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Spielerschutz

Unabhängiger Spielerschutz statt Alibi-Compliance: Simon Westbury fordert Umdenken

30. Juli 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Unabhängiger Spielerschutz statt Alibi-Compliance: Simon Westbury fordert Umdenken

Simon Westbury von 1xCare kritisiert die bisherige Praxis der Glücksspielbranche beim Spielerschutz. Mit vier Säulen und unabhängiger Kontrolle will er eine neue Ära einläuten.

Die internationale Glücksspielwelt steht an einem Wendepunkt, an dem bloßes Pflichtbewusstsein nicht mehr ausreicht. Simon Westbury, eine bekannte Größe der Branche, hat in einem offenen Brief deutlich gemacht, dass der bisherige Fokus auf reines „Abhaken“ von regulatorischen Anforderungen ausgedient hat. Er argumentiert, dass Spielerschutz zu lange als lästige Pflichtaufgabe der PR-Abteilungen oder als Randphänomen der Unternehmensverantwortung behandelt wurde. Stattdessen müsse der Schutz der Kunden zum operativen Kernbestandteil jedes Glücksspielunternehmens werden, um der steigenden Skepsis der Öffentlichkeit und der Behörden zu begegnen.

Die Gründung von 1xCare als unabhängige, auf Zypern registrierte Non-Profit-Organisation markiert hierbei einen interessanten Versuch zur Selbstkorrektur. Westbury stellt klar, dass er seine Rolle als Vorsitzender des Advisory Committees nur unter der Bedingung annahm, dass eine echte strukturelle Autonomie gewahrt bleibt. Das Ziel ist eine bewusste Entkopplung der kommerziellen Ziele der Betreibermarke von den Maßnahmen zur Schadensbegrenzung. Es geht nicht mehr darum, ob ein Unternehmen die Regeln einhält, sondern ob es bereit ist, sich einer externen Kritik und Kontrolle zu stellen, die im Zweifelsfall auch gegen die kurzfristigen Profitinteressen entscheidet.

Zahlen und Fakten

Das Gerüst von 1xCare stützt sich auf vier operative Säulen, die Simon Westbury als „Systemlösungen für systemische Herausforderungen“ beschreibt. Da ist zunächst der Research Hub. Er soll das Fundament bilden, um politische Entscheidungen auf Basis empirischer Daten statt auf reinen Vermutungen zu treffen. Hierbei werden unabhängige Studien finanziert, die unter anderem die Risiken von Mikrotransaktions-Süchten und die Auswirkungen neuer Technologien untersuchen. Alle Ergebnisse sollen transparent veröffentlicht werden, auch wenn sie für die Branche unbequem sind.

Die zweite Säule, EduCare, zielt auf die Bildung ab. Hier geht es nicht nur um den Spieler, sondern um das gesamte Ökosystem, einschließlich der Sportgemeinschaften, die durch Sponsoring-Verträge mit Glücksspielmarken verbunden sind. In der technischen Umsetzung soll TechShield greifen. Diese dritte Säule konzentriert sich auf maschinelles Lernen und Algorithmen, um problematisches Verhalten wie unregelmäßige Wettgeschwindigkeiten, das Jagen von Verlusten oder gestörte Schlafmuster beim Wetten in Echtzeit zu erkennen. Die vierte Säule, Support and Well-Being, bietet direkte Hilfe durch Grants für lokale Helplines und klinische Psychologen.

„Es ist eine kritische Notwendigkeit, dass diejenigen, die den Spielerschutz beaufsichtigen, befähigt sind, Kritik zu üben, Mittel zuzuweisen und ethische Standards ohne kommerzielle Einmischung durchzusetzen.“ - Simon Westbury, Vorsitzender des 1xCare Advisory Committee

Hintergrund

Die personelle Besetzung der Initiative unterstreicht den Anspruch an Fachkompetenz. Neben Westbury leitet Quirino Mancini den Bereich Recht und Regulierung, während Sissel Weitzhändler für die öffentliche Ordnung und Zusammenarbeit mit NGOs zuständig ist. Chris Bird übernimmt die Aufsicht über den Bereich Sport und Sponsoring. Diese Experten sollen sicherstellen, dass die ethischen Standards nicht nur auf dem Papier existieren, sondern in die tägliche Praxis der Sportwelt und der Wettanbieter einfließen. Westbury betont, dass Spielerschutz kein Wettbewerbsvorteil sein darf, sondern eine „vor-kompetitive Notwendigkeit“ ist.

