Polymarket wehrt sich gegen Netzsperre in Frankreich und gerät in Großbritannien in Kritik

Die Prognose-Plattform Polymarket kämpft vor Gericht gegen die französische Glücksspielbehörde ANJ. Währenddessen werfen Wetten in Höhe von 8 Millionen US-Dollar auf Donald Trump Fragen in UK auf.
Die Welt der Prognosemärkte bebt, während die französische Glücksspielaufsicht Autorité Nationale des Jeux (ANJ) hart gegen Polymarket durchgreift. Das US-Unternehmen aus New York wehrt sich nun vehement gegen die Entscheidung der Behörde, den Zugriff auf die Webseite in Frankreich vollständig zu sperren. Für Polymarket steht viel auf dem Spiel. Die Plattform argumentiert, dass sie kein reiner Glücksspielanbieter sei, sondern wertvolle Informationen über die Wahrscheinlichkeiten zukünftiger Ereignisse liefere. Viele Nutzer besuchten die Seite lediglich, um sich zu informieren, ohne tatsächlich Wetten abzuschließen. Der Konflikt zeigt exemplarisch, wie schwer sich Regulierungsbehörden mit neuen Finanztechnologien tun, die auf der Blockchain basieren.
Die Fronten zwischen der ANJ und Polymarket sind verhärtet. Bereits im Jahr 2024 gab es eine Sperre für Finanztransaktionen, die Einzahlungen französischer Nutzer verhindern sollte. Damals blieb die Webseite als Informationsquelle jedoch noch erreichbar. Mit der neuen, totalen Netzsperre geht die Behörde nun den nächsten Schritt, da sie Prognosemärkte klipp und klar als illegales Glücksspiel einstuft. Polymarket lässt das nicht auf sich sitzen und hat angekündigt, den Rechtsweg in Frankreich auszuschöpfen. Das Unternehmen betont dabei seine Kooperationsbereitschaft mit den Behörden, unter anderem mit der Abteilung für Cyberkriminalität der Pariser Staatsanwaltschaft, um eine Lösung zu finden, die Innovation und Regulierung vereint.
„Wir sind enttäuscht über die plötzliche Entscheidung der französischen Glücksspielbehörde, unsere Website einseitig zu sperren. Wir beabsichtigen, diese Entscheidung im Rahmen des rechtlichen Verfahrens in Frankreich anzufechten.“ - Sprecher von Polymarket, Statement des Unternehmens
Zahlen und Fakten
Die wirtschaftliche Dimension hinter diesen Plattformen ist gewaltig. Polymarket wird aktuell mit 15 Milliarden US-Dollar bewertet, während der Konkurrent Kalshi bereits bei 22 Milliarden US-Dollar liegt und sogar eine Bewertung von 40 Milliarden US-Dollar sowie einen Börsengang anstrebt. Doch der Erfolg wird von Kontroversen begleitet. In Großbritannien rückte ein Konto unter dem Namen „GCottrell93“ in den Fokus der Medien. Über dieses Konto wurden im Oktober 2024 mehr als 8 Millionen US-Dollar eingezahlt, die aus zwei verschiedenen Krypto-Wallets stammten. Das Geld wurde genutzt, um auf einen Sieg von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl 2024 zu setzen.
Hinter dem Pseudonym wird der britische Finanzier George Cottrell vermutet, der als Vertrauter von Nigel Farage gilt. Die Herkunft dieser Gelder sorgt für Schlagzeilen, da Cottrells Mutter, Fiona, zeitgleich eine Spende von 500.000 Pfund an die Partei Reform UK geleistet hat, die nun Gegenstand polizeilicher Ermittlungen ist. Zudem wird Nigel Farage selbst kritisch beäugt, nachdem bekannt wurde, dass er ein Krypto-Geschenk im Wert von 5 Millionen Pfund vom Milliardär Christopher Harborne erhielt, ohne dies zunächst korrekt zu deklarieren. Dass Polymarket in diesem Zusammenhang genannt wird, schadet dem Ruf der Plattform massiv, auch wenn dem Unternehmen selbst kein direktes Fehlverhalten vorgeworfen wird.
Hintergrund
Polymarket nutzt die Polygon-Blockchain und wickelt Geschäfte über den USDC-Stablecoin ab, der an den US-Dollar gekoppelt ist. Diese technische Struktur macht es staatlichen Aufsehern schwer, den Geldfluss zu kontrollieren. Während Länder wie Portugal, Rumänien, Italien, Belgien und die Niederlande den Dienst bereits gesperrt haben, gibt es auch Gegenbewegungen. Gibraltar hat als weltweit erstes Territorium ein eigenes Regulierungssystem für Prognosemärkte geschaffen, das diese explizit von herkömmlicher Glücksspielgesetzgebung trennt. Auch in den USA hat sich die Lage unter der zweiten Trump-Administration entspannt, nachdem die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) ihren zuvor extrem harten Kurs gegen solche Plattformen gelockert hatte.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler ist die rechtliche Lage eindeutig und restriktiv. Angebote wie Polymarket verfügen über keine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Nach dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) gelten solche Prognosemärkte in Deutschland als illegales Glücksspiel, sofern sie nicht explizit genehmigt sind. Deutsche Nutzer sollten sich bewusst sein, dass sie auf solchen Plattformen keinerlei rechtlichen Schutz genießen. Es gibt kein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin wie bei deutschen Slots, und auch das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro, das über das LUGAS-System überwacht wird, greift hier nicht. Da die Transaktionen über Kryptowährungen wie USDC laufen, besteht zudem ein hohes Risiko bei der Auszahlung von Gewinnen. Wenn eine Plattform wie in Frankreich gesperrt wird, kommen Spieler unter Umständen nicht mehr an ihr Guthaben. Deutsche Behörden beobachten solche Entwicklungen genau, um den hiesigen Markt sauber zu halten.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Betreiber mit einer GGL-Lizenz bedeutet der Fall Polymarket eine Bestätigung ihrer seriösen Arbeit. Während unregulierte Plattformen mit Millionenwetten und Krypto-Transaktionen für Skandale und polizeiliche Ermittlungen sorgen, bieten GGL-lizenzierte Casinos ein sicheres Umfeld. Der Kontrast könnte nicht größer sein. Während Polymarket in einen Sumpf aus politischen Spendenaffären und Geldwäscheverdacht in Großbritannien hineingezogen wird, müssen deutsche Anbieter strenge KYC-Prüfungen (Know Your Customer) durchführen. Die GGL-Whitelist ist der einzige Garant dafür, dass Spieler nicht Gefahr laufen, Teil einer internationalen Untersuchung zu werden. Der Fall zeigt auch, dass der Druck auf unregulierte Angebote weltweit wächst. Das stärkt langfristig den legalen deutschen Markt, da Spieler zunehmend die Risiken von Curacao-Anbietern oder unlizenzierten Krypto-Plattformen erkennen.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
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