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Glücksspielsteuer als Retter der Kneipen? Andy Burnhams riskanter Plan in UK

24. Juli 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Glücksspielsteuer als Retter der Kneipen? Andy Burnhams riskanter Plan in UK

Der britische Premierminister Andy Burnham plant Steuersenkungen für Pubs durch höhere Abgaben für Automatenspielzentren zu finanzieren. Doch dies könnte die Branche hart treffen.

Großbritanniens neue Regierung unter Premierminister Andy Burnham setzt in ihrer ersten Woche im Amt direkt ein deutliches Zeichen für die Wirtschaft. Durch eine Senkung der Gewerbesteuer um 20 Prozent sollen Pubs, soziale Clubs und Musikstätten entlastet werden. Das Ziel ist klar: Das traditionsreiche Kneipensterben stoppen. In den ersten drei Monaten des Jahres 2026 mussten täglich zwei Pubs schließen, was den Verlust von 2.400 Arbeitsplätzen nach sich zog. Doch die Finanzierung dieses Rettungsschirms sorgt für heftigen Wirbel in der Glücksspielbranche.

Um die Löcher im Haushalt zu stopfen, nimmt Burnham gezielt Adult Gaming Centres (AGCs) ins Visier. Das sind Spielhallen für Erwachsene, die laut der neuen Regierung sozialen Schaden in den Gemeinden anrichten. Besonders B2 Spielautomaten und eventuell auch die in Pubs weit verbreiteten B3 Automaten könnten durch höhere Steuersätze belastet werden. Für viele Wirte ist das ein zweischneidiges Schwert. Während sie bei der Gewerbesteuer sparen, könnten ihnen die Einnahmen aus den hoteleigenen oder kneipeneigenen Spielgeräten wegbrechen. Diese Maschinen sind oft das finanzielle Rückgrat der Betriebe.

Zahlen und Fakten

Die Bedeutung der Automaten für die Gastronomie lässt sich am Beispiel des Branchenriesen Wetherspoons verdeutlichen. Berichten zufolge steuerten Spielautomaten bereits im Jahr 2018 rund 25 Prozent zum Konzerngewinn bei. Für das Geschäftsjahr 2026 wird sogar prognostiziert, dass der Anteil der Gewinne aus Spielautomaten bei 27 Prozent liegen wird. Zum Vergleich: Das gesamte Essensgeschäft trägt 30 Prozent zum Gewinn bei. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Wetherspoons mit Essen einen Umsatz von 807,9 Millionen Pfund, während die Slots nur 73 Millionen Pfund einbrachten. Doch die Gewinnmargen bei den Automaten sind so hoch, dass sie unverzichtbar sind.

Eine Erhöhung der Steuer auf Maschinenglücksspiel von aktuell 20 Prozent auf bis zu 50 Prozent steht im Raum. Ein solcher Schritt, der bereits von Gordon Brown vorgeschlagen wurde, hätte drastische Folgen. Sir Tim Martin, der Besitzer von Wetherspoons, warnte eindringlich vor den Konsequenzen dieser Pläne seinerzeit gegenüber der Times.

„Eine Erhöhung der Machine Gaming Duty von 20 auf 50 Prozent würde den Nettogewinn des Unternehmens nach Steuern um ganze 48 Prozent reduzieren." - Sir Tim Martin, Eigentümer von J D Wetherspoon

Im Geschäftsjahr 2025 zahlte die Gruppe bereits 18,2 Millionen Pfund an Steuern auf das Automatenspiel. Insgesamt belief sich die Steuerrechnung des Konzerns auf 837,6 Millionen Pfund. Die Sorge ist groß, dass die Steuerentlastung von rund 1.000 Pfund pro Pub pro Jahr durch die Verluste bei den Automateneinnahmen mehr als aufgefressen wird.

Hintergrund

Die politische Lage in Großbritannien ist angespannt. Nachdem der Einzelhandel und das stationäre Glücksspiel in früheren Haushaltsplänen von Rachel Reeves weitgehend verschont blieben, rückt der Sektor nun wieder voll in den Fokus. Burnham und sein Schatzkanzler John Healey suchen händeringend nach Wegen, die schwächelnde britische Wirtschaft anzukurbeln. Dabei wird das Glücksspiel oft als einfache Geldquelle gesehen. Dass viele Pubs ohne die Erlöse aus den Automaten kaum überleben könnten, scheint in der politischen Kalkulation zweitrangig zu sein.

Wetherspoons ist einer der wenigen Betriebe, die ihre Umsätze aus dem Glücksspiel transparent ausweisen. Experten gehen jedoch davon aus, dass auch kleinere Ketten und inhabergeführte Kneipen ähnlich stark von den B3 Geräten abhängig sind. Greift der Staat hier zu hart durch, könnte die geplante Rettung der Pub-Kultur nach hinten losgehen. Der Druck auf den stationären Sektor wächst, während gleichzeitig strengere Prüfungen zur Erschwinglichkeit für Spieler diskutiert werden.

Was heißt das für deutsche Spieler?

In Deutschland ist die Situation zwar anders gelagert, aber die Parallelen in der Regulierung sind unverkennbar. Seit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) sind in der Bundesrepublik klare Grenzen gesetzt. Deutsche Spieler müssen sich an das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat halten, das über das LUGAS-System überwacht wird. Auch das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten ist ein fester Bestandteil des deutschen Spielerschutzes. Während in Großbritannien nun über höhere Steuern im stationären Bereich diskutiert wird, hat Deutschland bereits ein sehr striktes Steuersystem für Online-Slots und Poker.

Für Spieler in Deutschland bedeutet ein Blick auf solche internationalen Entwicklungen vor allem eines: Die Kanalisierung zu legalen Angeboten ist der einzige Schutz vor Willkür. Wer bei Anbietern spielt, die auf der GGL-Whitelist stehen, ist vor plötzlichen steuerlichen Überwälzungen oder dem Wegfall von Spielgeräten geschützt. Das deutsche System zielt darauf ab, Suchtgefahren durch strenge Überwachung zu minimieren, statt das Glücksspiel lediglich als Haushaltsretter zu missbrauchen.

Was das für GGL-Casinos heißt

Deutsche Casinos mit GGL-Lizenz agieren in einem stabilen, wenn auch strengen rechtlichen Rahmen. Im Vergleich zu den turbulenten Entwicklungen in Großbritannien bietet die deutsche Lizenz Sicherheit für Betreiber und Kunden. In Deutschland werden Steuern direkt auf die Einsätze erhoben, was zu einer klaren Kalkulationsbasis führt. Die Debatte in UK zeigt, wie gefährlich es für den Markt ist, wenn das Glücksspiel zur Querfinanzierung anderer Branchen herangezogen wird.

Die GGL (Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder) achtet strikt darauf, dass lizenzierte Anbieter die gesetzlichen Vorgaben einhalten. Das verhindert, dass Anbieter wie in UK plötzlich existenzbedrohende Steuersprünge erleben, da das deutsche Modell bereits auf hohen Abgaben basiert. Zudem sorgt der deutsche Weg dafür, dass Spieler nicht in unregulierte MGA- oder Curacao-Casinos abwandern, wo keinerlei Spielerschutz oder steuerliche Zuverlässigkeit garantiert ist. Seriöse Anbieter in Deutschland setzen auf Transparenz statt auf das Prinzip Hoffnung.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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