Australien: 75.000 Dollar Strafe für Keno-Anbieter nach Selbstsperren-Fehler

Die Behörden in Victoria belegen Keno Vic mit einer Geldstrafe von 75.000 AU$, weil ein gesperrter Spieler trotz aktiver Selbstsperre über ein Zweitkonto wetten konnte.
Im australischen Bundesstaat Victoria greifen die Glücksspielwächter hart durch. Ein klares Signal sendet die Verpflichtung zur Einhaltung von Spielerschutzmaßnahmen, die nun den Keno-Anbieter Keno Vic teuer zu stehen kommt. Inmitten einer verschärften Regulierungswelle in Ozeanien zeigt dieser Fall, dass technische Hürden oder geschickte Umgehungsversuche der Kunden die Betreiber nicht von ihrer Verantwortung entbinden. Es geht dabei um weit mehr als nur ein verpasstes Identitätsprüfungsverfahren. Es geht um das Vertrauen in ein System, das Menschen vor sich selbst schützen soll.
Der Vorfall begann bereits im April 2024, als sich ein Kunde bei Keno Vic für eine Selbstsperre entschied. Eigentlich sollte damit jeder Zugriff auf das Glücksspielangebot dieses Anbieters unterbunden sein. Doch nur fünf Monate später versuchte die Person, ein neues Konto zu eröffnen. Obwohl die automatischen Systeme zur Identitätsprüfung zunächst ansprangen und den Spieler in eine Phase des eingeschränkten Spielens versetzten, gelang es dem Nutzer, Einzahlungen vorzunehmen und Wetten zu platzieren. Erst bei dem Versuch, Gewinne abzuheben, bemerkten die Mitarbeiter die Namensgleichheit beim manuellen Abgleich. Zu diesem Zeitpunkt war der Schaden jedoch bereits angerichtet.
Zahlen und Fakten
Die Victorian Gambling and Casino Control Commission (VGCCC) setzte die Strafe auf genau 75.000 AU$ fest. In der Urteilsbegründung wurde deutlich, dass die Schwere des Verstoßes durch das Versagen der internen Kontrollmechanismen begründet ist. Keno Vic wird vorgeworfen, dass die Systeme nicht in der Lage waren, ähnliche Namen oder Duplikate während der kritischen Phase des „Restricted Play“ zu erkennen. Dies ist besonders brisant, da der Spieler genau in jener Zeit Geld einzahlte und verspielte, in der er eigentlich hätte blockiert sein müssen. Die VGCCC betont, dass die Strafe sowohl die mildernden Umstände als auch die Notwendigkeit zur Abschreckung widerspiegelt.
„Obwohl wir anerkennen, dass der Kunde versucht hat, den Verifizierungsprozess zu umgehen, liegt die Verantwortung beim Hauptlizenznehmer Keno Vic, Systeme bereitzuhalten, die selbstgesperrte Personen identifizieren oder markieren können und sicherstellen, dass sie während einer eingeschränkten Spielphase nicht spielen können.“ - Suzy Neilan, CEO der VGCCC
Dieser Fall ist nicht die einzige Millionen- oder Tausenderstrafe, die den australischen Markt derzeit erschüttert. Im Mai 2026 musste Entain einer umfassenden Überprüfung zustimmen, nachdem die Behörde ACMA über 500 Verstöße bei den Marken Ladbrokes und Neds feststellte. Auch Unibet wurde im vergangenen Jahr mit einer Rekordstrafe von einer Million Dollar belegt, weil über 900 Konten nicht geschlossen wurden, obwohl die Nutzer im nationalen Register BetStop eingetragen waren.
Hintergrund
Die australische Glücksspielregulierung befindet sich in einer tiefgreifenden Transformation. Das nationale Register BetStop spielt dabei eine zentrale Rolle, ähnlich wie das deutsche Sperrsystem OASIS. Die Aufsichtsbehörden fordern von den Unternehmen proaktives Handeln statt passiver Verwaltung. Keno Vic ist ein großer Akteur in Victoria, doch die VGCCC macht keine Ausnahmen. Das Unternehmen versäumte es, eine Übereinstimmung in der Datenbank zu finden, obwohl der Name des Spielers bereits seit April 2024 hinterlegt war. Das Problem der „Zweitkonten“ ist in der Branche bekannt, aber laut der Behörde technisch lösbar, sofern die Algorithmen für den Identitätsabgleich scharf genug eingestellt sind.
Die jüngsten Strafen gegen Tabcorp von 2,7 Millionen AU$ wegen Spam-Verstößen oder die drohende 21-Millionen-Strafe gegen SkyCity Adelaide zeigen, dass der Wind für die Betreiber rauer wird. Es geht nicht mehr nur um grobe Fahrlässigkeit, sondern um die Präzision der technischen Umsetzung von Schutzgesetzen. Wer hier spart, zahlt am Ende bei den Bußgeldern drauf.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler ist die Situation in Australien eine Bestätigung für die strengen Regeln des Glücksspielstaatsvertrags 2021 (GlüStV 2021). Hierzulande ist die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) für die Überwachung zuständig. Ein solcher Vorfall wie bei Keno Vic wäre in Deutschland durch die Vernetzung mit dem OASIS-Sperrsystem und die strikte Prüfung über LUGAS (Länderübergreifendes Glücksspielaufsichtssystem) theoretisch viel schwieriger. Deutsche Anbieter mit GGL-Lizenz müssen jeden Spieler vor dem ersten Spin gegen OASIS abgleichen. Wer gesperrt ist, kommt gar nicht erst zum Einzahlungsbildschirm.
Zudem gilt in Deutschland das strikte Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über alle Anbieter hinweg, was durch LUGAS kontrolliert wird. Auch das Einsatzlimit von einem Euro pro Spielrunde bei virtuellen Automaten dient dem Schutz. Ein „Zweitkonto“ unter falschem Namen aufzumachen, wird durch die Schufa-Identitätsprüfung und die Pflicht zur Verifizierung innerhalb von 72 Stunden extrem erschwert. Wer als deutscher Spieler Schutz sucht, sollte ausschließlich in Casinos der GGL-Whitelist spielen.
Was das für GGL-Casinos heißt
Deutsche Casinos unter GGL-Aufsicht müssen aus dem Fall in Victoria lernen, dass Ausreden über „clevere Kunden“ bei der Aufsicht nicht zählen. Die technische Infrastruktur muss so solide sein, dass auch manuelle Fehler bei der Verifizierung ausgeschlossen werden. Wer in Deutschland lizenziert ist, hat eine Garantenstellung für die Sicherheit seiner Kunden. Das bedeutet: Namensähnlichkeiten und doppelte Geburtsdaten müssen sofort einen Alarm im System auslösen. Vergleiche mit MGA- oder Curacao-Casinos zeigen oft, dass dort solche Kontrollen lückenhaft sind, was das Risiko für Spieler massiv erhöht. Die GGL wird bei ähnlichen Verstößen in Deutschland voraussichtlich noch deutlich empfindlichere Bußgelder verhängen oder im Extremfall die Lizenz entziehen.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
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