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Spielerschutz

Pennsylvania weitet Spielerschutz aus: Rekordeinnahmen finanzieren Suchthilfe

26. August 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Pennsylvania weitet Spielerschutz aus: Rekordeinnahmen finanzieren SuchthilfeKI-GENERIERT

Bei monatlichen Online-Einsätzen von fast 600 Millionen Dollar erhöht Pennsylvania die Mittel für die Hotline 1-800-GAMBLER und führt neue Unterstützungsdienste ein.

In den Vereinigten Staaten zeigt sich derzeit ein bemerkenswertes Paradoxon der Glücksspielregulierung. Pennsylvania verzeichnet historische Höchststände bei den Einnahmen aus dem Glücksspiel, sieht sich jedoch gleichzeitig mit einer Flut an Hilfesuchenden konfrontiert. Die staatliche Hotline für spielsüchtige Bürger wird so stark frequentiert wie nie zuvor. Als Reaktion darauf hat das Department of Drug and Alcohol Programs (DDAP) eine signifikante Erweiterung der Hilfsangebote angekündigt, die weit über die klassische therapeutische Beratung hinausgehen. Das Ziel ist eine umfassende Unterstützung, die den Betroffenen hilft, ihr Leben nach dem finanziellen und sozialen Absturz neu zu ordnen.

Die Realität der Betroffenen ist oft erschütternd. David Yeager, ein Anwohner aus Reading, verlor durch seine Sucht seine militärische Karriere, seine Ehe und den Kontakt zu seinen Kindern. Er berichtet, dass sein Weg in die Abhängigkeit ironischerweise mit einem Gewinn begann, der alle Ängste kurzzeitig wegwusch. Solche Geschichten verdeutlichen, dass Glücksspielprävention mehr als nur Aufklärung erfordert. Die neuen Maßnahmen des Staates sollen sicherstellen, dass Menschen wie Yeager schneller aufgefangen werden, bevor sie in die Obdachlosigkeit abrutschen. Die Behörden setzen dabei auf ein integriertes System, das soziale Dienste mit medizinischer Hilfe verknüpft.

Zahlen und Fakten

Die wirtschaftliche Dimension des Glücksspiels in Pennsylvania ist gigantisch. Monatlich werden fast 600 Millionen Dollar bei Online-Anbietern und in landbasierten Casinos gewettet. Hinzu kommt eine weitere halbe Milliarde Dollar, die Monat für Monat in die staatliche Lotterie fließt. Seit der Einführung des Online-Glücksspiels im Jahr 2019 haben sich die Anrufe bei der Hotline 1-800-GAMBLER mehr als verdoppelt. Waren es im Jahr 2019 noch 1.134 Anrufe, stieg die Zahl bis 2022 auf 2.621 an. Aktuell verzeichnet der Council on Compulsive Gambling rund 250 Anrufe pro Monat.

Besonders besorgniserregend ist die Verschiebung der Demografie. Früher lag der Schwerpunkt der Hilfesuchenden in der Altersgruppe zwischen 35 und 55 Jahren. Heute suchen vermehrt junge Menschen im Alter von 25 bis 34 Jahren Hilfe. Laut einer aktuellen Umfrage gibt ein Drittel der Online-Spieler in Pennsylvania an, dass ihr Spielverhalten problematisch sei. Josh Ercole, Geschäftsführer des Council on Compulsive Gambling, macht dafür die ständige Verfügbarkeit von Sportwetten und Online-Casinos sowie den unregulierten Markt für sogenannte Skill Games verantwortlich.

Hintergrund

Die Ausweitung der Dienste umfasst nun auch praktisches Fallmanagement. Dr. Latika Davis-Jones, Sekretärin des DDAP, betont die Wichtigkeit dieses Schrittes. Betroffene erhalten Unterstützung bei der Organisation von Transportmitteln zur Therapie, Zugang zu Lebensmitteln und Hilfe bei der Wohnungssuche. Es geht darum, die Hürden für den ersten Schritt aus der Sucht so gering wie möglich zu halten. Das Pennsylvania Gaming Control Board (PGCB) hat zudem die neue Webseite ResponsiblePlay.pa.gov gestartet, um Informationen über Warnzeichen und Behandlungsmöglichkeiten zentral zugänglich zu machen.

