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Prognosemärkte im Rausch: Plattform Kalshi kratzt an der Billionen-Grenze

24. Juli 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Prognosemärkte im Rausch: Plattform Kalshi kratzt an der Billionen-Grenze

Analysten erwarten bei Prognosemärkten ein Wachstum auf bis zu 1,5 Billionen Dollar bis 2030, während neue Tools wie der Ticker Tracker Transparenz schaffen.

Die Welt der Wetten verändert sich gerade radikal, und das liegt nicht nur an den klassischen Buchmachern. Sogenannte Prognosemärkte, auf denen Nutzer auf den Ausgang von Ereignissen wie Wahlen, Finanzentwicklungen oder Sportereignisse handeln, erleben einen beispiellosen Boom. Besonders in den USA wird das Thema heiß diskutiert, da diese Plattformen oft als regulierte Börsen agieren und damit eine ganz andere rechtliche Grundlage haben als klassisches Glücksspiel. Ein neues Analysewerkzeug namens Ticker Tracker zeigt nun erstmalig im Detail, wie gewaltig diese Zahlen wirklich sind. Während die breite Masse noch über Fußballergebnisse fachsimpelt, werden auf Plattformen wie Kalshi bereits Milliardenbeträge bewegt.

Der Gründer von Ticker Tracker, Eric Ramsey, beobachtet die Szene schon lange. Er stellt fest, dass das Interesse an diesen Märkten mittlerweile das klassische Sportwetten-Geschäft in den Schatten stellt. Das Tool aggregiert Daten, die von den Plattformen über Programmierschnittstellen (APIs) bereitgestellt werden müssen. Denn als staatlich regulierte Börsen sind Anbieter wie Kalshi zur Veröffentlichung ihrer Handelsvolumina verpflichtet. Das sorgt für eine Transparenz, von der man in der oft verschlossenen Welt der Online-Casinos nur träumen kann. Die schieren Summen sind atemberaubend, doch man muss genau hinschauen, um die Zahlen nicht falsch zu interpretieren.

Zahlen und Fakten

Besonders während der letzten Weltmeisterschaft gingen die Kurse auf den Prognosemärkten durch die Decke. Die Plattform Kalshi erreichte im Juli ein tägliches Handelsvolumen von über 2 Milliarden Dollar. Über den gesamten Turnierzeitraum hinweg summierte sich das Volumen auf mehr als 33 Milliarden Dollar. Das ist eine Hausnummer, die selbst größte Skeptiker verstummen lässt. Laut den Daten vom 23. Juli machten reine Sportmärkte etwa 531 Millionen Dollar des Tagesvolumens von 1,3 Milliarden Dollar aus. Rechnet man die sogenannten Exotics dazu, bei denen es sich oft um Kombinationswetten im Sportbereich handelt, entfallen rund 75 Prozent des gesamten Handels auf den Sport. Kryptowährungen steuerten etwa 16 Prozent bei, während der Rest auf Politik und Wirtschaft entfiel.

Es gibt jedoch eine wichtige Unterscheidung beim Volumen. Ticker Tracker zeigt das sogenannte notional volume an. Das ist der Nennwert der Kontrakte. Wenn ein Nutzer einen Kontrakt kauft, der bei Erfolg 1 Dollar auszahlt, wird dieser Dollar als Volumen gezählt, auch wenn der Nutzer vielleicht nur 27 Cent dafür bezahlt hat. Eric Ramsey warnt daher vor Missverständnissen bei der Interpretation dieser Milliardenbeträge.

„Wenn wir eine Zahl wie 40 Milliarden Dollar sehen, die diesen Monat auf Kalshi gehandelt wurden, bedeutet das nicht wirklich, dass im Laufe des Monats 40 Milliarden Dollar den Besitzer gewechselt haben. Zu meinem Besten habe ich versucht, diese beiden Dinge getrennt zu betrachten. Das Volumen von Prognosemärkten ist einfach etwas anderes als das Volumen von Sportwetten.“ - Eric Ramsey, Gründer von Ticker Tracker

