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Finnisches Glücksspielrecht: Kommt die Kehrtwende beim Monopolmodell?

6. Juli 20265 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Finnisches Glücksspielrecht: Kommt die Kehrtwende beim Monopolmodell?

Jari Vähänen von The Finnish Gambling Consultants hält es für "ziemlich sicher", dass die finnische Glücksspielgesetzgebung bald überarbeitet wird. Das Monopolsystem steht zunehmend auf dem Prüfstand.

Finnland könnte vor einer grundlegenden Neuausrichtung seiner Glücksspielpolitik stehen. Seit Jahren wird das staatliche Monopol des Anbieters Veikkaus diskutiert. Ein führender Branchenexperte sieht nun die Zeichen für eine Liberalisierung verdichtet. Es wird erwartet, dass die finnische Regierung zeitnah eine Überarbeitung der bestehenden Glücksspielgesetze in Angriff nimmt.

Dies wäre ein bedeutsamer Schritt, der weitreichende Folgen für den gesamten nordeuropäischen Glücksspielmarkt hätte. Viele europäische Länder haben bereits den Weg zu einem Mehrlizenzsystem eingeschlagen, um dem Wunsch der Bürger nach einer breiteren Auswahl Rechnung zu tragen und gleichzeitig den Spielerschutz zu verbessern.

Zahlen und Fakten

Jari Vähänen, Mitbegründer und Partner bei The Finnish Gambling Consultants, äußerte sich klar zur zukünftigen Entwicklung. Er ist "ziemlich sicher", dass die finnische Glücksspielgesetzgebung bald überarbeitet wird. Diese Einschätzung basiert auf langjährigen Beobachtungen des finnischen Marktes und internationaler Trends.

„Es ist ziemlich sicher, dass die finnische Glücksspielgesetzgebung bald überarbeitet wird.“ - Jari Vähänen, Mitbegründer und Partner bei The Finnish Gambling Consultants

Vähänen deutet auf den zunehmenden Druck hin, der durch den grauen Markt und die Präferenzen der Spieler entsteht. Das derzeitige Monopol von Veikkaus sieht sich starker Konkurrenz durch nicht-lizenzierte internationale Anbieter gegenüber. Spieler in Finnland nutzen zunehmend Angebote aus dem Ausland, was zu einem Kontrollverlust der Regierung über den Spielerschutz und die Steuererlöse führt. Die Einführung eines Lizenzsystems könnte hier Abhilfe schaffen.

Hintergrund

Das finnische Glücksspielmodell mit einem einzigen staatlichen Akteur, Veikkaus, ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Viele andere EU-Staaten sind bereits zu einem regulierten Lizenzsystem für private Betreiber übergegangen. Beispiele sind Schweden, Dänemark oder auch Deutschland. Hierbei werden Lizenzen an private Unternehmen vergeben, die dann unter strengen staatlichen Auflagen ihre Glücksspiele anbieten dürfen. Dies fördert den Wettbewerb, erweitert das Spielangebot für die Verbraucher und ermöglicht gleichzeitig eine bessere Kontrolle und Besteuerung der Branche.

Die Argumente für eine Überarbeitung sind vielfältig. Neben dem Wunsch nach mehr Auswahl für die Spieler und der Eindämmung des Schwarzmarktes geht es auch um die Erhöhung der Staatseinnahmen. Eine Lizenzierung privater Anbieter würde es dem finnischen Staat erlauben, durch Lizenzgebühren und Steuern zusätzliche Gelder zu generieren, die derzeit am Fiskus vorbeigehen. Zudem könnte der Spielerschutz durch moderne, EU-konforme Regulierungen verbessert werden.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler haben solche Entwicklungen in Finnland keine direkten Auswirkungen auf die bereits bestehende Rechtslage. In Deutschland ist das Glücksspiel seit Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags 2021 (GlüStV 2021) umfassend reguliert. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) vergibt Lizenzen für Online-Glücksspiele und Sportwetten. Als Spieler sollten Sie ausschließlich bei Anbietern spielen, die über eine solche deutsche Lizenz verfügen. Diese Casinos sind auf der sogenannten Whitelist der GGL zu finden.

Der GlüStV 2021 hat strenge Regeln etabliert, die dem Spielerschutz dienen. Hierzu zählen ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro, das über das zentrale Sperrsystem LUGAS überwacht wird. Zudem gibt es ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Online-Spielautomaten und ein Verbot der Autoplay-Funktion. Diese Maßnahmen sollen verantwortungsvolles Spielen fördern und Spielsucht vorbeugen. Diese Regelungen sind weitaus strenger als in vielen anderen europäischen Ländern, auch in denen mit liberalen Lizenzsystemen. Finnlands mögliche Änderungen zeigen zwar einen europäischen Trend zur Regulierung, aber Deutschland hat hier schon einen eigenen, dezidierten Weg eingeschlagen.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für die in Deutschland von der GGL lizenzierten Casinos bedeutet die Entwicklung in Finnland zunächst keine Änderung ihrer Geschäftspraktiken. Sie operieren bereits unter einem strengen Lizenzmodell und sind an die deutschen Gesetze gebunden. Langfristig könnte eine Öffnung des finnischen Marktes jedoch neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen. Sollte Finnland tatsächlich ein Mehrlizenzsystem einführen, könnten deutsche oder international agierende Unternehmen mit deutschen Lizenzen auch dort Lizenzen beantragen und ihr Geschäft ausweiten. Dies würde den Wettbewerb in der Branche insgesamt beleben und könnte zu einer weiteren Professionalisierung des Marktes beitragen. Gleichzeitig zeigt es, dass der Trend in Europa klar in Richtung regulierter Märkte geht, weg von unkontrollierten Monopolen oder gar Grauzonen.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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