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Regulierung

Playtika wehrt sich gegen US-Klage: Sind Social Casinos illegales Glücksspiel?

28. Juli 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Playtika wehrt sich gegen US-Klage: Sind Social Casinos illegales Glücksspiel?

Der US-Bundesstaat Washington fordert die Löschung von 16 Apps und Rückzahlungen von über 225 Millionen US-Dollar. Playtika kämpft nun vor Gericht um sein Geschäftsmodell.

In den USA braut sich ein juristisches Gewitter zusammen, das die Grundfesten der Social Casino Branche erschüttern könnte. Playtika, einer der größten Akteure im Bereich der mobilen Spiele, wehrt sich derzeit massiv gegen eine Klage im Bundesstaat Washington. Die Behörden dort haben es auf insgesamt 16 Apps abgesehen, darunter Schwergewichte wie Slotomania, House of Fun, Caesars Casino Slots und Bingo Blitz. Der Kernvorwurf wiegt schwer, denn der Staat betrachtet diese vermeintlich kostenlosen Zeitvertreibe als illegales Glücksspiel. Es geht nicht nur um das Verbot der Anwendungen, sondern auch um gigantische Summen. Über 225 Millionen US-Dollar sollen an die Nutzer zurückgezahlt werden, die in den vergangenen Jahren echtes Geld für virtuelle Jetons ausgegeben haben.

Die Verteidigungsstrategie von Playtika ist klar definiert. Das Unternehmen argumentiert, dass seine Spiele auf einem Free-to-Play Modell basieren, bei dem niemand zum Kauf gezwungen wird. Features wie Continuous Play oder Another Chance sollen sicherstellen, dass Spieler auch ohne den Einsatz von Kreditkarten an Low-Stakes Versionen der Spiele teilnehmen können. Doch für die Klägerseite reicht das nicht aus. Sie sehen in der Möglichkeit, durch Zahlungen die Spielzeit zu verlängern oder höhere Einsätze zu riskieren, eine klare Überschneidung mit klassischem Glücksspiel, selbst wenn die Gewinne niemals in echtes Geld zurückgetauscht werden können.

Zahlen und Fakten

Der Umfang der Klage wird durch die beeindruckenden Nutzerzahlen und Umsätze deutlich, die im Gerichtsverfahren genannt werden. Schätzungsweise 96.350 Einwohner Washingtons nutzen die Spiele von Playtika jeden Monat. Hinzu kommen weitere 56.870 Bewohner des Bundesstaates, die Apps von Aristocrat und deren Tochtergesellschaften verwenden. Seit September 2020 haben diese Nutzer laut Anklage enorme Summen investiert. Playtika generierte demnach über 151 Millionen US-Dollar durch den Verkauf virtueller Währungen, während auf Aristocrat Spiele rund 74 Millionen US-Dollar entfielen.

Die Generalstaatsanwaltschaft unter Nick Brown stützt ihre Argumentation auf ein Urteil aus dem Jahr 2018. Damals entschied das Ninth Circuit Gericht im Fall Kater gegen Churchill Downs, dass die virtuellen Chips von Big Fish Casino eine Sache von Wert darstellen. Die Begründung lautete, dass diese Chips das Privileg des Weiterspielens verlängern. Genau diesen Punkt greift die aktuelle Klage auf. Wer kein Geld bezahlt, muss warten oder aufhören, während zahlende Kunden ihre Sitzung fortsetzen können. Das macht die virtuelle Währung nach Ansicht der Behörden zu einem Einsatzgegenstand im Sinne des Glücksspielrechts. Zudem stehen schwere Vorwürfe im Raum, die über die rein finanzielle Ebene hinausgehen. Nutzerberichte beschreiben Schulden, zerstörte Beziehungen und tiefes emotionales Leid, was zu zusätzlichen Klagepunkten unter dem Consumer Protection Act geführt hat.

