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Brasilien verschärft Glücksspielwerbung mit Warnhinweisen im Zigaretten-Stil

10. Juli 20265 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Brasilien verschärft Glücksspielwerbung mit Warnhinweisen im Zigaretten-Stil

Das brasilianische Finanzministerium führt strengere Regeln für Glücksspielwerbung ein. Bald sind gesundheitliche Warnhinweise im Stil von Tabak- und Alkoholprodukten Pflicht und das Werben als sichere Geldanlage ist verboten.

Das brasilianische Finanzministerium greift hart durch: Neue Regeln für Glücksspielwerbung, die am Freitag veröffentlicht werden, sehen obligatorische Warnhinweise vor. Diese ähneln jenen auf Tabak- oder Alkoholprodukten. Online-Glücksspielbetreiber, Kommentatoren und Influencer müssen ihre Marketingstrategien anpassen. Die Maßnahmen sind Teil einer breiteren Initiative, illegale Werbung zu unterbinden und die Botschaft zu zerstreuen, dass Wetten eine sichere Einkommensquelle darstellen. Es scheint, als ob Brasilien ernsthaft versucht, den Wildwuchs an unregulierter Glücksspielwerbung einzudämmen.

Zahlen und Fakten

Finanzminister Dario Durigan kündigte an, dass die Warnhinweise Botschaften wie „Wetten lassen Sie Geld verlieren“, „Wetten können süchtig machen“ und „Wetten sind keine Investition“ enthalten werden. Diese direkten Hinweise sollen die Spieler vor den Risiken schützen. Die neuen Vorschriften verbieten auch, in Anzeigen Dringlichkeit zu erzeugen. Außerdem dürfen Gewinne oder Gewinnstorys nicht mehr genutzt werden, um Verbraucher zum Wetten zu überreden. Dies betrifft auch Sportkommentatoren und Experten, die in wettenbezogenen Inhalten auftreten. Sie dürfen ihre technische Autorität oder Fachkenntnisse nicht nutzen, um Spieler zu bestimmten Einsätzen zu bewegen.

„Wir erlegen der Wettwerbung im Land Beschränkungen auf. Ich muss nicht betonen – denn es versteht sich von selbst – dass wir null Toleranz gegenüber illegalen Betreibern haben. Deshalb sind illegale Wettgeschäfte in keiner Weise zugelassen, und weder Werbetreibende noch Medien dürfen Werbung schalten, die ein Unternehmen betrifft, das nicht zum Betrieb auf dem Markt zugelassen ist.“ - Dario Durigan, Finanzminister Brasiliens

Ein weiteres Dekret, gemeinsam mit dem Justizministerium erarbeitet, zielt auf nicht autorisierte Betreiber ab. Es soll das Werbeverbot für Unternehmen, die keine Zulassung für den brasilianischen Markt besitzen, verschärfen. Dies ist ein klares Signal an graue Märkte. Die Debatte um Glücksspiel in Brasilien ist ohnehin angespannt. Diskussionen über eine Erhöhung der Glücksspielsteuern von 12 Prozent auf bis zu 24 Prozent der Gross Gaming Revenue (GGR) haben jüngst für Aufruhr gesorgt. Laut Glücksspielexperte Elvis Lourenço von EX7 Partners sind diese Pläne „wahnsinnig“ und könnten den Markt zum Kollaps bringen. Das ursprüngliche Gesetz sah eine Rate von 18 Prozent vor. Eine provisorische Maßnahme zur Erhöhung auf 18 Prozent scheiterte Anfang des Monats im Parlament, ebenso wie Pläne für rückwirkende Steuern auf vorregulierte Glücksspielaktivitäten.

Hintergrund

Die brasilianische Regierung unter Präsident Lula versucht, mit diesen Maßnahmen die konservative Bevölkerung zu besänftigen. Glücksspiel wird dabei oft als politisches Druckmittel genutzt. Die Regierung sieht Glücksspiel, Banken und Milliardäre als die „drei B’s“, bei denen man Steuern erhöhen kann. Die Einnahmen sind wichtig für den Staatshaushalt. Doch die Branche argumentiert, dass zu hohe Steuern den legalen Markt gefährden und Spieler in den Schwarzmarkt treiben könnten. Die jüngste Steuererhöhungsdebatte, bei der das Parlament eine Erhöhung von 12 auf 18 Prozent ablehnte, führte dazu, dass ein neuer Gesetzentwurf eingebracht wurde, der die Steuer auf 24 Prozent GGR erhöhen will. Eine weitere Quelle weist darauf hin, dass die Arbeiterpartei (PT) sogar versucht, das gesamte Glücksspielgesetz zu kippen. Damit würde sie gegen die erst 2023 eingeführte Regulierung agieren. Dies zeigt die politische Volatilität in Brasilien bezüglich des Glücksspiels.

Das Thema Spieler- und Konsumentenschutz wird also in Brasilien sehr ernst genommen. Die Ähnlichkeit zu Alkohol- und Tabakwarnungen unterstreicht den Willen der Regierung, die Risiken des Glücksspiels klar zu kommunizieren. Dieses Vorgehen könnte auch andere Länder aufhorchen lassen, die ähnliche Probleme mit aggressiver Glücksspielwerbung haben. Dennoch besteht die Gefahr, dass eine übermäßige Regulierung und Besteuerung unbeabsichtigte negative Folgen haben könnte, indem sie den Schwarzmarkt stärkt, wie Lourenço befürchtet. Das Gleichgewicht zwischen Spielerschutz und einem gesunden legalen Markt ist fragil.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler bedeutet dies, dass solche Entwicklungen im europäischen Umfeld, aber auch international genau beobachtet werden. Deutschland hat mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) bereits einen sehr strengen Regulierungsrahmen etabliert. Dieser inkludiert ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro, ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an Online-Slots und das zentrale Sperrsystem LUGAS. Werbung für Glücksspiele ist auch in Deutschland stark reglementiert, insbesondere in Bezug auf Minderjährige und glücksspielgefährdete Personen. Es gibt hier bereits strenge Vorgaben für seriöse, GGL-lizenzierte Online-Casinos. Formulierungen, die Wetten als Investition oder sichere Einnahmequelle darstellen, sind auch in Deutschland strikt verboten. Die deutsche Regulierung zielt auch darauf ab, den Wildwuchs von unlizenzierten Anbietern zu unterbinden, die sich nicht an diese Regeln halten. Daher sind Angebote von MGA- oder Curacao-lizenzierten Anbietern, die oft mit aggressiveren Werbepraktiken und höheren Limits locken, keine sicheren Optionen.

Was das für GGL-Casinos heißt

GGL-lizenzierte Casinos in Deutschland müssen bereits höchste Standards im Spielerschutz und bei der Werbung einhalten. Dies beinhaltet transparente Informationen über Suchtrisiken und verantwortungsbewusstes Spielen. Die neuen Regeln in Brasilien zeigen, dass der Trend zu strengerer Regulierung weltweit anhält. GGL-Casinos sind hier schon vorbildlich aufgestellt und erfüllen viele Anforderungen, die in anderen Ländern erst noch eingeführt werden müssen. Die deutsche Glücksspielbehörde (GGL) achtet streng auf die Einhaltung dieser Vorgaben. Sie kontrolliert die Einhaltung der Werberichtlinien und sanktioniert Verstöße konsequent. Damit wird sichergestellt, dass deutsche Spieler in einem sicheren und verantwortungsvollen Umfeld spielen können.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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