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Regulierung

Chile plant Werbeverbot für Wetten: Abgeordnete drängen TV-Regulierer zum Handeln

17. August 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Chile plant Werbeverbot für Wetten: Abgeordnete drängen TV-Regulierer zum HandelnKI-GENERIERT

Die chilenischen Abgeordneten Eduardo Cretton und Marco Antonio Sulantay fordern ein komplettes Aus für Wettwerbung im Fernsehen, nachdem bereits neun Werbespots sanktioniert wurden.

In Chile spitzt sich der Konflikt um die Sichtbarkeit von Online-Glücksspielen im öffentlichen Raum massiv zu. Zwei prominente Abgeordnete, Eduardo Cretton und Marco Antonio Sulantay, haben sich offiziell an die nationale Fernsehregulierungsbehörde CNTV (Consejo Nacional de Televisión) gewandt. Ihr Ziel ist so radikal wie eindeutig: Die Ausstrahlung jeglicher Werbung für Online-Wettplattformen soll im gesamten Fernsehprogramm unterbunden werden. Dieser Schritt erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die chilenische Justiz bereits verstärkt gegen nicht autorisierte Anbieter vorgeht und technische Sperren für deren Webseiten durchsetzt.

Die Argumentation der Parlamentarier basiert auf einer offensichtlichen rechtlichen Diskrepanz. Während die Telekommunikationsunternehmen des Landes bereits gerichtliche Anweisungen erhalten, den Zugang zu bestimmten Glücksspielseiten zu blockieren, flimmern die bunten Werbespots derselben Unternehmen weiterhin ungehindert über die Bildschirme. Marco Antonio Sulantay bezeichnet diesen Zustand als völlig inkonsequent. Es sei den Bürgern nicht zu vermitteln, dass Plattformen einerseits als illegal eingestuft werden, andererseits aber zur besten Sendezeit um Neukunden buhlen dürfen. Die Abgeordneten fordern daher ein Handeln der CNTV, ohne auf den langwierigen Abschluss der allgemeinen Glücksspielreform im Kongress zu warten.

Zahlen und Fakten

Ein Blick auf die jüngere Vergangenheit zeigt, dass die CNTV bereits in Einzelfällen hart durchgegriffen hat. Der Fernsehsender Chilevisión wurde mit einer Geldstrafe belegt, nachdem insgesamt neun Werbespots für Online-Wetten während einer Sendezeit ausgestrahlt wurden, die eigentlich dem Schutz von Minderjährigen vorbehalten ist. Der Sender wehrte sich juristisch gegen diese Sanktion, scheiterte jedoch vor dem Berufungsgericht von Santiago, welches die Entscheidung der Regulierungsbehörde bestätigte. Bisher bezogen sich solche Beschränkungen jedoch nur auf spezifische Zeitfenster. Der neue Antrag von Cretton und Sulantay zielt darauf ab, diese Unterscheidung aufzuheben und ein generelles Verbot durchzusetzen.

„Die Gerichte gehen gegen Wett-Websites vor, doch dieselbe Art von Unternehmen kann immer noch in der Fernsehwerbung erscheinen, die das chilenische Publikum sieht. Diese Situation ist inkonsequent." - Marco Antonio Sulantay, Abgeordneter in Chile

Das Verfahren zur Domain-Sperrung ist in Chile bereits in vollem Gange. Die nationale Glücksspielbehörde prüft hierbei die Plattformen, bevor die entsprechenden Anweisungen zur Blockierung an die Internetprovider weitergegeben werden. Die Abgeordneten nutzen diesen Präzedenzfall, um den Druck auf die Fernsehregulierer zu erhöhen. Wenn der Zugang zum Produkt gesperrt wird, müsse logischerweise auch die Anpreisung dieses Produkts im Fernsehen unterbunden werden, so die Forderung.

Hintergrund

Die aktuelle rechtliche Lage in Chile ist komplex, da sich das Land in einer Übergangsphase befindet. Der Kongress arbeitet zwar an einem umfassenden Gesetzesrahmen für private Online-Wettanbieter, doch dieser Prozess zieht sich hin. Die geplanten Regeln sollen Lizenzen, Besteuerung, Aufsicht und eben auch die Werbung regeln. Solange dieser Rahmen fehlt, agieren viele Anbieter in einer rechtlichen Grauzone oder werden von den Behörden als nicht autorisiert eingestuft. Die CNTV steht nun vor der Herausforderung, eine Entscheidung zu treffen, die weit über den bisherigen Jugendschutz hinausgeht.