Entgegen älteren Trends in der Branche, wie sie etwa im Jahr 2018 bei Slot-Herstellern wie IGT oder Scientific Games zu beobachten waren, wo oft die Maximierung des Ertrags durch höhere Einsätze (High-Denomination Slots) im Vordergrund stand, verlagert sich der Diskurs heute massiv auf die Nachhaltigkeit. Westbury warnt davor, dass eine Branche, die nur auf kurzfristige Gewinnmaximierung setzt, das Vertrauen der Gesellschaft verspielt. Er sieht in der unabhängigen Governance das einzige Mittel, um einer drohenden „regulatorischen Überkorrektur“ durch staatliche Stellen zuvorzukommen.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Kunden klingt die Forderung nach strenger Governance und unabhängiger Kontrolle vertraut. In Deutschland wurde mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) bereits ein sehr enger Rahmen gesteckt, der viele von Westburys Forderungen regulatorisch vorwegnimmt. Das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro über alle Anbieter hinweg und das Einsatzlimit von einem Euro pro Spielrunde bei virtuellen Automaten sind harte Fakten, die den Spielerschutz in Deutschland definieren. Die Überwachung durch das LUGAS-System dient genau dem Zweck der Früherkennung, den Westbury mit TechShield anspricht.

Dennoch zeigt der Vorstoß von 1xCare, dass der globale Markt unter Druck steht, das deutsche Niveau oder ähnliche Standards der GGL (Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder) zu erreichen. Spieler in Deutschland sollten darauf achten, ausschließlich bei Anbietern auf der GGL-Whitelist zu spielen. Portale mit Lizenzen aus Curacao oder teilweise MGA-Anbieter erfüllen oft nicht die strengen deutschen Anforderungen an Technik und Spielerschutz. Wer bei einem lizenzierten deutschen Anbieter spielt, profitiert bereits von einer staatlich verordneten Governance, die über das hinausgeht, was viele internationale Marken bisher freiwillig umsetzen.

Was das für GGL-Casinos heißt

Deutsche Casinos mit GGL-Lizenz müssen bereits jetzt beweisen, dass sie den Spielerschutz ernst nehmen. Die Forderung von Westbury nach „unabhängiger Governance“ könnte für diese Anbieter bedeuten, dass sie in Zukunft noch stärker mit akademischen Einrichtungen kooperieren müssen, um ihre Präventionskonzepte zu validieren. Eine GGL-Lizenz ist das Siegel für Sicherheit, doch Initiativen wie 1xCare verdeutlichen, dass Technik allein – wie Algorithmen zur Suchterkennung – ohne eine ethische Grundlage und Transparenz bei den Daten lückenhaft bleibt. GGL-Betreiber sind gut beraten, diese internationalen Entwicklungen zu beobachten, da sie oft Vorboten für neue regulatorische Anforderungen sind, die später in nationale Gesetze einfließen können.

Häufige Fragen

Was ist das Hauptziel der Initiative 1xCare?

Das Ziel ist die Schaffung einer unabhängigen Kontrollinstanz für den Spielerschutz, die strukturell von den kommerziellen Abteilungen der Wettanbieter getrennt ist. Damit soll sichergestellt werden, dass ethische Standards gegen Profitinteressen durchgesetzt werden können.

Wer leitet die neue Organisation 1xCare?

Simon Westbury fungiert als Vorsitzender des Beirats und wird von Experten wie Quirino Mancini für Recht und Sissel Weitzhändler für Public Policy unterstützt. Die Organisation ist als Non-Profit-Unternehmen auf Zypern unter dem Namen RG Practices Ltd registriert.

Welche technischen Maßnahmen sind für den Spielerschutz geplant?

Über die Säule TechShield sollen Algorithmen und maschinelles Lernen eingesetzt werden, um problematisches Verhalten frühzeitig zu erkennen. Dazu zählen laut Westbury auffällige Änderungen der Wettgeschwindigkeit, nächtliches Spielen oder das verzweifelte Jagen von Verlusten.

Wie wird die Unabhängigkeit der Forschung gewährleistet?

1xCare finanziert durch einen Research Hub Studien, die von externen Wissenschaftlern durchgeführt und deren Ergebnisse transparent veröffentlicht werden. Dies soll sicherstellen, dass Maßnahmen auf Fakten basieren und nicht nur der PR dienen.

Welche Bedeutung hat dieser Vorstoß für Spieler in Deutschland?

Während internationale Anbieter erst jetzt auf unabhängige Governance setzen, bietet der deutsche GlüStV 2021 durch das LUGAS-System und die GGL-Aufsicht bereits einen gesetzlichen Rahmen. Spieler sollten nur bei Anbietern auf der offiziellen Whitelist spielen, um von diesen hohen Schutzstandards sicher zu profitieren.

Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

Erwähnte Unternehmen:1xCare

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