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Glücksspiel-Steuer soll Pubs retten: Andy Burnhams harter Kurs gegen Spielhallen

24. Juli 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Glücksspiel-Steuer soll Pubs retten: Andy Burnhams harter Kurs gegen Spielhallen

Großbritanniens Premier plant höhere Abgaben für Adult Gaming Centers (AGCs), um 32.000 kleine Betriebe wie Pubs und Clubs mit 100 Millionen Pfund zu entlasten.

In Großbritannien braut sich für Betreiber von Spielhallen, die sogenannten Adult Gaming Centers (AGCs), ein politischer Sturm zusammen. Der neue Premierminister Andy Burnham hat unter dem Motto - Burnham means business - signalisiert, dass die Ära der niedrigen Gewerbesteuersätze für stationäre Glücksspielangebote auf englischen Einkaufsstraßen bald vorbei sein könnte. Burnham plant eine radikale Umverteilung. Firmen, die nach Ansicht der Regierung einen negativen Einfluss auf die Gesellschaft haben, sollen stärker zur Kasse gebeten werden. Mit diesen Mehreinnahmen will der Staat die traditionelle britische Pub-Kultur und lokale Musikstätten stützen, die seit Jahren unter massivem wirtschaftlichem Druck stehen.

Die Logik hinter diesem Vorstoß ist so simpel wie umstritten: Steuererleichterungen für das soziale Gute, finanziert durch höhere Lasten für das soziale Übel. Neben E-Zigaretten-Shops stehen vor allem die AGCs ganz oben auf der Liste der Sündenböcke. Diese Spielstätten, die oft rund um die Uhr geöffnet sind, werden von der Labour-Regierung zunehmend als Belastung für das Gemeindeleben wahrgenommen. Während Buchmacher bei früheren Steuererhöhungen noch verschont blieben, deutet nun alles darauf hin, dass die Schonfrist abläuft. Burnham möchte ein System schaffen, das Anreize für Unternehmen bietet, die der Gemeinschaft nützen, und gleichzeitig jene bestraft, die sozialen Schaden anrichten.

Zahlen und Fakten

Die Dimensionen der geplanten Umverteilung sind beachtlich. Die Labour-Regierung geht davon aus, dass durch die Neugestaltung der Gewerbesteuern ein Unterstützungspaket von insgesamt 100 Millionen Pfund geschnürt werden kann. Dieses Geld soll direkt rund 32.000 kleinen und unabhängigen Unternehmen zugutekommen. Geplant ist eine Senkung der Gewerbesteuer um 20 Prozent für Betriebe, die das Rückgrat der lokalen Einkaufsstraßen bilden. Dazu zählen klassische Pubs, Clubs und Veranstaltungsorte für Live-Musik. Die Notwendigkeit für diesen Schritt belegen Zahlen der British Beer & Pub Association (BBPA). Demnach mussten allein im ersten Quartal 2026 in Großbritannien 161 Pubs dauerhaft schließen. Das entspricht fast zwei Schließungen pro Tag.

Ab April 2027 sollen die neuen Sätze greifen. Schon jetzt gibt es für Branchen wie den Einzelhandel, das Gastgewerbe und die Freizeitwirtschaft (RHL) Rabatte von 15 Prozent auf direkte Rechnungen für Geschäftsausgaben. Buchmacher und AGCs blieben von diesen Vergünstigungen jedoch bereits im April 2026 ausgeschlossen. Nun droht ihnen eine zusätzliche Verteuerung ihrer Standorte. Andy Burnham unterstrich seine Haltung in einem Mediengespräch deutlich:

„Man kann nicht alle Unternehmen gleich behandeln. Manche tun den Gemeinschaften wirklich gut. Andere Unternehmen können sozialen Schaden anrichten. Spielhallen für Erwachsene in den Einkaufsstraßen können den Gemeinden oft wirklichen Schaden zufügen. Man sieht die E-Zigaretten-Läden, die nicht viel zum Gemeinschaftsleben beitragen und andere Probleme verursachen.“ - Andy Burnham, Premierminister des Vereinigten Königreichs