Hintergrund

Die Zukunftsprognosen für diesen Sektor sind dennoch gigantisch. Ein Bericht von Macquarie Equity Research geht davon aus, dass das sogenannte Taker-Volumen, also das tatsächlich riskierte Geld der Nutzer, von aktuell 22 Milliarden Dollar auf 1,5 Billionen Dollar bis zum Jahr 2030 ansteigen könnte. Spannend ist dabei die erwartete Verschiebung der Themen. Während Sport im Jahr 2025 noch etwa 88 Prozent des Volumens ausmacht, soll dieser Anteil bis 2030 auf 47 Prozent sinken. Die Analysten erwarten, dass Bereiche wie Wirtschaft, Politik, Finanzen und sogar das Wetter massiv an Bedeutung gewinnen werden. Nicht sportbezogenes Taker-Volumen könnte laut Macquarie von 1,3 Milliarden Dollar im Jahr 2025 auf 274 Milliarden Dollar bis 2030 explodieren.

Doch es gibt Gegenwind. In den USA ist die rechtliche Lage kompliziert. Staaten wie Nevada und Michigan haben den Zugriff auf Kalshi bereits untersagt. Im Bundesstaat Washington stufte ein Richter die Plattform kürzlich sogar als illegal ein. Diese rechtlichen Streitigkeiten könnten das Wachstum bremsen, aber der Trend scheint unaufhaltsam. Inzwischen plant Ramsey, auch Daten von Polymarket und Crypto.com in sein Tool zu integrieren, um ein noch vollständigeres Bild des Marktes zu zeichnen.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für Tipper in Deutschland sind solche US-Plattformen wie Kalshi oder Polymarket derzeit keine legalen Alternativen. Der deutsche Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) setzt extrem enge Grenzen für das, was erlaubt ist. Wetten auf politische Ereignisse oder das Wetter sind in Deutschland strikt verboten. Wer hierzulande legal spielen möchte, muss sich an die Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) halten. Dort sind nur Anbieter gelistet, die sich strengen Regeln unterwerfen. Dazu gehört das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über alle Anbieter hinweg, das durch das LUGAS-System überwacht wird.

Auch das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spielrunde an virtuellen Automaten ist ein Kernbestandteil des deutschen Spielerschutzes. Prognosemärkte, wie sie in den USA boomen, funktionieren eher wie eine Börse und passen nicht in das aktuelle deutsche Regulierungsmodell. Deutsche Spieler sollten vorsichtig sein, wenn sie auf internationalen Plattformen ohne GGL-Lizenz stoßen. Diese bieten zwar oft höhere Quoten oder exotischere Märkte an, verfügen aber über keinerlei Rechtssicherheit für den Kunden bei Gewinnauszahlungen. In Deutschland bleibt der Fokus auf dem Schutz vor Spielsucht und der Kanalisierung in den legalen Markt, was solche spekulativen Prognosebörsen vorerst ausschließt.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für die hiesigen Anbieter mit GGL-Lizenz bedeutet der weltweite Boom der Prognosemärkte vor allem eines: Konkurrenz um die Aufmerksamkeit der jungen, technikaffinen Zielgruppe. Während deutsche Online-Casinos durch restriktive Werberegeln und Spielpause-Vorgaben stark reguliert sind, drängen internationale Trends immer stärker ins Bewusstsein der Nutzer. Die GGL wird beobachten müssen, ob die strengen deutschen Regeln dazu führen, dass Spieler verstärkt in den Schwarzmarkt oder auf unregulierte Krypto-Börsen abwandern, um auf Dinge zu wetten, die hier verboten sind.

Der Trend zu immer mehr Daten und Transparenz, wie ihn der Ticker Tracker vorlebt, könnte jedoch auch ein Vorbild für den legalen Markt sein. Mehr Transparenz bei Auszahlungsquoten und Marktentwicklungen könnte das Vertrauen der Spieler in die lizenzierten GGL-Anbieter stärken. Solange die rechtlichen Hürden für Ereigniswetten abseits von Sport in Deutschland so hoch bleiben, werden lizensierte Anbieter jedoch einen Teil ihres Potenzials nicht ausschöpfen können. Der Markt bleibt in Bewegung, doch Sicherheit geht in Deutschland vor Schnelligkeit.

Quellen & weiterführende Links

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