Israelischer Casino-Unternehmer Tony Bargig mutmaßlich in Prag getötet

Der als „König der Spielautomaten” bekannte 54-jährige Tony Bargig wurde Anfang Juni in Prag mutmaßlich getötet. Tschechische Behörden ermitteln, ein Motiv ist bislang unklar.
Der israelische Geschäftsmann Tony Bargig, in den heimischen Medien jahrelang als „König der Spielautomaten” tituliert, ist am frühen Donnerstagmorgen in Prag mutmaßlich getötet worden. Bargig wurde 54 Jahre alt. Die tschechische Polizei hat bislang weder einen detaillierten Tathergang noch mögliche Verdächtige oder ein Motiv öffentlich gemacht. Die spärliche Informationslage befeuert seitdem in Israel wie auch in Tschechien Spekulationen — offiziell bestätigt ist bisher allerdings nichts.
Die Nachricht verbreitete sich binnen Stunden in Israel, insbesondere in der zentralen Region, in der Bargig und seine Familie über Jahrzehnte bekannt waren. Beobachter zogen umgehend Parallelen zur Tötung des israelischen Unterweltbosses Felix Abutbul, der 2002 ebenfalls in Prag erschossen worden war. Eine Verbindung zur organisierten Kriminalität ist im aktuellen Fall jedoch nicht belegt — und die Behörden in Prag wie in Tel Aviv halten sich mit Bewertungen bislang zurück.
Tony Bargig entstammte einer in Israel weit über die Glücksspielbranche hinaus bekannten Familie. Sein Vater Nino Bargig war ein angesehener Fußballtrainer, der u. a. Hapoel Rishon LeZion, Hapoel Be'er Sheva, Hapoel Jerusalem und Maccabi Sha'arayim coachte. Nach Ninos Tod 2023 benannte die Stadt Be'er Yaakov einen Fußballplatz nach ihm. Während der Vater also Sport-Geschichte schrieb, baute sich der Sohn ein deutlich umstritteneres Standbein im Glücksspielsektor auf.
Bargig stand jahrelang im Zentrum eines der größten israelischen Verfahren wegen illegalen Glücksspiels. Laut Anklage hatte er zwischen 2008 und 2014 ein Netzwerk von rund 15 illegalen Spielhallen in Städten wie Rishon LeZion, Be'er Yaakov und Mishmar Hashiv'a betrieben — mit dutzenden Slot-Maschinen pro Standort. In dem Mammutverfahren mit hunderten Zeugen einigte er sich 2020 schließlich auf einen Deal: 15 Monate Haft, eine Million Schekel Vermögensabschöpfung und 350.000 Schekel Geldstrafe.
Damit war der juristische Stress jedoch nicht vorbei. Die israelische Steuerbehörde wertete in den Folgejahren beschlagnahmte Notizbücher, Kontobewegungen und Bargeldbelege aus den Razzien aus und schätzte die tatsächlichen Glücksspielumsätze auf zweistellige Millionenbeträge in Schekel. Bargig widersprach und fechtete die Bescheide bis zuletzt an. Parallel sorgte seine Ehefrau Nurit Bargig, eine aktive Polizeibeamtin, für eine interne Debatte: Wie konnte sie weiter im Dienst bleiben, während ihr Ehemann selbst Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen war? Versetzungen und blockierte Beförderungen begleiteten ihre Karriere.
In den letzten Jahren verlagerte Tony Bargig sein Geschäft offenbar zunehmend nach Prag. Die tschechische Hauptstadt ist seit Jahrzehnten ein Hotspot für ausländische Investoren in Hotellerie und Glücksspiel. Bargig soll dort eigene Casino- und Spielautomaten-Betriebe geführt haben. Ob diese Geschäftstätigkeit oder die Vergangenheit in Israel mit seinem mutmaßlichen Tod in Verbindung steht, ist bislang vollkommen offen. Die tschechische Polizei hält sich mit Details auffallend zurück.
Für den deutschen Markt ist der Fall nur indirekt relevant — Bargig war hier weder als Lizenznehmer noch als operativer Anbieter aktiv. Er steht jedoch sinnbildlich für ein Milieu, das im deutschen System der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) bewusst durch strenge Lizenzauflagen, Inhaberprüfungen und das LUGAS-Limit ausgeschlossen werden soll. Der GlüStV 2021 fordert von jedem deutschen Online-Casino-Lizenznehmer einen lückenlosen Inhaber- und Geldwäsche-Check. Ein Vorstrafenregister wie das von Bargig hätte in Deutschland bereits den Lizenzantrag scheitern lassen.
Gerade deshalb empfiehlt unsere Redaktion deutschen Spielerinnen und Spielern ausschließlich Anbieter aus der offiziellen GGL-Whitelist. Wer auf Plattformen mit Sitz in Drittstaaten ohne EU-Aufsicht oder gar mit Curaçao-Lizenz spielt, hat im Streitfall keine deutsche Aufsichtsbehörde an seiner Seite — und im Extremfall auch keine Klarheit darüber, wer hinter dem Casino tatsächlich steht. Die Causa Bargig ist ein erneuter, sehr deutlicher Hinweis auf die Bedeutung dieses Regulierungsrahmens.
Wir werden den Fall weiter verfolgen und ergänzen, sobald die tschechischen Behörden offizielle Informationen veröffentlichen.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
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