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Las Vegas Sands trotzt Fußball-WM: Macau-Casinos sehen starke VIP-Nachfrage

23. Juli 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Las Vegas Sands trotzt Fußball-WM: Macau-Casinos sehen starke VIP-Nachfrage

Trotz schwacher VIP-Raten und WM-Ablenkung blickt Las Vegas Sands optimistisch auf Macau. Der Nettogewinn sank zwar im zweiten Quartal auf 107 Millionen Dollar, doch das Potenzial bleibt laut CEO Dumont riesig.

Wenn die Rollen im VIP-Bereich eines Casinos nicht so fallen, wie es die Statistik eigentlich vorsieht, geraten selbst Glücksspiel-Giganten unter Druck. Las Vegas Sands (LVS) hat im zweiten Quartal 2024 genau diese Erfahrung in der asiatischen Glücksspielmetropole Macau gemacht. Ein ungewöhnlich niedriger VIP-Hold, also der Prozentsatz des Einsatzes, den das Haus am Ende behält, traf auf ein globales Sportereignis, das die Aufmerksamkeit der High Roller zeitweise vom Spieltisch weglenkte. Die Rede ist von der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft, die in den asiatischen Märkten traditionell für eine Verschiebung der Wettströme sorgt.

Trotz dieser Turbulenzen zeigt sich die Führungsebene von Sands China, der Macau-Tochter des Unternehmens, unbeeindruckt. Patrick Dumont, der Vorstandsvorsitzende und CEO von Las Vegas Sands, sieht das Unternehmen weiterhin auf dem richtigen Weg. Die Besucherzahlen stimmten, das Volumen an den Tischen sei vorhanden gewesen und die langfristige Strategie trage Früchte. Es ist eine klassische Geschichte von kurzfristigen statistischen Ausreißern gegenüber einer gefestigten Marktposition in einem der profitabelsten Glücksspielmärkte der Welt.

Zahlen und Fakten

Die nackten Zahlen des Quartalsberichts zeigen die Auswirkungen der Schwankungen deutlich. Der Nettoumsatz der Macau-Aktivitäten sank im zweiten Quartal leicht auf 1,79 Milliarden Dollar, verglichen mit 1,8 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Dramatischer liest sich der Rückgang beim Nettoeinkommen. Dieses fiel um über 50 Prozent auf nunmehr 107 Millionen Dollar, nachdem im Vorjahr noch 214 Millionen Dollar in den Büchern standen. Auch das bereinigte operative Ergebnis (EBITDA) sank auf 430 Millionen Dollar, ein deutlicher Rückgang gegenüber den 566 Millionen Dollar aus dem Vorjahresquartal.

Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung war der VIP Rolling Hold, der im zweiten Quartal bei lediglich 1,35 Prozent lag. Patrick Dumont rechnete vor, dass bei einem Hold-Wert innerhalb der Erwartungen das EBITDA um rund 87 Millionen Dollar höher ausgefallen wäre. In diesem Fall hätte das Ergebnis bei etwa 517 Millionen Dollar gelegen. Doch die Statistik ist im Casino-Geschäft eben nur über lange Zeiträume stabil. Auf kurze Sicht können einige glückliche VIP-Gäste die Bilanz eines ganzen Konzerns verhageln.

„Die Volumina waren da, die Besucherzahlen waren da, und auch wenn die Weltmeisterschaft Auswirkungen hatte, fühlten wir uns auf dem richtigen Weg.“ - Patrick Dumont, Chief Executive Officer und Chairman bei Las Vegas Sands

Neben Macau blickte der Konzern auch auf seine anderen Standorte. In Singapur gab es ebenfalls einen leichten Rückgang. Der Umsatz lag dort bei 1,38 Milliarden Dollar, während das bereinigte EBITDA 689 Millionen Dollar erreichte. Insgesamt erwirtschaftete die Gruppe einen Nettoumsatz von 3,15 Milliarden Dollar, wobei das Casinogeschäft mit 2,34 Milliarden Dollar wie gewohnt den Löwenanteil ausmachte.

