Glücksspiel-Klage in den USA: DraftKings Predictions als illegale Sportwetten am Pranger

Ein Einwohner Kaliforniens verklagt DraftKings mit der Behauptung, die neuen Prognosemärkte seien illegale Sportwetten. CEO Jason Robins bezeichnete das Segment zuvor als zentralen Wachstumstreiber.
Im US-Bundesstaat Massachusetts bahnt sich ein gewaltiger Rechtsstreit an, der das Geschäftsmodell moderner Prognosemärkte tiefgreifend erschüttern könnte. Michael Chan, ein Bürger aus Kalifornien, hat eine Klage gegen den Branchenriesen DraftKings eingereicht. Kern des Vorwurfs ist die Integration der sogenannten Predictions in das Haupt-App-Ökosystem des Unternehmens. Was DraftKings als Plattform für Prognoseverträge bewirbt, ist laut Anklageschrift nichts weiter als eine als Finanzprodukt getarnte Sportwette. Besonders pikant ist dieser Vorwurf, da Kalifornien einer der Staaten ist, in denen Online-Sportwetten nach wie vor verboten sind. Die Wähler im bevölkerungsreichsten US-Staat hatten entsprechende Legalisierungsversuche im Jahr 2022 abgelehnt.
Die Klage zielt darauf ab, dass DraftKings seine Nutzer gezielt in die Irre führt. Durch die Verwendung von Begriffen wie Trading statt Betting werde suggeriert, es handele sich um eine sichere und rechtlich unbedenkliche Aktivität. Michael Chan gibt an, er habe sich bei der App angemeldet, ohne zu wissen, dass er es faktisch mit einem nicht lizenzierten Buchmacher zu tun hatte. Während reguläre Sportwetten in vielen US-Staaten strengen Lizenzauflagen unterliegen, versuchen Unternehmen wie DraftKings, Kalshi oder Polymarket, ihre Angebote über die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) als Event-Kontrakte zu legitimieren. Damit schlüpfen sie durch eine rechtliche Lücke, die eigentlich für Finanzderivate gedacht war.
Zahlen und Fakten
DraftKings hat den Bereich Predictions erst im vergangenen Monat in seine Haupt-App integriert. Die Ambitionen hinter diesem Schritt sind gewaltig. Jason Robins, der CEO von DraftKings, erklärte bereits im Geschäftsjahr 2023, wie optimistisch er in Bezug auf diese Markterweiterung ist. Das Unternehmen sieht in den Prognosemärkten einen strategischen Hebel, um Nutzer in Staaten zu gewinnen, die für klassische Sportwetten noch verschlossen sind. Dazu gehören Schwergewichte wie Kalifornien, Texas und Florida. Laut Robins konnte DraftKings durch Predictions die Marktpräsenz auf rund die Hälfte der US-Bevölkerung ausweiten, was für das Wachstum des Unternehmens entscheidend ist.
Die Klageschrift stützt sich dabei maßgeblich auf Aussagen des CEOs selbst, die als Eingeständnis gewertet werden, dass die Produkte technisch nahezu identisch sind. Ein zentrales Zitat aus der Klage unterstreicht diese Sichtweise:
„Wir sind von Predictions überzeugt, weil wir die im Sportsbook aufgebauten Fähigkeiten zunehmend als entscheidenden Vorteil betrachten. Sie bedienen dieselben Kunden in denselben Live-Momenten und nutzen die gleiche zugrunde liegende Infrastruktur.“ - Jason Robins, CEO von DraftKings
Hintergrund
Der Konflikt schwelt schon länger. In Bundesstaaten wie Nevada und Michigan haben Behörden bereits erfolgreich gegen Plattformen wie Kalshi interveniert, während Washington ähnliche Schritte vorbereitet. DraftKings argumentiert vermutlich mit dem Commodity Exchange Act (CEA) als geltendem Rechtsrahmen für seine Produktvariante. Experten der Anwaltskanzlei White & Case, wie die Partner Markus Funk und Michael Andolina, sehen in solchen Klagen jedoch auch ein kommerzielles Motiv von Anwaltskanzleien, die versuchen, die Lücke zwischen öffentlicher Stimmung und bestehender Rechtslehre zu Geld zu machen. Solange die Gerichte nicht endgültig klären, ob der CEA solche Sportprognosen schützt, bleiben diese Klagen ein riskantes Unterfangen.
Besonders schwierig ist die Lage in Kalifornien, weil dort die mächtigen Stämme der amerikanischen Ureinwohner (Tribes) das Glücksspielmonopol halten. Jede Form von kommerzieller Legalisierung würde deren Einnahmen schmälern. DraftKings hat bereits Millionen von US-Dollar in Lobbyarbeit investiert, um den Markt zu öffnen, scheiterte aber bisher am Widerstand der Stämme und dem Votum der Bürger. Die Einführung von Predictions wird daher von Kritikern als schamloses Umgehungsgeschäft betrachtet, um den Kontakt zu den kalifornischen Kunden nicht zu verlieren.
Was heißt das für deutsche Spieler?
