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Südkorea nimmt Prognosemärkte ins Visier: Polymarket drohen Konsequenzen

8. Juli 20265 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Südkorea nimmt Prognosemärkte ins Visier: Polymarket drohen Konsequenzen

Die südkoreanische Regulierungsbehörde KCSC prüft Polymarket wegen angeblicher illegaler Glücksspielverstöße. Es geht um Milliardeneinsätze, die über staatlich erlaubte Wetten hinausgehen.

Die südkoreanische Kommunikationsaufsichtsbehörde hat eine Untersuchung gegen die Plattform Polymarket eingeleitet. Sie prüft, ob der Prognosemarkt gegen geltendes Glücksspielrecht verstößt. Polymarket erhält nun die Gelegenheit zur Stellungnahme, bevor die Korea Communications Standards Commission (KCSC) über mögliche Korrekturmaßnahmen entscheidet.

Dieser Fall reiht Südkorea in eine wachsende Liste von Jurisdiktionen ein, welche die Plattform Polymarket unter die Lupe nehmen. Bereits im letzten Monat startete eine separate polizeiliche Untersuchung gegen lokale Nutzer der Plattform.

Zahlen und Fakten

Südkoreanisches Gesetz erlaubt Glücksspiel ausschließlich über Sports Toto. Dies ist ein staatlich betriebenes Sportwettprodukt der Korea Sports Promotion Foundation (KSPO). Der Höchsteinsatz pro Wette ist auf 100.000 Won festgeschrieben. Das sind umgerechnet etwa 69 Euro oder 49,07 britische Pfund.

Berichte sprechen von Wetteinsätzen in Höhe von Hunderten Milliarden Won, die bei der Wahl am 3. Juni über Polymarket platziert wurden. Solche Summen sprengen den offiziellen Rahmen des staatlich regulierten Angebots erheblich. Nutzern, die an nicht autorisierten Wettmärkten teilnehmen, drohen empfindliche Geldstrafen bis zu 10 Millionen Won, umgerechnet etwa 6.900 Euro.

Die KCSC hat sich bewusst gegen ein sofortiges Vorgehen entschieden. Stattdessen möchte die Behörde die Erklärung von Polymarket abwarten. Sie will verstehen, wie der Dienst arbeitet und ob das Geschäftsmodell mit den lokalen Gesetzen vereinbar ist.

„Wir haben beschlossen, dem Unternehmen die Möglichkeit zu geben, seine Position darzulegen, um die Rechtmäßigkeit von Polymarket und seiner Servicebetriebsmethoden gründlich zu prüfen. Wir planen, eine endgültige Entscheidung über die Verhängung einer Korrekturmaßnahme zu treffen, nachdem wir die eingereichten Stellungnahmen und zugehörigen Materialien umfassend geprüft haben.“ - Korea Communications Standards Commission

Parallel zur Prüfung durch die KCSC läuft eine Polizeiaufklärung in der Provinz Gangwon. Diese wurde letzten Monat von der dortigen Polizei auf Antrag der südkoreanischen Nationalpolizei eingeleitet. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf die Nutzer der Plattform im Land. Die KCSC befasst sich unterdessen mit der Frage, ob die Plattform selbst Korrekturmaßnahmen unterliegen sollte.

Der Kern des Disputs ist die Einstufung von Polymarket. Südkoreanische Behörden sehen die Plattform als illegalen Glücksspielbetreiber. Polymarket selbst versteht sich nicht als Glücksspielunternehmen. Das Unternehmen betreibt ein Angebot, das die Behörden als Prognosemärkte bezeichnen. Dabei können Nutzer auf Ereignisse wetten.

Hintergrund

Südkorea ist nicht das erste Land, das Schritte gegen Polymarket unternimmt. Auch andere Länder wie Frankreich, Deutschland, Italien, Brasilien und Australien haben bereits Maßnahmen ergriffen. In den Vereinigten Staaten gibt es ebenfalls regulatorische Konflikte. Dort haben mehrere staatliche Behörden Unterlassungsanordnungen erlassen. Dies geschieht, obwohl die Commodity Futures Trading Commission darauf besteht, dass Prognoseplattformen in ihren Zuständigkeitsbereich fallen. Minnesota wurde kürzlich zum ersten US-Bundesstaat, der Prognosemärkte explizit per Gesetz verboten hat.

Die südkoreanischen Gesetze sind streng. Das National Gambling Control Commission Act und das Strafgesetz sehen Sanktionen vor. Der Betrieb eines Glücksspielgeschäfts zum Zwecke des Gewinns kann zu Haftstrafen und hohen Bußgeldern führen. Eine Beschwerde gegen die Plattform soll diese Untersuchung initiiert haben. Die Behörden prüfen auch, ob der koreanischsprachige Support und die lokale Zugänglichkeit der Plattform diese in den Geltungsbereich nationaler Durchsetzungsmaßnahmen rücken könnten. Dies könnte zu einem formellen Verbot führen.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler ist die Situation in Südkorea ein weiteres Beispiel für die Komplexität der Glücksspielregulierung weltweit. In Deutschland regelt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) den Online-Glücksspielmarkt. Dieser Vertrag hat klare Regeln für Anbieter und Spieler geschaffen.

Nur Online-Casinos, die von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) lizenziert sind, dürfen in Deutschland legal Glücksspiel anbieten. Sie stehen auf der sogenannten GGL-Whitelist. Alle anderen Angebote, ob aus Malta (MGA), Curacao oder von wo auch immer, sind in Deutschland illegal.

Der GlüStV 2021 schützt Spieler mit strengen Maßnahmen. Dazu gehören ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an Spielautomaten und ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro. Wer mehr einzahlen möchte, kann dies unter bestimmten Voraussetzungen und unter Kontrolle von LUGAS, dem Länderübergreifenden Glücksspielaufsichtssystem, tun. Dieses System überwacht Spielerkonten und sorgt für die Einhaltung der Regeln. Es schließt auch paralleles Spielen in mehreren lizenzierten Casinos aus.

Was das für GGL-Casinos heißt

Die strenge Regulierung in Südkorea, wie sie jetzt gegen Polymarket anläuft, unterstreicht die Notwendigkeit für Anbieter, sich an lokale Gesetze zu halten. Illegales Glücksspiel wird international immer härter bekämpft. Für GGL-lizenzierte Casinos bedeutet dies eine Bestätigung ihres Geschäftsmodells. Sie operieren in einem klaren, regulierten Rahmen.

Deutsche Spieler, die in GGL-lizenzierten Casinos spielen, profitieren von einem hohen Maß an Spielerschutz und Rechtssicherheit. Es gibt keine Grauzonen oder ungeklärten Rechtsfragen wie im Fall Polymarket. Die Transparenz und die strengen Auflagen der GGL sorgen für Fairness und Sicherheit. Dies ist ein entscheidender Vorteil gegenüber unregulierten Angeboten.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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