Kalifornien im Visier: DraftKings und Kalshi starten Offensive für Prognosemärkte
KI-GENERIERTIn Kalifornien eskaliert der Streit um Sportwetten-Alternativen. Während DraftKings Predictions live geht, investierte Kalshi allein 1,7 Millionen Dollar in Lobbying.
In Kalifornien braut sich ein gewaltiger politischer Sturm zusammen. Der wohl lukrativste Glücksspielmarkt der USA erlebt derzeit eine Zäsur, da Schwergewichte wie DraftKings und Plattformen wie Kalshi versuchen, das bestehende Verbot von Online-Sportwetten durch sogenannte Prognosemärkte zu unterwandern. Während offizielle Sportwetten im Golden State nach der gescheiterten Volksabstimmung von 2022 weiterhin illegal sind, haben Anbieter eine regulatorische Lücke gefunden. Sie bieten Kontrakte auf den Ausgang von Sportereignissen an, die rechtlich als Finanzderivate und nicht als Wetten deklariert werden. Dieser Vorstoß hat eine Welle von Lobbyismus und juristischen Gegenangriffen ausgelöst, die das Machtgefüge zwischen dem Staat, den Stämmen und den Tech-Giganten erschüttern.
Besonders brisant ist der Start von DraftKings Predictions im Juni. Das Unternehmen, das zuvor Millionen in erfolglose Legalisierungskampagnen investiert hatte, bietet nun direkt in Kalifornien Wetten auf Ereignisse an. Der Vorwurf der Gegner wiegt schwer: Es handele sich um illegales Glücksspiel unter einem neuen Namen. Die Coalition for Prediction Markets, zu der auch Crypto.com, Robinhood und Coinbase gehören, versucht derweil, die Stimmung in der Politik zu drehen. Dabei setzen sie auf Insider-Kontakte, wie etwa den Gründer Evan Corder, der früher als Stabschef von Generalstaatsanwalt Rob Bonta tätig war. Das Ziel ist klar: Die Einstufung dieser Märkte als legitime Handelsplätze abzusichern.
Zahlen und Fakten
Die finanziellen Mittel, die in diesen Kampf fließen, sind beachtlich. Kalshi investierte in der ersten Hälfte dieses Jahres mehr als 1,7 Millionen Dollar in Lobbying auf Bundesebene, ergänzt durch mindestens 160.000 Dollar speziell für Kalifornien. Die Coalition for Prediction Markets zahlte zudem 100.000 Dollar an die Beratungsfirma Invariant im zweiten Quartal 2026, um Entscheidungsträger über Event-Verträge aufzuklären. Auf der Gegenseite stehen die Stämme, die politisch extrem gut vernetzt sind. Sie spendeten über 2 Millionen Dollar an Gouverneur Gavin Newsom und den California Partners Project, eine gemeinnützige Organisation seiner Ehefrau. James Siva, Vorsitzender der California Nations Indian Gaming Association, machte deutlich, dass Kalifornien für die Betreiber die Gans sei, die goldene Eier legt.
„Prognosemärkte können keine Bundes-Schlupflöcher nutzen, um staatlichen Verbraucherschutz, Sportwetten- und Glücksspielgesetze zu umgehen. Indem wir uns diesem Schriftsatz anschließen, stehen wir fest an der Seite von Ohio und unseren staatlichen Partnern, um sicherzustellen, dass Bundesgesetze für Rohstoffe nicht als Waffe eingesetzt werden, um Landesgesetze zu umgehen, Spielsucht zu schüren und Staatseinnahmen zu untergraben.“ - Rob Bonta, Generalstaatsanwalt von Kalifornien
Hintergrund
Der Konflikt entzündet sich an der Definition der Aufsichtsbehörden. Während klassische Sportwetten der staatlichen Regulierung unterliegen, fallen Prognosemärkte theoretisch unter die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) auf Bundesebene. Dies führt zu der kuriosen Situation, dass man in Kalifornien auf ein Spiel der Lakers setzen kann, solange dies als Kauf eines Event-Kontrakts deklariert wird. Die indigenen Stämme sehen darin einen direkten Angriff auf ihre Souveränität. Victor Rocha von der Indian Gaming Association reagierte auf der Plattform X äußerst scharf auf die Expansion von DraftKings und drohte damit, jede verfügbare Ressource zu nutzen, um diesen Anbietern den Sauerstoff abzudrehen. Bonta wiederum hat bereits eine Allianz von 37 Generalstaatsanwälten unterstützt, die gegen Kalshi vorgehen.