Sollte die Behörde dem Antrag stattgeben, wäre dies ein schwerer Schlag für die Marketingabteilungen der Wettanbieter. Da die CNTV bereits bewiesen hat, dass sie gewillt ist, Strafen bei Verstößen gegen Jugendschutzzeiten zu verhängen, hat der neue Vorstoß eine reale Erfolgschance. Für die Anbieter wird das Umfeld in Chile zunehmend schwieriger, da der zweiseitige Druck aus Netzsperren und Werbeeinschränkungen die Kundenakquise massiv erschwert.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler ist die Situation in Chile ein interessantes Spiegelbild der hiesigen Regulierung. In Deutschland ist durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) bereits sehr klar geregelt, wer werben darf und wer nicht. Nur Anbieter, die auf der sogenannten Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen, besitzen eine legale Erlaubnis für den deutschen Markt. Deutsche Kunden sind durch strenge Limits geschützt, wie etwa das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat, das über das System LUGAS überwacht wird. Zudem gilt an virtuellen Automaten ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spielrunde. Wer bei einem Anbieter ohne GGL-Lizenz spielt, begibt sich in die Illegalität und genießt keinen Spielerschutz. Die Diskussion in Chile zeigt, dass die Trennung zwischen legalem Markt und Schwarzmarkt weltweit eine der größten Herausforderungen für Regulierer bleibt.

Was das für GGL-Casinos heißt

GGL-lizenzierte Casinos in Deutschland müssen sich bereits jetzt an extrem strenge Werberichtlinien halten, insbesondere was den Jugendschutz und die Vermeidung von irreführenden Anreizen angeht. Ein komplettes Verbot, wie es in Chile diskutiert wird, steht in Deutschland aktuell nicht unmittelbar bevor, doch die Debatten über Sportwetten-Sponsoring und TV-Spots reißen auch hierzulande nicht ab. Für lizenzierte Betreiber bedeutet dies, dass sie ihre Marketingstrategien kontinuierlich anpassen müssen, um die Akzeptanz in der Gesellschaft nicht zu verlieren. Transparenz und ein Fokus auf den Spielerschutz sind dabei die wichtigsten Faktoren, um einer radikalen Verbotswelle, wie sie sich in Chile abzeichnet, zuvorzukommen.

Häufige Fragen

Wer fordert in Chile das Verbot von Wettwerbung im Fernsehen?

Die beiden Abgeordneten Eduardo Cretton und Marco Antonio Sulantay haben den Antrag offiziell eingereicht. Sie fordern vom nationalen Fernsehrat CNTV, die Werbung für Online-Wetten über den gesamten Sendetag hinweg zu stoppen.

Warum wurde der Sender Chilevisión bereits bestraft?

Der Sender strahlte neun Werbespots für Online-Wetten während einer geschützten Sendezeit aus, die dem Schutz von Minderjährigen dient. Das Berufungsgericht von Santiago bestätigte die daraufhin verhängte Geldstrafe der CNTV.

Wie werden illegale Wettseiten in Chile derzeit bekämpft?

Chile hat ein System zur Blockierung von Domains eingeführt, die mit nicht autorisierten Wettplattformen in Verbindung stehen. Dieser Prozess wird durch Gerichtsbeschlüsse und die nationale Glücksspielbehörde gesteuert.

Gibt es in Chile bereits ein fertiges Gesetz für Online-Wetten?

Nein, der chilenische Kongress arbeitet derzeit noch an einem Gesetzgebungsrahmen für Lizenzen, Steuern und Aufsicht. Solange dieses Gesetz fehlt, finden Regulierungsmaßnahmen über Gerichte und bestehende Rundfunkregeln statt.

Welche Regeln gelten für Glücksspielwerbung in Deutschland?

In Deutschland dürfen nur Anbieter werben, die über eine Lizenz der GGL verfügen und auf der Whitelist stehen. Es gelten strenge Vorgaben zum Jugendschutz und zur Suchtprävention gemäß dem Glücksspielstaatsvertrag 2021.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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In Kategorie:Regulierung & Lizenzen
In Land:Chile

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