In Deutschland ist die Situation durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) deutlich strenger geregelt als in den USA. Solche Grauzonen-Produkte wie die Predictions von DraftKings hätten es auf dem deutschen Markt extrem schwer. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) achtet penibel darauf, was als Wette und was als Spiel eingestuft wird. Wer in Deutschland legal spielen möchte, muss sich an Anbieter halten, die auf der offiziellen GGL-Whitelist stehen. Nur dort sind Spielerschutzmaßnahmen wie das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über alle Anbieter hinweg und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Spielautomaten garantiert. Das zentrale Überwachungssystem LUGAS sorgt zudem dafür, dass Spieler nicht bei mehreren Anbietern gleichzeitig aktiv sind. Ein Angebot, das Wetten als Finanzprodukt tarnt, würde in Deutschland sofort die Aufsichtsbehörden auf den Plan rufen und mit hoher Wahrscheinlichkeit untersagt werden.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Betreiber mit einer deutschen Lizenz der GGL sind solche Entwicklungen in den USA ein Warnsignal. Sie verdeutlichen, dass Transparenz gegenüber dem Kunden oberste Priorität hat. Deutsche Casinos müssen ihre Angebote klar als Glücksspiel deklarieren und dürfen keine Formate wählen, die den Charakter des Spiels verschleiern. Während DraftKings in den USA versucht, über die CFTC eine Abkürzung zu nehmen, gibt es in Deutschland keinen vergleichbaren Weg vorbei an der GGL. Die strikte Trennung von Sportwetten und Casinospielen innerhalb einer App sowie die Einhaltung der strengen Werberichtlinien sind hierzulande Pflicht. Ein Verstoß gegen die Identität des Produkts, wie er DraftKings in der Klage von Michael Chan vorgeworfen wird, könnte in Deutschland zum sofortigen Entzug der Erlaubnis führen.
Häufige Fragen
Wer hat die Klage gegen DraftKings eingereicht?
Die Klage wurde von Michael Chan, einem Einwohner des US-Bundesstaates Kalifornien, in Massachusetts eingereicht. Er wirft dem Unternehmen vor, mit seinem Produkt Predictions illegales Glücksspiel unter dem Deckmantel von Handelsverträgen anzubieten.
Was ist der Kernvorwurf der Klage?
Der Kläger behauptet, dass es sich bei den Prognosemärkten um Sportwetten handelt, die als Finanzkontrakte getarnt sind. DraftKings soll Kunden durch das Branding als Trading in die Irre führen und so Glücksspielverbote in Staaten wie Kalifornien umgehen.
Wie rechtfertigt DraftKings sein Predictions-Angebot?
Das Unternehmen bezieht sich vermutlich auf den Commodity Exchange Act (CEA) und die Lizenzierung durch die CFTC. CEO Jason Robins sieht darin eine Möglichkeit, in Märkten wie Texas oder Kalifornien präsent zu sein, in denen klassische Online-Sportwetten bisher nicht erlaubt sind.
Sind solche Prognosemärkte in Deutschland erlaubt?
In Deutschland unterliegen alle Formen von Sportwetten und Glücksspiel dem strengen Glücksspielstaatsvertrag 2021. Angebote, die versuchen, Wetten als Finanzderivate umzudeuten, würden von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) höchstwahrscheinlich als illegales Glücksspiel eingestuft und untersagt.
Welche Schutzmaßnahmen gelten für deutsche Spieler?
Spieler in Deutschland profitieren von der GGL-Regulierung durch ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro und die Anbindung an das Sperrsystem OASIS sowie LUGAS. Zudem sind die Einsatzlimits bei Slots auf 1 Euro pro Spielrunde begrenzt, um das Suchtrisiko zu minimieren.
Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).
Verwandte Themen
Weiterführende Artikel

KI-Betrug und Schwarzmarkt: Britische Aufsicht warnt vor neuen Geldwäsche-Risiken
Die britische UKGC stuft B2B-Anbieter in ihrem Bericht 2026 von niedrigem auf mittleres Risiko hoch. Grund sind Deepfakes und verdeckte Verbindungen zum Glücksspiel-Schwarzmarkt.

Datenstreit beigelegt: Massachusetts Gaming Commission einigt sich mit Gesundheitsinstitut
Nach einer Klage des PHAI stellt die MGC nun anonymisierte Spieldaten bereit. Forscher können seit Juli 2026 auf wichtige Informationen zur Spielsuchtprävention zugreifen.

NCAA-Sperren: US-Student wegen 40-Dollar-Wette im Visier der Ermittler
Ein studentischer Mitarbeiter der University of Tennessee muss mit einem Level-III-Verstoß rechnen: Eine Wette auf dem Prognosemarkt Kalshi löste die strengen Integritätsprotokolle der NCAA aus.