Hintergrund

Das juristische Tauziehen um Social Casinos ist kein neues Phänomen, gewinnt aber durch die zunehmende Professionalisierung der Branche an Schärfe. Playtika argumentiert, dass die Unterhaltung im Vordergrund steht. Kunden kaufen digitale Güter für den Spaß, ähnlich wie in anderen Videospielen auch. Die Gegenseite hingegen sieht das Problem in den Mechanismen. Das Spielprinzip ist identisch mit dem in Las Vegas: Der Spieler wählt einen Einsatz, drückt den Knopf und erhält bei einem Gewinn mehr der jeweiligen Währung zurück. Dass am Ende kein Bargeld ausgezahlt wird, sei unerheblich für die psychologische Wirkung und das Suchtpotenzial.

„Die Nutzer kaufen die virtuelle Währung, wählen den Einsatz und erhalten im Falle eines Gewinns mehr virtuelle Währung zurück.“ - Büro von Nick Brown, Attorney General von Washington

Dieser Kreislauf ist es, der die Behörden alarmiert. Playtika versucht nun, den King County Court davon zu überzeugen, die Klage noch vor der Hauptverhandlung abzuweisen. Die mündliche Verhandlung über diesen Antrag auf Abweisung ist für den nächsten Monat angesetzt. Sollte das Gericht gegen Playtika entscheiden, könnte dies eine Lawine von Klagen gegen alle Spielebetreiber auslösen, die Extra-Leben, Versuche oder spielbare Credits gegen Geld anbieten.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Nutzer ist dieser Fall von hoher Relevanz, da Deutschland mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) eine der strengsten Regulierungen weltweit eingeführt hat. In Deutschland sind Social Casinos bisher weitgehend unter dem Radar der strengen Glücksspielaufsicht geflogen, da sie keine Geldgewinne ermöglichen. Sollte sich jedoch international die Rechtsauffassung durchsetzen, dass das Verlängern der Spielzeit durch Käufe bereits Glücksspielcharakter hat, könnten die Karten neu gemischt werden. Aktuell dürfen deutsche Spieler legal nur in Casinos spielen, die auf der offiziellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen. Diese Anbieter unterliegen strikten Regeln, wie dem monatlichen Einzahlungslimit von 1.000 Euro über das LUGAS-System und dem Einsatzlimit von einem Euro pro Spin.

Social Casinos umgehen diese Limits bisher komplett, da sie offiziell als reine Unterhaltungs-Apps gelten. Ein deutscher Spieler könnte theoretisch Tausende Euro in Slotomania versenken, ohne dass LUGAS eingreift. Kritiker fordern daher schon lange, dass auch solche Apps unter die strengen Augen der GGL fallen sollten, besonders um Jugendliche zu schützen. Fälle wie der in Washington zeigen, dass der Spielerschutz bei diesen Formaten oft lückenhaft ist, was in Deutschland durch das zentrale Sperrsystem OASIS bei lizenzierten Anbietern verhindert werden soll.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für die in Deutschland lizenzierten Betreiber ist die Entwicklung in den USA eine Bestätigung ihrer eigenen strengen Auflagen. Während GGL-lizenzierte Casinos hohe Hürden für den Spielerschutz nehmen und Steuern zahlen müssen, agieren Social Casinos in einer Grauzone mit oft deutlich höheren Margen. Ein Urteil gegen Playtika würde den Druck auf die Regulierer weltweit erhöhen, den Markt für simulierte Glücksspiele enger zu ziehen. Dies könnte dazu führen, dass Social Casinos denselben strengen Identitätsprüfungen und Einsatzlimits unterworfen werden wie klassische Online-Casinos. Letztlich würde dies den fairen Wettbewerb stärken, da der unregulierte Abfluss von Spielerkapital in unlizenzierte App-Store-Produkte eingedämmt würde. Die GGL beobachtet solche Trends genau, um die Integrität des deutschen Marktes zu wahren und den Kanalisierungsauftrag zu erfüllen.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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