Osasuna wehrt sich: Versicherung gegen den eigenen Abstieg, keine Wette

Der spanische Erstligist CA Osasuna weist Vorwürfe zurück, gegen den eigenen Klassenerhalt gewettet zu haben. Hintergrund ist eine 1,2-Millionen-Euro-Police, die über Howden und Game Point bei Kalshi landete. Wir ordnen die Sache rechtlich und sportlich ein.
CA Osasuna aus Pamplona musste am 11. Juni 2026 öffentlich klarstellen, was die Profibranche schon seit Tagen umtreibt. Ein Bericht des US-Mediums Semafor hatte behauptet, ein spanischer Erstligist habe gegen den eigenen Abstieg gewettet, über die Prediction-Market-Plattform Kalshi. iGamingToday.com griff den Fall am Morgen auf und nannte als Klub Osasuna.
Die Tatsachen, soweit sie nun feststehen: Osasuna hat im April 2026 beim britischen Versicherungsmakler Howden eine Abstiegs-Police über 1,2 Millionen Euro Prämie abgeschlossen. Im Schadenfall wären rund 6 Millionen Euro an den Klub geflossen. Soweit nichts Außergewöhnliches. Solche Hedging-Verträge gibt es im europäischen Profifussball seit Jahren, Borussia Dortmund schloss schon 2015 eine Police gegen das Verpassen der Champions League ab.
Heikel wurde es, weil Howden den Risikoanteil weiterreichte. Erst an die auf Sportrisiken spezialisierte Game Point Capital, dann über den Rohstoffhändler Greenlight Commodities auf Kalshi. Dort entstand ein Event-Kontrakt, der dem Volumen der Osasuna-Police entsprach. Genau dieser Kontrakt liest sich technisch wie eine Wette auf den eigenen Abstieg, auch wenn der Klub selbst nie auf Kalshi aktiv war.
Osasuna formuliert das in seiner Stellungnahme deutlich: "Der Klub war ausschliesslich am Abschluss der Deckung mit Howden beteiligt. Was Dritte danach getan haben, war uns nicht bekannt. Wir haben weder gewettet noch an einem Prediction Market teilgenommen noch eine direkte Beziehung zu Kalshi unterhalten." LaLiga selbst beschreibt Abstiegs-Policen seit Jahren als "übliches Instrument" zur Risikoabsicherung.
Will Hall, CEO von Game Point, verteidigt das Modell in Front Office Sports: "Niemand regt sich auf, wenn ein Verein gegen den Meistertitel hedgt. Das ist exakt das gleiche Risikomanagement, nur auf der anderen Seite des Ausgangs." Ein langjähriger Investmentbanker nannte die Police "common sense". Sportlich endete die Sache übrigens knapp: Osasuna verlor das letzte Spiel, blieb aber rechnerisch in der Liga, die Police zahlte nicht aus.
Aus deutscher Sicht ist der Fall in zwei Punkten relevant. Erstens kennt der deutsche Markt solche Klub-Hedges bisher praktisch nicht. Bundesliga-Vereine wie Schalke oder Werder, die zuletzt finanziell wackelten, haben den Weg nach unserer Recherche nie gewählt, weil die DFL den Vorgang als Wette werten könnte. Zweitens spielt Kalshi in Deutschland keine Rolle, die BaFin hat Prediction Markets bisher nicht zugelassen und die GGL stuft sie als Sportwette ohne Lizenz ein.
Wer in Deutschland legal auf Fussball setzt, ist bei den rund 40 GGL-lizenzierten Sportwetten-Anbietern richtig: bwin, Tipico, NEO.bet, Sportingbet, Betano, ODDSET. Diese sind an LUGAS angebunden, halten das 1-Prozent-Limit für Bonus-Bedingungen ein und melden auffällige Wettmuster an die Internationale Betting Integrity Association. Kalshi und vergleichbare Event-Kontrakte fallen aus diesem Schutzsystem komplett heraus.
Mein Fazit aus dem Osasuna-Fall: Versicherung gegen den Abstieg ist legitim, die undurchsichtige Weiterleitung an einen Prediction Market ist es weniger. Die spanische Aufsicht DGOJ prüft den Vorgang nach unseren Informationen seit Mittwoch. Sollte sich herausstellen, dass Klubvertreter wussten, wo die Police landet, könnten die Konsequenzen unter dem spanischen Sportintegritätsgesetz erheblich sein. Wir bei lustich.de bleiben an der Sache dran.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
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