Mauritius reformiert Glücksspielgesetz: Hotel-Casinos stehen vor dem Aus

Im Inselstaat Mauritius werden Hotel-Casino-Lizenzen abgeschafft. Das neue Budget 2026/2027 sieht zudem eine direkte digitale Überwachung aller Buchmacher durch das Finanzamt vor.
Dass sich Mauritius von seinem Image als reiner Urlaubsort für betuchte Gäste wegbewegen will, zeigt sich nun deutlich in der Neuausrichtung der Glücksspielgesetzgebung. Die Regierung setzt auf knallharte Transparenz und eine verstärkte digitale Kontrolle. Das Budget für die Jahre 2026 und 2027 markiert einen Wendepunkt für den kleinen Inselstaat im Indischen Ozean. Es ist die größte strukturelle Änderung am rechtlichen Rahmen seit der Konsolidierung des Gambling Regulatory Authority Act im Jahr 2007. Dabei geht es vor allem darum, den Wildwuchs in der Branche zu bändigen und die Besteuerung lückenlos sicherzustellen.
Besonders spannend ist, dass die Regierung unter Premierminister Navinchandra Ramgoolam eine ganze Lizenzkategorie opfert. Bisher konnten Hotels unter einer maßgeschneiderten Lizenz eigene Casinobereiche betreiben. Damit ist nun Schluss. Die Definitionsbegriffe für Hotel-Casinos und deren Spielmaschinen werden komplett aus dem Gesetz gestrichen. Wer zukünftig in einem Hotel Glücksspiel anbieten möchte, muss sich um eine reguläre Casinolizenz bemühen, die weitaus strengeren Auflagen unterliegt. Dies soll sicherstellen, dass Glücksspiel kein bloßes Beiprodukt des Tourismus bleibt, sondern streng staatlich überwacht wird.
Zahlen und Fakten
Ein zentraler Baustein der Reform ist das Central Electronic Monitoring System (CEMS). Die Mauritius Revenue Authority (MRA), also das nationale Finanzamt, bekommt einen direkten Draht zu den Servern der Betreiber. Jedes Casino und jedes Gaming House muss seine Spielserver direkt mit dem CEMS verbinden. Das Ziel ist eine lückenlose fiskalische Überwachung. Zudem wurde die Anzahl der erlaubten Wett-Terminals pro Buchmacher in genehmigten Räumlichkeiten von bisher drei auf fünf erhöht. Eines dieser fünf Terminals muss ausschließlich für die Auszahlung von Gewinnen reserviert sein.
Die Besteuerung der Pferderennsport-Wetten wird ebenfalls angepasst. Künftig wird die Steuer auf Basis der Einsätze abzüglich der ausgezahlten Gewinne berechnet, anstatt wie bisher auf die Bruttoeinsätze. Diese Änderung folgt auf das im April 2026 verabschiedete Gesetz gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung, das von Finanzminister Jyoti Jeetun vorangetrieben wurde. Er betonte vor dem Parlament die Notwendigkeit, bei Lizenzanträgen Details zu den wirtschaftlich Berechtigten offenzulegen und Bargeldlimits einzuführen.
„Die Regierung hat sich verpflichtet, das öffentliche Vertrauen in die Gambling Regulatory Authority (GRA) wiederherzustellen, insbesondere im Hinblick auf die Aufsicht über die Pferderennsportbranche, und sicherzustellen, dass die GRA als vertrauenswürdige Regulierungsbehörde der Glücksspiel- und Wettindustrie agiert.“ - Navinchandra Ramgoolam, Premierminister und Finanzminister von Mauritius
Hintergrund
Die Reformen sind eine Reaktion auf wachsende Kritik an der Aufsichtsbehörde GRA. Besonders im Bereich des Pferderennsports gab es Berichte über mangelhafte Kontrollen durch die neu geschaffene Horse Racing Integrity Division. Obwohl die Behörde diese Vorwürfe bestritt, setzt die Politik nun auf technische Lösungen. Die Ausbreitung des digitalen Glücksspielregimes, das bereits im Jahr 2025 eingeführt wurde, spielt dabei eine Schlüsselrolle. Nun werden auch Betreiber von Automaten mit begrenztem Gewinnpotenzial (Limited Payout Machines) in dieses System aufgenommen. Erstmals gibt es eine gesetzliche Definition für digitale Spiele im nationalen Recht. Bevor ein Anbieter online gehen darf, muss seine Plattform von einem akkreditierten, unabhängigen Labor zertifiziert werden. Innerhalb der GRA entstehen zudem neue Abteilungen für verantwortungsbewusstes Spielen, Kommunikation sowie Finanzen und Beschaffung.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Urlauber, die auf Mauritius gerne mal eine Runde am Automaten im Hotel gedreht haben, wird sich das Erlebnis vor Ort massiv verändern. Die gewohnte Bequemlichkeit, direkt im Hotelressort unter einer speziellen Hotellizenz zu spielen, schwindet. Deutsche Spieler sind durch den Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV 2021) an sehr strenge Regeln gewöhnt, die in vielen Punkten sogar noch über das hinausgehen, was Mauritius nun plant. Während Mauritius gerade erst eine zentrale Überwachung der Server einführt, haben wir in Deutschland mit dem LUGAS-System bereits eine Echtzeit-Überwachung der Einzahlungen und Spielzeiten. Wer aus Deutschland online spielt, sollte sich immer an die GGL-Whitelist halten. Dort sind die Einsätze pro Spin auf 1 Euro begrenzt und das monatliche Einzahlungslimit liegt bei 1.000 Euro, um Spielerschutz sicherzustellen. Das Beispiel Mauritius zeigt, dass weltweit der Trend zur rigiden staatlichen Kontrolle und weg von Graumärkten oder Sondergenehmigungen für den Tourismus geht.
Was das für GGL-Casinos heißt
Die Entwicklungen auf Mauritius sind ein weiteres Zeichen dafür, dass nationale Regulierungsbehörden ihre Souveränität zurückfordern. Deutsche Anbieter mit GGL-Lizenz kennen den Druck der technischen Anbindung bereits sehr gut. Für die GGL (Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder) ist die Entwicklung in Mauritius ein Beleg dafür, dass technische Überwachungssysteme wie LUGAS oder Safe international das neue Standardmodell werden. Während Mauritius noch zwischen hotelbasiertem und allgemeinem Casino-Geschäft unterscheidet, ist die deutsche Regulierung bereits einen Schritt weiter und fokussiert sich rein auf die Kanalisierung in den legalen Online-Markt. Betreiber mit Sitz in MGA- oder Curacao-Gefilden werden es zunehmend schwerer haben, da immer mehr Staaten eigene, geschlossene Steuersysteme mit direkter Serveranbindung fordern. Das Modell Mauritius zeigt, dass Steuerehrlichkeit und technischer Zugriff Hand in Hand gehen.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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