Hintergrund

Das Phänomen der Fußball-Weltmeisterschaft als Störfaktor für das klassische Casino-Geschäft ist in der Branche bekannt. Wenn große Turniere anstehen, wandert ein Teil der Liquidität der VIP-Kunden in Sportwetten ab. Zudem verbringen die Spieler oft Zeit vor den Bildschirmen statt an den Baccarat-Tischen. Laut Berichten der CitiGroup konnte man diesen Effekt in ganz Macau beobachten. Doch die Erholung setzt bereits ein. Mit Ende des Turniers im Juli stiegen die Bruttospielerträge (GGR) in Macau direkt wieder um 9 Prozent an. Dies stützt die These von Dumont, dass es sich nur um eine temporäre Delle handelt.

Sands China hält daher an seinem ehrgeizigen Ziel fest, ein bereinigtes Immobilien-EBITDA von 700 Millionen Dollar in Macau zu erreichen. Grant Chum, CEO von Sands China, betonte, dass die Einnahmen in zwei der drei Monate des Quartals sehr stark gewesen seien. Die Investitionen in die Servicequalität und das Kundenerlebnis zeigen laut Management erste Erfolge. Man setzt darauf, dass die High Roller nach dem Ende der sportlichen Großereignisse wieder zu ihrem gewohnten Spielverhalten zurückkehren und die statistische Varianz sich über das restliche Jahr wieder ausgleicht.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler, die sich in der Welt der Online-Casinos bewegen, wirken die Milliardenbeträge aus Macau oft weit weg. Doch die Mechanismen der Regulierung und Marktstabilität sind eng miteinander verknüpft. In Deutschland gilt seit 2021 der Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV 2021), der einen sehr sicheren, aber auch strikt begrenzten Rahmen vorgibt. Während in Macau VIP-Spieler Millionenbeträge bewegen können, ist der deutsche Markt durch soziale Schutzmaßnahmen geprägt. Hierzu gehören das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat sowie das Einsatzlimit von maximal 1 Euro pro Spielrunde an virtuellen Automaten.

Diese Regeln, die über das zentrale Kontrollsystem LUGAS überwacht werden, verhindern die Art von Volatilität, die Las Vegas Sands gerade in Macau erlebt. Ein einzelner Spieler kann das Ergebnis eines deutschen Lizenznehmers kaum ins Wanken bringen, da die Einsätze gedeckelt sind. Für Spieler bedeutet das: In Deutschland gibt es keine „VIP-Welt“, wie man sie aus Asien kennt. Wer hier spielt, bewegt sich in einem regulierten Umfeld, das auf Freizeitvergnügen und Spielerschutz ausgelegt ist, nicht auf die Betreuung von High-End-Glücksspielern, deren bloße Anwesenheit über den Erfolg eines Quartals entscheidet. Die GGL-Whitelist ist hierbei der einzige Kompass für legales Spiel.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Betreiber mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) sind die Nachrichten aus Fernost eine Erinnerung daran, wie wichtig Diversifikation ist. Deutsche Anbieter müssen mit engen Margen kalkulieren, da die 5,3 Prozent Spielsteuer auf jeden Einsatz die Gewinne drückt. Zudem haben sie nicht den Luxus, durch VIP-Großkunden plötzliche Umsatzsprünge zu erleben. Die Stabilität im deutschen Markt kommt durch die Masse der Gelegenheitsspieler.

Anbieter unter GGL-Aufsicht müssen sich darauf verlassen, dass ihre Technik und ihr Spielerschutz einwandfrei funktionieren, um die Lizenz zu behalten. Während Las Vegas Sands über Verluste durch glückliche VIPs klagt, kämpfen deutsche Casinos eher mit den Kosten für die Compliance und der Konkurrenz durch illegale Schwarzmarkt-Angebote aus Curacao oder von der MGA. Wer in Deutschland spielt, sollte diese Faktoren kennen: Ein GGL-Casino bietet Rechtssicherheit und Spielerschutz, kann aber logischerweise keine Bonusangebote oder Einsatzlimits bieten, die mit den unregulierten oder völlig anders strukturierten Märkten in Macau konkurrieren könnten. Die Transparenz, die Sands in seinem Quartalsbericht zeigt, ist ein Standard, den man sich auch von mehr Transparenzberichten europäischer Behörden wünschen würde.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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