörde auf wachsende politische Kritik, dass die seit 2021 geltenden Werberegelungen in der Praxis nicht ausreichend wirkten. Die neue Richtlinie betrifft sämtliche der derzeit rund 60 in Deutschland GGL-lizenzierten Online-Casino-Anbieter — darunter prominente Marken wie JackpotPiraten, OnlineCasino DE, Merkur Slots, bwin Casino, Tipico Games und LeoVegas DE.
Im Kern verbietet die neue Richtlinie jede Form von TV- und Radiowerbung für Online-Casinos zwischen 6:00 und 21:00 Uhr — bisher lag die Sperrzeit lediglich zwischen 6:00 und 21:00 Uhr für Sportwetten, Casinos durften bereits ab 21:00 Uhr werben. Zudem dürfen Werbespots ab sofort keine konkreten Bonusangebote, Echtgeldgewinne oder Slot-Beispiele mehr zeigen. Erlaubt bleibt nur noch eine Marken- und Sicherheitskommunikation, also etwa Hinweise auf die GGL-Lizenz, Spielerschutzmaßnahmen oder den Sitz des Anbieters.
Besonders weitreichend sind die neuen Online-Werbungsregeln. Social-Media-Werbung auf Instagram, TikTok und Snapchat ist ab sofort vollständig untersagt — unabhängig vom Alter der Zielgruppe. Auf Plattformen wie YouTube, X und Facebook ist Werbung nur noch mit verifiziertem Altersfilter (ab 21 Jahren) zulässig. Google- und Bing-Anzeigen müssen ab sofort jeden Bonus-Begriff streichen und dürfen ausschließlich auf neutrale, nicht-werbliche Landingpages verlinken. Affiliate-Marketing — also die Provision für externe Empfehlungsseiten — bleibt erlaubt, allerdings unter erheblich verschärften Transparenz- und Spielerschutzauflagen.
Für deutsche Spieler bedeuten die neuen Regeln vor allem eines: weniger Werbedruck, dafür aber auch weniger Vergleichbarkeit von Boni und Promotionen. Die GGL begründet die Verschärfung mit dem deutlich gestiegenen Werbevolumen der Online-Casinos im Jahr 2025 — alleine im TV wurden laut Branchenangaben 380 Mio. € für Werbung ausgegeben, ein Plus von 42 % gegenüber 2024. Insbesondere die aggressive Bewerbung von Willkommensboni stand seit Monaten in der Kritik von Spielerschutzverbänden und der BZgA.
Die Anbieter reagieren gemischt. Während die Gauselmann-Gruppe (Mernov / JackpotPiraten, Merkur Slots) das neue Werbeverbot in einem Statement als „notwendigen Schritt zur Glaubwürdigkeit des regulierten Marktes” begrüßt, kritisiert der Deutsche Online-Casino-Verband (DOCV), dass die Verschärfungen den ohnehin starken Schwarzmarkt weiter befeuern könnten. Untersuchungen der Universität Hohenheim zeigen, dass aktuell rund 25 % aller Online-Casino-Einsätze in Deutschland weiterhin auf nicht-lizenzierten Plattformen platziert werden — eine Zahl, die durch Werbeverbote der legalen Anbieter potenziell weiter steigen könnte.
Für Affiliate-Seiten wie Lustich.de bringt die neue Regelung ebenfalls Veränderungen. Bonusvergleiche bleiben grundsätzlich erlaubt, müssen aber ab sofort zwingend mit dem Hinweis „Glücksspiel kann süchtig machen” sowie der Telefonnummer der BZgA-Beratungsstelle versehen werden. Slot-Demos, Screenshot-Galerien und Empfehlungsverkaufstexte fallen unter die neuen Transparenzregeln und müssen klar als kommerzielle Inhalte gekennzeichnet sein. Wir bei Lustich.de halten diese Standards seit Jahren bereits ein — die neue Richtlinie ändert für unsere Redaktion daher operativ wenig.
Eine erste Wirkungsanalyse der neuen Werbevorschriften ist für Anfang 2027 angekündigt. Sollten die Maßnahmen wie erhofft zu einer Reduktion der problematischen Spielmuster führen, ist mit weiteren Verschärfungen — etwa einem Komplettverbot von Cashback-Aktionen — zu rechnen. Sollte der Schwarzmarkt hingegen weiter wachsen, dürfte die Diskussion in die andere Richtung gehen: hin zu einer behutsamen Lockerung kombiniert mit aggressiverer Verfolgung illegaler Anbieter. Aus heutiger Sicht ist die Branche damit weiter im Umbruch — und Spieler sollten sich stärker als je zuvor auf unabhängige Vergleichsseiten verlassen, um die für sie passenden GGL-lizenzierten Anbieter zu finden.
Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).