Hintergrund

Kritik an den Spielhallen gibt es in England schon lange. Der Think-Tank Social Market Foundation (SMF) warnt immer wieder davor, dass diese Betriebe Kriminalität und unsoziales Verhalten anziehen könnten. In einem Bericht aus dem Jahr 2025 wurde am Beispiel des Londoner Stadtteils Brent aufgezeigt, dass Anwohner den AGCs skeptisch gegenüberstehen. Besonders die Nähe zu finanziell benachteiligten Gebieten und die 24-Stunden-Öffnungszeiten werden als Gefahr für spielsüchtige Menschen gesehen. Eine Untersuchung der BBC verschärfte die Lage zusätzlich, als ein Undercover-Reporter trotz Selbstsperre mehrere Spielhallen betreten konnte. Damals reagierte Andrew Rhodes, der Chef der Gambling Commission, mit scharfer Kritik.

In der Branche regt sich Widerstand gegen die Pauschalisierung. Greg Knight, der Chef des Buchmachers JenningsBet, wehrt sich dagegen, Wettshops mit AGCs in einen Topf zu werfen. Er argumentiert, dass Wettbüros durch Sitzgelegenheiten soziale Interaktion fördern und direkt den Pferdesport sowie Hunderennen unterstützen. AGCs würden dies nicht tun. Dennoch ist der Trend klar: Seit April 2026 stieg die Steuer auf Online-Glücksspiel (Remote Gaming Duty) bereits von 25 auf 40 Prozent. Die allgemeine Wettsteuer (General Betting Duty) soll ab April nächsten Jahres von 15 auf 25 Prozent steigen. Nun folgt der Angriff auf die stationären Standorte über die Grundsteuer.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler, die im Urlaub in England gerne mal eine Wette platzieren oder eine Spielhalle besuchen, könnte das Angebot spürbar schrumpfen. Wenn die Betriebskosten durch die Gewerbesteuer massiv steigen, werden viele Standorte in weniger profitablen Lagen schließen müssen. Doch der Blick auf England ist auch eine Warnung für den heimischen Markt. In Deutschland ist die Regulierung durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) bereits extrem streng. Während in England erst jetzt über 24-Stunden-Öffnungen und Standortdichte gestritten wird, gelten hierzulande bereits harte Regeln wie das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über das LUGAS-System.

Preiserhöhungen oder schlechtere Quoten sind oft die Folge hoher Steuerlasten. Wer in Deutschland spielt, ist durch das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten bereits eingeschränkt. Wenn der Staat den Druck auf die Betreiber erhöht, sinkt oft die Attraktivität der legalen Angebote. Das könnte Spieler in die Arme illegaler Anbieter treiben, die keine Steuern zahlen. Die deutsche Politik beobachtet solche Entwicklungen im Ausland genau. Eine Zweckbindung von Glücksspielsteuern für soziale Zwecke, wie sie Burnham plant, gibt es in Deutschland in dieser Form zwar nicht direkt für Pubs, aber Abgaben fließen oft in die Suchtprävention oder den Breitensport.

Was das für GGL-Casinos heißt

Casinos mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen bereits unter einer hohen steuerlichen und regulatorischen Belastung. Die Entwicklungen in England zeigen, dass Glücksspiel weltweit als ideale Melkkuh für klaffende Haushaltslöcher gesehen wird. Für deutsche Anbieter bedeutet das vor allem eins: Sie müssen ihre soziale Verantwortung noch stärker in den Vordergrund stellen, um nicht wie die englischen AGCs als rein schädlich abgestempelt zu werden. Die GGL-Whitelist stellt sicher, dass Anbieter hohe Standards beim Spielerschutz und der IT-Sicherheit einhalten. Nur wer sich streng an LUGAS und OASIS hält, kann in diesem Umfeld langfristig überleben. Wer gegen den Wind der Regulierung segelt, riskiert nicht nur seine Lizenz, sondern wird zum Ziel für Populisten, die die Branche für die Rettung anderer Wirtschaftszweige opfern wollen.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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