Niederlande erwägen automatische Spielsperren für gefährdete Spieler

Der niederländische Glücksspielregulator KSA schlägt vor, Personen unter Vormundschaft oder Finanzverwaltung automatisch in das nationale Selbstausschlussregister Cruks aufzunehmen. Dies betrifft rund 275.000 Menschen und soll den Spielerschutz stärken.
Die Kansspelautoriteit (KSA), die Glücksspielbehörde der Niederlande, prescht mit einem wegweisenden Vorschlag vor: Menschen, die aufgrund ihrer finanziellen Lage oder aus anderen Gründen unter Vormundschaft stehen, sollen zukünftig automatisch vom legalen Glücksspiel ausgeschlossen werden. Dieser Schritt zielt darauf ab, besonders schutzbedürftigen Personengruppen, die im Centraal Curatele en Bewindregister (CCBR) gelistet sind, einen besseren Schutz vor den Risiken des Glücksspiels zu bieten. Der Vorsitzende der KSA, Michel Groothuizen, sieht darin eine notwendige Maßnahme in einer Zeit, in der Glücksspiel, auch durch Smartphones, immer zugänglicher wird.
Groothuizen machte am 2. Juli in einer Kolumne der KSA seinen Standpunkt klar. Er möchte eine direkte Verbindung zwischen dem nationalen Selbstausschlussregister Cruks und dem CCBR schaffen. Diese vorgeschlagene automatische Registrierung soll so lange bestehen bleiben, wie die Person unter den jeweiligen Schutzmaßnahmen steht. Dies würde etwa 250.000 Personen unter finanzieller Verwaltung und weitere 25.000 unter Vormundschaft betreffen. Groothuizen betont, dass diese Gruppen besonders anfällig für Glücksspielschäden sind, da das Risiko von Sucht mit der Möglichkeit hoher finanzieller Ausgaben einhergeht.
Zahlen und Fakten
Der durchschnittliche Monatsverlust beim legalen Online-Glücksspiel in den Niederlanden beläuft sich auf etwa 125 Euro. Eine Summe, die für finanziell gefährdete Personen schnell existenzbedrohend werden kann. Aktuell sind rund 120.000 Menschen freiwillig im Cruks-System registriert. Sie können sich für mindestens sechs Monate vom Glücksspiel ausschließen. Die Überlegung, diesen Mindestausschlusszeitraum auf ein Jahr oder sogar länger zu verlängern, wird ebenfalls von Groothuizen unterstützt. Er argumentiert, dass eine automatische Registrierung eine stärkere und verlässlichere Schutzmaßnahme darstellt, als auf die eigenverantwortliche Entscheidung der Betroffenen zu warten.
„Ich möchte, da die parlamentarische Debatte über Glücksspiel auf die Zeit nach dem Sommer verschoben wurde, dem Staatssekretär einen Vorschlag unterbreiten: Nutzen Sie die Auszeit, um neben der Verlängerung der Mindestregistrierungsdauer in Cruks auch einen einfachen Vorschlag zu erarbeiten, um alle im CCBR registrierten Personen für die Dauer ihres Schutzes oder ihrer Vormundschaft automatisch in Cruks aufzunehmen. Wir haben kürzlich eine Nachfrage von Administratoren und Vormündern hierfür festgestellt. Durch die direkte und integrale Verknüpfung des CCBR mit Cruks bieten wir einer extrem schutzbedürftigen Gruppe optimalen Schutz. Dies geschieht bereits in unseren Nachbarländern Belgien und Deutschland.“ - Michel Groothuizen, Vorsitzender der Kansspelautoriteit
Tatsächlich zeigt Groothuizen auf, dass Deutschland und Belgien bereits vergleichbare Schutzmechanismen etabliert haben. In Deutschland ist LUGAS, das bundesweite Sperrsystem, ein zentraler Pfeiler des Spielerschutzes, der über die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) durchgesetzt wird.
