Beben bei Rumäniens Glücksspielbehörde: Präsident Soare überraschend entlassen
KI-GENERIERTNach nur einem Jahr im Amt muss Vlad-Cristian Soare seinen Posten bei der ONJN räumen. Die Behörde kämpft mit Skandalen um Bestechung und einem Steuerloch von fast 1 Milliarde Euro.
In der rumänischen Glücksspielregulierung herrscht helle Aufregung. Völlig überraschend hat Premierminister Ilie Bolojan den Präsidenten der nationalen Behörde ONJN, Vlad-Cristian Soare, mit sofortiger Wirkung entlassen. Soare war erst vor etwas mehr als einem Jahr angetreten, um eine Institution zu befrieden, die seit geraumer Zeit im Zentrum politischer Kontroversen und existenzieller Fragen steht. Sein Nachfolger steht bereits fest: Valentin-Ioan Tomescu übernimmt ab sofort die Führung der Behörde, die für die Überwachung eines der dynamischsten Märkte Osteuropas zuständig ist.
Die Entlassung trifft Soare offensichtlich unvorbereitet. In einer emotionalen Nachricht auf der Plattform LinkedIn machte er seinem Unmut Luft und betonte, dass ihm keine konkreten Gründe für sein Ausscheiden genannt wurden. Er bedauerte, dass seine Ablösung nicht auf dem Prinzip der Leistungsgesellschaft basiere. Dennoch betonte er seinen Stolz darüber, den rumänischen Staat als Würdenträger vertreten zu haben. Diese Personalentscheidung fällt in eine Zeit, in der die ONJN von Korruptionsvorwürfen erschüttert wird, die bis in die höchsten Ebenen der Verwaltung reichen.
Zahlen und Fakten
Die Bilanz von Soare in seiner kurzen Amtszeit ist durchaus bemerkenswert. Unter seiner Leitung wurde die Anzahl der lizenzierten Glücksspielunternehmen radikal reduziert. Waren es zu Beginn seiner Amtszeit noch rund 200 Unternehmen, so wurde dieser Markt auf weniger als 100 Anbieter halbiert. Dies war Teil einer Strategie zur Marktbereinigung und zur Erhöhung der Kontrolldichte. Zudem wurden über 1.300 illegale Glücksspiel-Webseiten gesperrt, um den Schwarzmarkt einzudämmen. Rumänien folgte unter ihm zudem dem Beispiel anderer europäischer Staaten und verbot Prognosemärkte wie Polymarket und Kalshi.
Besonders schwer wiegen jedoch die Altlasten. Ein Audit des Rechnungshofes deckte für das Jahr 2025 ein gewaltiges Defizit auf. Es fehlen Steuerzahlungen in Höhe von fast 1 Milliarde Euro (ca. 855 Millionen Britische Pfund). Dieses Finanzloch entstand unter der Führung von Soares Vorgängern, insbesondere unter dem ehemaligen Präsidenten Gheorghe, dessen Stellvertreterin Ana-Maria Badea nun ebenfalls im Visier der Justiz steht. Badea wird wiederholte Bestechlichkeit vorgeworfen. Auch Odeta Kristanela Nestor, die die ONJN zwischen 2013 und 2017 leitete, wurde im Juni wegen des Verdachts auf korrupte Aktivitäten in Gewahrsam genommen.
Hintergrund
Soare verstand sich selbst als Technokrat, der die Institution von innen heraus reinigen wollte. Er leitete interne Untersuchungen ein und tauschte die Führung der Direktionen aus. Er betonte, dass die Ermittlungen der Antikorruptionsbehörde in diesem Jahr eine direkte Folge der von ihm aufgedeckten Verstöße seien. Ein wesentlicher Teil seiner Arbeit betraf zudem den Spielerschutz. Er trieb die Modernisierung des Selbstausschlusssystems voran, das in Rumänien lange Zeit hinter europäischen Standards zurückgeblieben war. Sein Team entwickelte ein vollständig digitales System und forderte Gesetzesänderungen, um auch Online-Betreiber lückenlos einzubinden.
