Hokkaido entscheidet im Herbst über Casino-Resort, Tomakomai bleibt Favorit

Die nördliche japanische Präfektur Hokkaido will im Oktober über den Einstieg in ein Integrated Resort entscheiden. Tomakomai liegt vor Hakodate. Wir erklären, was das für den asiatischen Casino-Markt heisst und warum deutsche Spieler trotzdem nichts überstürzen sollten.
Hokkaido, die nördlichste Insel Japans, nähert sich einer Entscheidung, die in der asiatischen Casino-Branche seit Jahren erwartet wird. Am Dienstag hat die Präfekturversammlung in Sapporo einen Entwurf vorgelegt, der Gouverneur Naomichi Suzuki die Grundlage für eine offizielle Bewerbung um ein Integrated Resort (IR) liefern soll. Bis September geht das Papier durch die parlamentarischen Ausschüsse, im Oktober fällt die Entscheidung. Das berichtete iGamingToday.com am 11. Juni unter Berufung auf GGR Asia.
Worum geht es konkret? Japan öffnet seinen Casinomarkt schrittweise seit dem IR-Implementation Law von 2018. Bisher ist mit MGM Osaka erst ein einziges Projekt lizenziert, ein 1,51 Billionen Yen schwerer Resort-Komplex auf Yumeshima Island, der bis 2030 fertig werden soll. Eine zweite Lizenzrunde läuft vom 6. Mai bis 5. November 2027. Genau in diesem Fenster will Hokkaido seine Bewerbung einreichen, wenn die Präfekturversammlung im Herbst grünes Licht gibt.
Als Standort kristallisiert sich Tomakomai immer deutlicher heraus. Die Hafenstadt im Süden Hokkaidos hat 165.000 Einwohner, einen internationalen Flughafen (Chitose) in 20 Kilometer Entfernung und seit Jahren ein konkretes Grundstück im Stadtteil Numanohata reserviert. Mitbewerber Hakodate, das jahrelang als Alternative galt, hat in der Plenarsitzung am Dienstag eingeräumt, weder einen politischen Konsens noch das nötige Grundstück gesichert zu haben. Damit ist die Stadt für die nächste Runde praktisch raus.
Der Hokkaido-Entwurf legt klare Bedingungen fest. Betreiber muss eine Special-Purpose-Company sein, an der lokale Hokkaido-Unternehmen beteiligt sind. Ziel ist die Erschliessung neuer Tourismusnachfrage von Inbound-Reisenden und vermögenden Privatpersonen. Die Standortgemeinde muss erhebliche Vorinvestitionen leisten, vor allem in Grunderwerb und Infrastruktur. Das ist ein klassisches Hokkaido-Muster, in dem die Präfektur viel reguliert, die Stadt viel bezahlt.
Für den asiatischen Markt wäre ein zweites japanisches IR ein wichtiges Signal. Macau verliert seit der Glücksspielreform 2023 an Margen, Singapur ist saturiert, Vietnam und Sri Lanka entwickeln sich nur zögerlich. Tomakomai könnte mit MGM Osaka eine Nordachse bilden, die internationale Gäste vor allem aus Südkorea, Taiwan und Singapur anzieht. Potenzielle Betreiber, die schon Interesse signalisiert haben, sind Mohegan Gaming, Hard Rock International und ein Konsortium aus dem japanischen Konglomerat Mitsubishi Estate und Las Vegas Sands.
Aus deutscher Sicht ist das alles weit weg, hat aber eine indirekte Wirkung. Japanische IR-Casinos werden voraussichtlich ähnlich strikte Einlass-Kontrollen verlangen wie Singapur (100 USD Eintrittsgebühr für Einheimische, Online-Sperrsystem). Solche Schutzmechanismen werden inzwischen in der internationalen Regulierungsdebatte als Vorbild zitiert, auch bei der GGL. Direktor Ronald Benter verwies in seiner Rede beim Berliner Glücksspielsymposium Ende Mai explizit auf das japanische Modell.
Für deutsche Spieler, die nach Hokkaido reisen, ist erstmal nichts zu gewinnen. Selbst wenn die Präfektur im Oktober zustimmt, dauert es bis zur Eröffnung mindestens fünf bis sieben Jahre. Wer legal in Deutschland spielen will, bleibt bei den rund 30 GGL-lizenzierten Online-Casinos. Wer ein lizenziertes Spielbankerlebnis sucht, findet das in den Spielbanken der Bundesländer, etwa Spielbank Hamburg, Spielbank Berlin oder den 17 bayerischen Spielbanken. Lustich.de behält die Hokkaido-Entscheidung im Oktober im Blick, weil sie indirekt die deutsche Regulierungsdebatte beeinflussen wird.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
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