Hintergrund
Die Diskussion um den Spielerschutz in den Niederlanden ist keine Einzelerscheinung. Generell rückt das Thema in vielen europäischen Ländern stärker in den Fokus. Illegales Glücksspiel bleibt eine Herausforderung. Die KSA ist bestrebt, die legalen Märkte sicherer zu gestalten und gleichzeitig gegen unlizenzierte Anbieter vorzugehen. Michel Groothuizen hatte bereits im Oktober 2025 auf der IAGR 2025 Konferenz in Toronto vorgeschlagen, eine Art „Glücksspiel-Interpol“ ins Leben zu rufen. Dieses internationale Netzwerk soll Informationen über illegale Glücksspielanbieter austauschen und die globale Durchsetzung von Regulierungsmaßnahmen koordinieren. Er verglich das Problem mit einer Hydra, bei der, wenn ein Kopf abgeschlagen wird, zwei neue nachwachsen.
Zudem gibt es auch Bedenken hinsichtlich der Werbung für Glücksspiel. Eine Studie der City University of Hong Kong und der University of Bristol aus dem Mai 2026 ergab, dass etwa 11,2 Prozent der analysierten Glücksspielanzeigen auf Meta-Plattformen, wie Facebook und Instagram, gegen Altersbeschränkungen in den Niederlanden verstießen. Insbesondere landbasierte Lizenznehmer zeigten eine höhere Rate der Nichteinhaltung als Online-Glücksspielbetreiber. Holland Casino, ein staatlich kontrollierter Betreiber, wurde erwähnt, da Kampagnen auch unter 24-Jährige als Zielgruppe umfassten. Solche Erkenntnisse untermauern die Notwendigkeit robuster Schutzmaßnahmen und strengerer Kontrollen.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler sind die Entwicklungen in den Niederlanden durchaus relevant, auch wenn der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) bereits hohe Standards setzt. Die GGL als zuständige Aufsichtsbehörde überwacht den legalen deutschen Online-Glücksspielmarkt. Spieler in Deutschland profitieren von umfassenden Schutzmaßnahmen. Dazu gehören ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spielrunde bei Automatenspielen und ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro, das über das LUGAS-System überwacht wird.
LUGAS, das länderübergreifende Glücksspielaufsichtssystem, erfüllt eine ähnliche Funktion wie das Cruks-Register. Es verhindert, dass Spieler gleichzeitig bei mehreren Anbietern spielen oder die monatlichen Einzahlungslimits umgehen. Die GGL arbeitet kontinuierlich daran, den Spielerschutz zu verbessern und die sogenannten Whitelist-Casinos, also die legal lizenzierten Anbieter, streng zu kontrollieren. Maßnahmen wie die in den Niederlanden diskutierten automatischen Sperren bei finanzieller Vulnerabilität zeigen eine Tendenz zu noch strikteren Regelungen. So könnten auch in Deutschland weitere Argumente für ähnliche Schutzmechanismen entstehen und auf die Entwicklung des GlüStV von 2021 einwirken. Der Fokus auf den Schutz besonders gefährdeter Gruppen ist ein gemeinsames Ziel internationaler Regulierungsbehörden. Deutsche Online-Casinos, die eine GGL-Lizenz besitzen, müssen sich ohnehin an sehr strenge Regeln halten. Diese Regeln umfassen auch Maßnahmen zur Prävention von Spielsucht.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für GGL-lizenzierte Casinos in Deutschland bedeuten solche Diskussionen in Nachbarländern eine ständige Anpassung und Bereitschaft zur Implementierung neuer Spielerschutzmaßnahmen. Der GlüStV 2021 ist zwar umfassend, doch die internationale Entwicklung zeigt, dass weitere Einschränkungen möglich sind, insbesondere für finanziell gefährdete Personengruppen. Sollte sich der niederländische Vorschlag durchsetzen und eine automatische Sperrung für Menschen unter Vormundschaft oder Finanzverwaltung zur Norm werden, könnte dies auch den Druck auf die deutsche Gesetzgebung erhöhen.
GGL-Casinos müssen schon jetzt sicherstellen, dass ihre Systeme mit LUGAS kompatibel sind und die Daten über Einzahlungslimits und Spielerverhalten korrekt übermittelt werden. Ein weiterer Schritt in Richtung automatischer Sperrsysteme würde die Anforderungen an die Datenintegration und den Datenschutz weiter verschärfen. Es ist für GGL-Casinos unerlässlich, proaktiv mögliche regulatorische Änderungen zu verfolgen und ihre internen Prozesse entsprechend anzupassen, um auch in Zukunft den hohen Anforderungen des Spielerschutzes gerecht zu werden und die Integrität des deutschen Marktes zu gewährleisten.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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