Gouverneur Newsom steckt in einer Zwickmühle. Einerseits muss er die Interessen der Stämme wahren, mit denen er erst kürzlich, wie im Fall des Fort Mojave Indianerstamms, einen 25-jährigen Vertrag unterzeichnet hat. Dieser Deal erlaubt dem Stamm den Betrieb von zwei Casinos mit bis zu 1.200 Spielautomaten. Andererseits steht er unter dem Druck der Silicon-Valley-Lobby, die Prognosemärkte als technologische Innovationen der Finanzwelt feiert. Der Fall zeigt, wie schwierig es ist, moderne Digitalprodukte in ein Rechtssystem zu pressen, das noch auf physischen Casino-Lizenzen und strengen Gebietsrechten basiert.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Zocker ist diese Entwicklung ein warnendes Beispiel für die Bedeutung klarer Regulierung. In Deutschland gibt es dank des Glücksspielstaatsvertrags 2021 (GlüStV 2021) eine strikte Trennung. Sportwetten und Online-Casinos benötigen eine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Solche Grauzonen-Produkte wie die US-Prognosemärkte hätten hierzulande kaum eine Chance, da die GGL sehr genau auf die Einhaltung des 1-Euro-Limits pro Spin bei Slots und des monatlichen Einzahlungslimits von 1.000 Euro über das LUGAS-System achtet. Wer in Deutschland sicher spielen will, sollte ausschließlich Anbieter von der offiziellen Whitelist nutzen. US-Plattformen ohne deutsche Lizenz bieten keinerlei Rechtssicherheit und verstoßen gegen die hiesigen Spielerschutzgesetze.
Was das für GGL-Casinos heißt
Lizenzierte deutsche Anbieter können aus dem kalifornischen Chaos lernen, dass Rechtssicherheit das höchste Gut ist. Während in den USA Milliarden in Lobbying und Gerichtsverfahren fließen, bietet der deutsche Markt durch die GGL-Regulierung einen stabilen Rahmen. Dennoch zeigt der Trend zu Event-Wetten, dass das Interesse an neuen Wettformen wächst. Deutsche Buchmacher müssen jedoch innerhalb der engen Grenzen des GlüStV bleiben, der zum Beispiel Wetten auf soziale Ereignisse oder politische Wahlen im Vergleich zu Sportwetten deutlich strenger reguliert oder ganz verbietet. Die Stabilität der Whitelist schützt die Betreiber hierzulande vor den existenzbedrohenden juristischen Kriegen, wie sie DraftKings und Kalshi gerade in Kalifornien führen.
Häufige Fragen
Was sind Prognosemärkte und warum sind sie in Kalifornien umstritten?
Prognosemärkte wie Kalshi erlauben es Nutzern, auf den Ausgang von Ereignissen zu handeln, was rechtlich als Finanzkontrakt gilt. In Kalifornien ist dies umstritten, da es faktisch Sportwetten ermöglicht, obwohl diese im Bundesstaat eigentlich verboten sind.
Wie viel Geld investiert Kalshi in Lobbyarbeit?
Kalshi hat allein in der ersten Hälfte des Jahres 2026 über 1,7 Millionen Dollar für Lobbying auf Bundesebene ausgegeben. Hinzu kommen hohe sechsstellige Beträge für Bemühungen direkt in Kalifornien, um politische Entscheider zu beeinflussen.
Welche Rolle spielen die indigenen Stämme in diesem Konflikt?
Die Stämme besitzen in Kalifornien das Exklusivrecht auf viele Glücksspielformen und sehen Prognosemärkte als Bedrohung ihrer Einnahmen. Sie haben über 2 Millionen Dollar an Gouverneur Newsom gespendet und drohen Anbietern wie DraftKings mit juristischen Schritten.
Warum geht DraftKings mit einem Prognosemarkt live, wenn Sportwetten verboten sind?
DraftKings nutzt eine regulatorische Lücke, indem sie ihre Plattform als Markt für Event-Vorhersagen deklarieren, der unter Bundesfinanzrecht fallen könnte. So versuchen sie, Nutzer in Staaten zu erreichen, in denen klassisches Glücksspiel noch nicht legalisiert wurde.
Können deutsche Spieler auf Plattformen wie Kalshi oder DraftKings Predictions wetten?
Nein, diese Plattformen verfügen über keine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) für den deutschen Markt. Deutsche Spieler sollten sich an die GGL-Whitelist halten, um von den Schutzmechanismen wie dem 1.000-Euro-Einzahlungslimit und dem LUGAS-System zu profitieren.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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