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Kalshi will Brasiliens Sperre für Prediction Markets im Gespräch kippen

11. Juni 20267 Minvon Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Kursdiagramm für Event-Kontrakte auf einem Bildschirm in einem modernen Newsroom mit grün-gelben Akzenten, Symbolbild zur Kalshi-Verhandlung mit Brasiliens Regulierern

Statt vor Gericht zu ziehen, sucht die US-Prediction-Market-Plattform Kalshi den Dialog mit den brasilianischen Behörden. Mitgründerin Luana Lopes Lara setzt auf Aufklärung. Wir erklären, warum der Streit weit über Brasilien hinaus relevant ist.

Im April 2026 hatte Brasiliens Bundesregierung der US-Plattform Kalshi den Marktzugang entzogen. Begründung: Event-Kontrakte auf Wahlen, Sportausgänge oder makroökonomische Daten seien rechtlich Wetten, für die Kalshi keine SPA-MF-Lizenz besitze. Am 11. Juni hat Mitgründerin Luana Lopes Lara der Folha de S. Paulo das weitere Vorgehen erklärt: Keine Klage, sondern Aufklärung. iGamingToday.com griff das Interview noch am selben Tag auf.

Lopes Lara, Brasilianerin und ehemalige MIT-Studentin, sagt es offen: "Wir glauben, das Verbot war eher Unkenntnis als böse Absicht. Wir wollen erklären, was wir tun." Ihre Linie ist nachvollziehbar, denn Kalshi unterscheidet sich tatsächlich strukturell von einem Sportwetten-Anbieter. Die Plattform verdient kein Geld am Verlust der Nutzer, sondern an Handelsgebühren auf Event-Kontrakte. Wer einen Kontrakt zu 0,40 USD kauft und das Ereignis tritt ein, bekommt 1 USD.

Genau das ist juristisch der wunde Punkt. Brasiliens Aufsicht SPA-MF (Secretariat of Prizes and Betting) sieht in jedem geldwerten Vertrag auf einen ungewissen Ausgang eine Wette, unabhängig vom Geschäftsmodell des Plattformbetreibers. Die regulären Sportwetten-Anbieter in Brasilien zahlen 30 Millionen Real Lizenzgebühr, halten Geldwäsche- und Spielerschutzpflichten ein und werden steuerlich belastet. Kalshi tat bisher keines davon.

Lopes Lara verweist auf den US-Präzedenzfall. Dort hatte sich Kalshi 2024 vor der CFTC und später vor Bundesgerichten durchgesetzt und durfte Event-Kontrakte auf die Präsidentschaftswahl 2024 anbieten, die letztlich Donald Trump gewann. Allein dieser Markt erzeugte über 850 Millionen USD Handelsvolumen. Seit 2024 expandiert Kalshi weltweit, aktuell mit Lizenzanträgen in Mexiko, Argentinien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

In Brasilien geht es um mehr als nur einen Markt. Lateinamerika erlebt 2026 eine Welle von Glücksspielreformen. Argentinien hat im Januar ein Bundesgesetz verabschiedet, das Sportwetten und Online-Casinos einheitlich regelt. Chile diskutiert seit Mai einen ähnlichen Entwurf. Wie Brasilien Prediction Markets einordnet, wird in der gesamten Region als Präzedenzfall gelesen. Lopes Lara sagt selbst: "Wenn Brasilien uns versteht, wird der Rest der Region folgen."

Aus deutscher Sicht ist die Diskussion bisher theoretisch, aber das ändert sich gerade. Die BaFin prüfte 2025 zwei Anträge von Polymarket und einem nicht genannten US-Anbieter, beide wurden mit Hinweis auf den Glücksspielstaatsvertrag 2021 abgewiesen. Die GGL stuft Event-Kontrakte derzeit klar als unerlaubte Sportwette ein. Wer als Deutscher auf Polymarket oder Kalshi handelt, fällt automatisch unter die Schwarzmarktregelung und kann seine Einsätze nach BGH-Urteil vom 14. Mai 2026 (XII ZR 187/25) zurückfordern.

Spannend ist die juristische Frage, wie lange diese strikte Linie haltbar bleibt. Kalshi argumentiert seit Jahren, Event-Kontrakte seien Finanzprodukte mit Hedging-Funktion für Unternehmen und Privatpersonen. Ein Bauer, der gegen einen schlechten Maisertrag absichert, eine Fluggesellschaft, die gegen Wetterausfälle vorsorgt. Die Argumentation hat in den USA bei der CFTC funktioniert, in der EU stehen aber MiFID II und nationale Glücksspielgesetze in einer schwierigen Wechselwirkung.

Mein Eindruck nach mehreren Gesprächen mit Berliner Glücksspielanwälten: Deutschland wird Prediction Markets so lange als Wette behandeln, bis entweder der EuGH oder das BVerfG anders entscheidet. Bis dahin gilt für deutsche Spieler die einfache Regel: Wer auf Sportausgänge setzen will, nutzt einen GGL-lizenzierten Sportwetten-Anbieter, alles andere ist illegal und bei Verlust voll rückforderbar. Wie Brasilien sich entscheidet, beobachten wir weiter genau.

Quellen & weiterführende Links

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