Alle News
Regulierung

US-Prognosemärkte im Visier: Kalshi unter Druck, Milliardengeschäft wächst

11. Juli 20265 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
US-Prognosemärkte im Visier: Kalshi unter Druck, Milliardengeschäft wächst

Die Prognosemärkte in den USA erleben turbulente Zeiten. Eine Niederlage für Kalshi in New York und neue Steuerinitiativen prägen die Branche, die im Juni 2026 ein Handelsvolumen von über 50 Milliarden US-Dollar erreichte.

Die Welt der Prognosemärkte in den Vereinigten Staaten ist in Aufruhr. Eine gerichtliche Niederlage für Kalshi in New York hat weitreichende Folgen. Zugleich treiben neue Steuergesetze und Rekordhandelsvolumina die Branche voran.

Regulierungsbehörden in mehreren Bundesstaaten sehen diese Märkte zunehmend kritisch. Sie argumentieren, dass viele Angebote als Sportwetten einzustufen sind und somit der staatlichen Regulierung unterliegen müssen.

Zahlen und Fakten

Im Juni 2026 erreichten die Prognosemärkte ein Handelsvolumen von über 50 Milliarden US-Dollar. Das zeigen Schätzungen eines Macquarie Equity Research Berichts. Damit liegt das annualisierte Volumen bei über 500 Milliarden US-Dollar. Kalshi dominierte diesen Markt mit etwa 33 Milliarden US-Dollar Handelsvolumen, was rund 65 Prozent des Gesamtvolumens entspricht. Im Mai lag Kalshis Marktanteil noch bei geschätzten 57 Prozent.

Polymarket, ein weiterer großer Akteur, strebt nun die Genehmigung für den Margin-Handel in den USA an. Dies könnte den Sektor für institutionelle Anleger noch attraktiver machen. Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) hat mit Optex Markets eine neue Börse zugelassen. Die Genehmigung erfolgte innerhalb von sechs Monaten, was die schnelle Entwicklung in diesem Segment unterstreicht.

Hintergrund

Die jüngste Entscheidung eines Bundesgerichts in New York, Kalshis Antrag auf eine einstweilige Verfügung abzulehnen, hat Signalwirkung. Richterin Analisa Torres betonte, dass die Regulierung von Glücksspielen historisch in der Zuständigkeit der Bundesstaaten liegt. Diese Entscheidung nehmen nun andere Bundesstaaten wie Connecticut, Illinois, Minnesota, Utah und Wisconsin als Argument in ihren eigenen Klagen gegen Prognosemärkte auf.

Nordkarolina hat bereits einen neuen Steuersatz von 6 Prozent auf den Nettohandelsumsatz von Prognosemarktbetreibern eingeführt. Dies ist bemerkenswert, da der Bundesstaat keine umfassende Lizenzierung oder Regulierung für diese Märkte etabliert hat. Der Gouverneur von Arizona, Katie Hobbs, erließ eine Anordnung, die staatlichen Angestellten Insiderhandel auf Prognosemärkten verbietet. Auch Kalifornien, New York und Illinois haben ähnliche Verbote erlassen. Brian Quintenz, ehemaliger Kandidat für den Vorsitz der CFTC, schloss sich der Coalition for Prediction Markets als Berater an. Diese Koalition setzt sich für die Branche ein.

Ein genauer Blick auf die Branche zeigt jedoch auch Schattenseiten. Eine Analyse des Wall Street Journals aus Mai 2026 zeigt, dass nur wenige Akteure auf Plattformen wie Polymarket und Kalshi wirklich Gewinne erzielen. Meist handelt es sich dabei um professionelle Händler mit datengesteuertem, algorithmischem Handel.

„Ich stand kurz davor, meine Miete nicht mehr zahlen zu können, aber ich habe durch Kalshis Vorhersagen zwei Jahre Miete bekommen.“ - Zitat einer Frau in einer Kalshi-Werbung auf TikTok

Diese Aussage, so das Wall Street Journal, spiegele nicht die Realität der meisten Nutzer wider. John Pederson, ein ehemaliger Koch, verlor beispielsweise 41.000 US-Dollar auf Kalshi. Er hatte zuvor 2.000 US-Dollar in 41.000 US-Dollar gewandelt, verlor aber alles bei einer gewagten Wette. Die Aufsichtsbehörden in Maryland, Nevada und New Jersey haben Kalshi bereits aufgefordert, den Betrieb einzustellen. Sie sehen die Event-Kontrakte der Plattform als nicht lizenzierte Sportwetten an. Auch Massachusetts hat im September 2025 Kalshi wegen „illegaler und unsicherer Sportwetten“ verklagt. Die Staatsanwältin Andrea Campbell argumentiert, dass Kalshis Angebote keinen Unterschied zu einem Sportwettenanbieter darstellen, welcher staatlich lizenziert, besteuert und reguliert sein müsste. Kalshi selbst argumentiert, dass es sich um einen „fair, transparent, federally-regulated, and nationwide marketplace“ handelt.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler haben diese Entwicklungen in den USA keine direkte Auswirkung auf Angebote unter der deutschen Glücksspielregulierung. In Deutschland verbietet der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) Prognosemärkte, wie sie in den USA existieren, weitgehend. Die Glücksspielbehörde der Länder (GGL) lizenziert in Deutschland nur Online-Slots, Online-Poker und Sportwetten. Plattformen, die solche "prediction markets" anbieten, sind hierzulande nicht erlaubt. Spieler sollten daher ausschließlich auf Angebote von Anbietern setzen, die auf der Whitelist der GGL stehen. Diese Casinos garantieren die Einhaltung strenger Auflagen, wie das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an Slotmaschinen und ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro. Zudem sind sie an das zentrale Spielersperrsystem LUGAS angeschlossen. Deutsche Spieler sind somit vor unregulierten Angeboten und den damit verbundenen Risiken geschützt. Die harten Auseinandersetzungen in den USA zeigen, wie wichtig eine klare Regulierung zum Schutz der Verbraucher ist.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Betreiber von GGL-lizenzierten Casinos in Deutschland bedeutet dies zunächst eine Bestätigung des eingeschlagenen Weges. Der deutsche Glücksspielstaatsvertrag, der am 1. Juli 2021 in Kraft trat, hat klare Grenzen für Online-Glücksspielangebote gezogen. Er verbietet explizit solche grauen Bereiche wie unregulierte Prognosemärkte. GGL-Casinos müssen sich an strikte Regeln halten, was den Spielerschutz anbelangt. Dazu gehören unter anderem technische Maßnahmen zur Überprüfung der Identität und des Alters der Spieler, die Anbindung an die zentrale LUGAS-Datenbank zur Überwachung der Einzahlungslimits und zum Ausschluss gesperrter Spieler. Auch die Gestaltung der Spiele schützt vor übermäßiger Anreize. Die Entwicklungen in den USA, wo die mangelnde Abgrenzung zwischen Finanzprodukt und Glücksspielmarkt zu rechtlichen Problemen führt, unterstreichen die Notwendigkeit dieser klaren Regulierung. Deutsche Anbieter agieren in einem rechtssicheren Rahmen, der Konsumenten schützt und gleichzeitig ein legales Glücksspielangebot ermöglicht.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

Verwandte Themen