„Der erste Schritt mag unmöglich erscheinen, aber um Hilfe zu bitten ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Akt des Mutes. Und unser System muss bereit sein, mit Mitgefühl und praktischer Unterstützung zu reagieren." - Dr. Latika Davis-Jones, Sekretärin des Pennsylvania Department of Drug and Alcohol Services Programs

Elizabeth Lanza vom PGCB ergänzt, dass Glücksspielsucht zwar real sei, aber eben auch verhinderbar und behandelbar. Der Staat nutzt hierfür den Compulsive and Problem Gambling Treatment Fund, der durch die Einnahmen aus dem 2017 verabschiedeten Act 42 gespeist wird. Dieser Fonds stellt sicher, dass ein Teil der Gewinne direkt in den Schutz der Bürger zurückfließt.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für Spieler in Deutschland ist die Situation in Pennsylvania ein wichtiges Anschauungsbeispiel für die Risiken einer Marktausweitung. In Deutschland ist das Glücksspiel seit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) streng reguliert. Das zentrale System LUGAS überwacht die Einhaltung des anbieterübergreifenden Einzahlungslimits von 1.000 Euro pro Monat. Zudem gilt ein Einsatzlimit von einem Euro pro Spielrunde an virtuellen Automaten. Diese Maßnahmen sollen verhindern, dass Spieler innerhalb kürzester Zeit existenzbedrohende Summen verlieren, wie es in den USA oft der Fall ist.

In Deutschland ist die Früherkennung durch das OASIS-Sperrsystem verpflichtend. Wer in Pennsylvania Hilfe sucht, muss oft selbst aktiv werden oder auf die Hotline 1-800-GAMBLER setzen. Das deutsche Modell ist präventiver ausgerichtet, indem es das Spielverhalten technisch begrenzt. Dennoch zeigen die Daten aus den USA, dass insbesondere die junge Zielgruppe durch die ständige Verfügbarkeit auf dem Smartphone gefährdet ist. Deutsche Spieler sollten daher nur Angebote nutzen, die auf der offiziellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen, um von diesen Schutzmechanismen zu profitieren.

Was das für GGL-Casinos heißt

Casinos mit einer Lizenz der GGL müssen strenge Anforderungen an den Spielerschutz erfüllen. Dazu gehört die Bereitstellung von Panik-Buttons für eine sofortige 24-Stunden-Sperre und die Anbindung an die Sperrdatei. Die Entwicklungen in Pennsylvania verdeutlichen, dass eine bloße Hotline nicht ausreicht. Deutsche Anbieter sind verpflichtet, Sozialkonzepte umzusetzen und ihr Personal im Erkennen von problematischem Spielverhalten zu schulen. Da in Pennsylvania die Zahl der Hilfesuchenden mit der Einführung von Online-Glücksspiel sprunghaft anstieg, ist die GGL in Deutschland besonders wachsam bei der Genehmigung neuer Spielformen und Werbemaßnahmen.

Häufige Fragen

Wie viele Menschen suchen in Pennsylvania Hilfe wegen Spielsucht?

Die Zahl der Anrufe bei der staatlichen Hotline hat sich seit 2019 mehr als verdoppelt und erreichte im Jahr 2022 einen Wert von 2.621 Kontaktaufnahmen. Aktuell verzeichnet der Council on Compulsive Gambling monatlich etwa 250 Anrufe von Betroffenen.

Welche neuen Hilfsangebote gibt es in Pennsylvania?

Neben der klassischen Therapie bietet der Staat nun Fallmanagement an, das Hilfe bei der Wohnungssuche, dem Transport zur Behandlung und dem Zugang zu Lebensmitteln umfasst. Zudem wurde mit ResponsiblePlay.pa.gov eine neue Informationsplattform für Betroffene und Angehörige gestartet.

Wer ist besonders von Spielsucht durch Online-Angebote betroffen?

Die Demografie der Hilfesuchenden hat sich deutlich verjüngt; besonders die Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen ist heute stark vertreten. Laut Umfragen empfindet etwa ein Drittel der Online-Spieler in Pennsylvania das eigene Spielverhalten als problematisch.

Wie wird die Suchthilfe in Pennsylvania finanziert?

Die Mittel stammen aus den Steuereinnahmen des Glücksspiels, die durch Gesetze wie den Act 42 in einen speziellen Fonds für die Behandlung von Spielsucht fließen. Monatlich werden in Pennsylvania fast 600 Millionen Dollar online und in Casinos sowie 500 Millionen Dollar bei der Lotterie umgesetzt.

Welche Unterschiede gibt es beim Spielerschutz zu Deutschland?

In Deutschland verhindert das LUGAS-System durch ein monatliches 1.000-Euro-Limit und 1-Euro-Einsatzlimits pro Spin hohe Verluste bereits im Vorfeld. Spieler in Deutschland sind zudem durch die zentrale Sperrdatei OASIS geschützt, was in dieser Form in den USA nicht flächendeckend existiert.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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