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Regulierung

Daten-Piraterie im Fußball: Premier League kritisiert inoffizielle Wett-Daten

26. Juli 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Daten-Piraterie im Fußball: Premier League kritisiert inoffizielle Wett-Daten

Football DataCo kritisiert das massenhafte Scraping inoffizieller Spieldaten für den Wettmarkt. Die exklusive Partnerschaft mit Genius Sports deckt über 4.000 britische Fußballspiele pro Saison ab.

Der Streit um die Hoheit über Sportdaten erreicht eine neue Eskalationsstufe. Football DataCo, das Gemeinschaftsunternehmen der Premier League, der English Football League (EFL) und der Scottish Professional Football League (SPFL), geht verbal massiv gegen Anbieter vor, die Daten ohne offizielle Lizenz vertreiben. In der Welt der Sportwetten sind Echtzeitdaten das wertvollste Gut, denn sie bestimmen Quoten und ermöglichen Live-Wetten. Wenn Unternehmen diese Informationen einfach von offiziellen Quellen abgreifen, anstatt dafür zu zahlen, sehen die großen Ligen ihre Einnahmen und die Integrität des Sports gefährdet.

Adrian Ford, General Manager von Football DataCo, findet hierfür deutliche Worte. Er vergleicht das sogenannte Scraping, also das automatisierte Auslesen von Daten, direkt mit Diebstahl. Er betont, dass technisch versierte Unternehmen inoffizielle Daten erstellen können, indem sie die Arbeit lizenzierter Partner kopieren. Dies geschehe oft in Rechtsräumen, in denen der Schutz des geistigen Eigentums weniger streng gehandhabt wird. Damit wird es für die Rechteinhaber extrem schwierig, den Prozess rechtlich zu stoppen. Der Kampf um die Datenhoheit ist längst ein globales Problem mit uneinheitlicher Rechtsprechung geworden.

Zahlen und Fakten

Im Zentrum dieses Geschäfts steht die Partnerschaft zwischen Football DataCo und dem Technologieunternehmen Genius Sports. Dieser exklusive Vertrag wurde bereites im Jahr 2019 geschlossen und sieht vor, dass Genius Sports die offiziellen Live-Betting-Daten sammelt, lizenziert und an Buchmacher weltweit verteilt. Die aktuelle Vereinbarung läuft bis zum Ende der Saison 2024 und 2025. Das Ausmaß dieser Kooperation ist gewaltig, da sie den Vertrieb von Daten für mehr als 4.000 britische Fußballspiele pro Saison umfasst.

Zudem wird die Technologie immer feiner. Durch die KI-gestützte Lösung namens Second Spectrum werden mittlerweile Tracking-Systeme in allen Stadien der Championship installiert. Ford argumentiert, dass eine Verpflichtung zur Nutzung offizieller Daten den Verbraucherschutz stärken würde. Während der exklusive Partner Genius Sports den Markt bedient, gibt es immer wieder Anbieter inoffizieller Daten, die einen minderwertigen Service zu einem deutlich reduzierten Preis verkaufen. Dies mindert laut Ford das Umsatzpotenzial und schafft Integritätsrisiken, da die Sportrechteinhaber letztlich den Preis für etwaige Wettskandale zahlen.

„Inoffizielle Daten können von jedem Ort der Welt aus erstellt werden, und technisch versierte Unternehmen können Daten von Nutzern offizieller Daten abgreifen, was Diebstahl gleichkommt. In beiden Fällen entstehen inoffizielle Daten in Rechtsräumen, die weniger Schutz für geistiges Eigentum bieten, was es schwieriger macht, diesen Prozess zu stoppen.“ - Adrian Ford, General Manager bei Football DataCo

Hintergrund

Rechtlich gesehen ist das Thema komplex. In vielen Ländern kommen Gerichte zu dem Schluss, dass Rohdaten als solche nicht urheberrechtlich geschützt werden können. Wer also nur ein Ergebnis oder eine Ecke protokolliert, begeht nach klassischem Urheberrecht nicht zwingend eine Straftat. Ein Versuch des britischen Politikers Lord Foster, die unbefugte Datenerfassung im Rahmen des Sporting Events Bill zu kriminalisieren, scheiterte kürzlich. Deshalb setzen Ligen wie die Premier League verstärkt auf technische Hürden und die Veredelung ihrer Daten durch Zusatzstatistiken, die dann wiederum als Datenbankwerk geschützt sein können.

In der Vergangenheit gab es zudem heftige Konflikte innerhalb der Branche. Der Konkurrent Sportradar klagte 2020 gegen die Exklusivität des Deals zwischen Football DataCo und Genius Sports, da man darin einen Verstoß gegen britisches und EU-Wettbewerbsrecht sah. Erst im Jahr 2022 konnten sich die Parteien außergerichtlich einigen. Im Zuge dieses Vergleichs erhielt Sportradar eine Unterlizenz für einen verzögerten Daten-Feed, was den Markt zumindest teilweise öffnete. Dennoch bleibt die Premier League bei ihrer harten Linie gegen inoffizielle Scraper.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Wettkunden hat die Qualität der Daten eine direkte Auswirkung auf das Spielerlebnis. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) legt großen Wert auf Transparenz und den Schutz vor Manipulation. Wenn ein Buchmacher auf inoffizielle, womöglich fehlerhafte oder verzögerte Datenquellen setzt, kann dies dazu führen, dass Wetten zu falschen Quoten platziert oder ungerechtfertigt storniert werden. Deutsche Spieler sollten daher ausschließlich bei Anbietern wetten, die auf der Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen.

Diese lizenzierten Betreiber sind an strenge Regeln gebunden, darunter das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und die Anbindung an das LUGAS-System zur Überwachung dieser Limits. Zudem gilt bei vielen Slots das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spielrunde. Auch wenn das Datenthema eher im Hintergrund der Sportwetten-Plattformen abläuft, garantiert die Nutzung offizieller Lizenzen durch die Anbieter, dass die Ergebnisse der Wetten auf verifizierten Fakten der Stadien basieren und nicht von dubiosen Drittanbietern abgegriffen wurden, bei denen die Fehleranfälligkeit deutlich höher ist.

Was das für GGL-Casinos heißt

Glücksspielanbieter mit einer deutschen Lizenz der GGL haben ein hohes Interesse an stabilen Rechtsverhältnissen. Da die Regulierung in Deutschland sehr strikt ist, können sich diese Unternehmen kaum Experimente mit halblegalen Datenlieferanten leisten. Die Verwendung offizieller Datenfeeds, wie sie Genius Sports für die Premier League bereitstellt, dient auch dem Selbstschutz der Buchmacher vor Betrug und Arbitrage-Wetten, die durch Zeitverzögerungen bei inoffiziellen Feeds entstehen können. Ein sauberer Markt mit offiziellen Lizenzen schützt letztlich die Marge des Anbieters und die Sicherheit des Kunden.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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