„Es war die größte Ehre, den rumänischen Staat als Würdenträger zu vertreten, und ich danke Gott, dass ich diese Erfahrung machen durfte. Ich liebe Rumänien und auch wenn ich enttäuscht bin, weil mein Wechsel nicht auf dem Prinzip der Meritokratie beruhte, werde ich nicht aufhören, an unsere Fähigkeit zu glauben, Gutes zu tun.“ - Vlad-Cristian Soare, ehemaliger Präsident der ONJN
Ein weiterer Meilenstein war die Aushandlung von rund 5 Millionen Euro an Fördermitteln für soziale Projekte. Unter der Initiative „Conscious and Free“ sollten diese Gelder gezielt zur Bekämpfung von Spielsucht eingesetzt werden. Dass Soare trotz dieser Reformschritte gehen muss, wirft Fragen über die politischen Motive hinter der Entscheidung von PM Bolojan auf.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler, die sich strikt an die Regeln des Glücksspielstaatsvertrags 2021 (GlüStV 2021) halten, scheinen die Turbulenzen in Rumänien zunächst weit weg. Doch das Beispiel zeigt, wie wichtig eine stabile und transparente Aufsicht ist. In Deutschland übernimmt die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) diese Aufgabe. Während in Rumänien Korruptionsskandale und verschwundene Steuermilliarden das Vertrauen erschüttern, setzt das deutsche System auf maximale Kontrolle durch LUGAS und die OASIS-Sperrdatei. Deutsche Spieler sollten darauf achten, nur bei Anbietern zu spielen, die auf der offiziellen GGL-Whitelist stehen. Nur dort sind das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an Slots garantiert. Ein Chaos wie bei der ONJN verdeutlicht, warum strenge staatliche Aufsicht und der Fokus auf Spielerschutz essenziell sind, um kriminelle Strukturen zu verhindern.
Was das für GGL-Casinos heißt
Die Entwicklung in Rumänien ist eine Warnung an alle regulierten Märkte. GGL-lizenzierte Casinos in Deutschland profitieren von der Rechtssicherheit, die eine funktionierende Behörde bietet. Wenn eine Aufsichtsbehörde wie die ONJN in Korruptionsskandale verwickelt wird, leidet der gesamte legale Markt, da illegale Anbieter die Unsicherheit ausnutzen. Die Halbierung der Lizenzen in Rumänien zeigt zudem, dass Regulierung oft zur Konsolidierung führt. Deutsche Anbieter müssen sich weiterhin darauf verlassen können, dass die GGL den Schwarzmarkt ebenso konsequent bekämpft, wie es Soare mit der Sperrung von 1.300 Seiten versuchte. Transparenz bei Steuerzahlungen und die strikte Einhaltung von Spielerschutzmaßnahmen sind für GGL-Casinos nicht nur Pflicht, sondern ihr wichtigstes Verkaufsargument gegenüber unsicheren ausländischen Märkten.
Häufige Fragen
Warum wurde Vlad-Cristian Soare entlassen?
Ein konkreter Grund für die Entlassung durch Premierminister Ilie Bolojan wurde nicht öffentlich genannt. Soare selbst kritisierte, dass die Entscheidung nicht auf seiner beruflichen Leistung basierte, obwohl er zahlreiche Reformen angestoßen hatte.
Welche Korruptionsfälle gibt es bei der ONJN?
Die stellvertretende Generaldirektorin Ana-Maria Badea steht unter Verdacht der Bestechlichkeit. Zudem wurde die ehemalige Präsidentin Odeta Kristanela Nestor im Juni wegen möglicher korrupter Aktivitäten festgenommen.
Wie groß ist der Steuerschaden in Rumänien?
Ein Audit des Rechnungshofes stellte fest, dass im Jahr 2025 knapp 1 Milliarde Euro an Steuereinnahmen aus dem Glücksspielsektor fehlten. Dies geschah unter der Leitung von Soares Vorgängern.
Sind deutsche Online-Casinos von diesen Skandalen betroffen?
Nein, in Deutschland lizenzierte Casinos unterliegen der Aufsicht der GGL und sind von den rumänischen Behörden unabhängig. Spieler in Deutschland sollten jedoch darauf achten, nur bei Anbietern mit deutscher Lizenz zu spielen, um von hohen Sicherheitsstandards zu profitieren.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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