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Kahlschlag bei Betfred: Über 130 Wettshops vor dem Aus

31. Juli 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Kahlschlag bei Betfred: Über 130 Wettshops vor dem Aus

Der britische Glücksspiel-Gigant Betfred schließt rund 10 Prozent seines Filialnetzes. Betroffen sind 132 Standorte und bis zu 600 Arbeitsplätze aufgrund steigender Steuern und Kosten.

Die Traditionsmarke Betfred steht vor einem massiven Umbau ihres stationären Geschäfts. Der britische Buchmacher hat angekündigt, etwa ein Zehntel seiner insgesamt 1.200 Wettshops im Vereinigten Königreich zu schließen. Dieser Schritt kommt zu einer Zeit, in der die gesamte Branche mit einem extrem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld und regulatorischem Druck kämpft. Laut offiziellen Angaben sind mindestens 132 Standorte von dieser Maßnahme betroffen, was weitreichende Konsequenzen für den regionalen Arbeitsmarkt hat.

Die Entscheidung ist keine Kurzschlussreaktion, sondern folgt auf eine längere Phase der Unsicherheit. In den letzten Monaten verdichteten sich die Anzeichen, dass das klassische Retail-Geschäft in den Einkaufsstraßen, die sogenannte High Street, zunehmend unrentabel wird. Für Betfred bedeutet dies nicht nur den Verlust von Präsenz vor Ort, sondern auch den potenziellen Wegfall von bis zu 600 Arbeitsplätzen. Die Unternehmensleitung betonte dabei, dass man lange versucht habe, diesen Schritt zu vermeiden.

Zahlen und Fakten

Betfred betreibt aktuell ein Netzwerk von über 1.200 Shops. Mit der Schließung von 132 Filialen verkleinert sich das Portfolio um etwa 10 Prozent. Besonders schwer wiegen die finanziellen Belastungen durch staatliche Vorgaben. Ab dem 1. April 2026 stieg beispielsweise die Remote Gaming Duty (RGD) für Online-Glücksspiele von 21 Prozent auf 40 Prozent. Obwohl dies primär das digitale Geschäft betrifft, belastet der Margendruck die gesamte Konzernkalkulation.

CEO Jo Whittaker machte deutlich, dass die Kombination aus verschiedenen Kostenfaktoren den Betrieb unmöglich gemacht hat.

„Es ist bedauerlich, dass wir heute Beratungsgespräche mit den Kollegen in mehr als 130 unserer Geschäfte über den Vorschlag zur Schließung dieser Standorte aufgenommen haben. Wir haben hart versucht, alle unsere Standorte und die dort arbeitenden Kollegen zu schützen, aber die kombinierten Auswirkungen höherer Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, der Lohninflation, Erhöhungen der Glücksspielsteuern und der breiteren wirtschaftlichen Unsicherheit haben uns keine Wahl gelassen.“ - Jo Whittaker, CEO bei Betfred

Diese Entwicklung steht im Einklang mit allgemeinen Markttrends. Auch Konkurrenten wie Flutter Entertainment (Paddy Power) und die Marke William Hill von evoke haben bereits Filialen geschlossen oder Personal abgebaut. Entain verfuhr ähnlich bei Ladbrokes-Niederlassungen in Nordirland und der Republik Irland.

Hintergrund

Der britische Markt für Wettshops leidet seit der COVID-19-Pandemie unter einem rückläufigen Kundeninteresse. Während das Online-Geschäft wächst, sinken die Erträge in den physischen Wettbüros laut Statistiken der Glücksspielkommission stetig. Die aktuelle wirtschaftliche Lage mit steigenden Mindestlöhnen und Betriebskosten verschärft diese Situation. Zudem droht der Branche eine Erhöhung der Gewerbesteuersätze (Business Rates), was besonders Anbieter mit vielen Filialen trifft.

Der neue britische Premierminister Andy Burnham erwägt derzeit weitere Maßnahmen zur Regulierung von Spielhallen und Wettbüros. Bisher ist unklar, ob dies nur reine Automatenhallen oder auch klassische Buchmacher-Filialen betreffen wird. Die negative Stimmung im Markt ist jedoch bereits spürbar. Betfreds Rückzug wird als klares Signal gewertet, dass das traditionelle Modell des Vor-Ort-Wettens in seiner jetzigen Form kaum noch zukunftsfähig ist, wenn die steuerliche Last weiter steigt.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Kunden haben die Schließungen bei Betfred in Großbritannien keine direkten Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Wetten hierzulande. Betfred ist primär auf den britischen Markt fokussiert. Dennoch zeigt dieses Beispiel, wie schnell regulatorische Eingriffe und Steuererhöhungen einen stabilen Markt verändern können. In Deutschland regelt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) den Markt extrem streng. Wer hier legal spielen möchte, sollte ausschließlich Anbieter nutzen, die auf der sogenannten Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen.

Deutsche Spieler müssen sich an strikte Regeln halten, die den Spielerschutz fördern sollen, aber auch Einschränkungen bedeuten. Dazu gehört das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro über alle Anbieter hinweg, das zentral durch das System LUGAS kontrolliert wird. Zudem gilt an virtuellen Spielautomaten ein maximaler Einsatz von 1 Euro pro Spielrunde. Anbieter ohne deutsche Lizenz bieten oft keine solche Sicherheit und operieren in einer rechtlichen Grauzone, was im Streitfall zu massiven Problemen für den Spieler führen kann.

Was das für GGL-Casinos heißt

Die Situation in Großbritannien dient als Mahnmal für die deutsche Glücksspielbranche. Wenn die Kosten für Lizenzierung, Steuern und technische Anbindungen wie LUGAS oder OASIS zu hoch werden, könnten auch in Deutschland lizenzierte Anbieter gezwungen sein, ihr Angebot zu reduzieren. Dennoch bleibt die GGL-Lizenz das einzige Qualitätssiegel für legales und sicheres Glücksspiel in der Bundesrepublik.

Lizensierte Plattformen müssen hohe Hürden bei der Suchtprävention nehmen. Der britische Fall illustriert, dass Steuererhöhungen (wie die dortige Fast-Verdopplung der Remote Gaming Duty) oft einen Rattenschwanz an Folgen nach sich ziehen. Für GGL-Casinos bedeutet dies, dass sie ihre Effizienz steigern müssen, um wettbewerbsfähig gegenüber dem Schwarzmarkt zu bleiben, der solche Abgaben umgeht.

Häufige Fragen

Wie viele Shops schließt Betfred insgesamt?

Betfred plant die Schließung von 132 Wettbüros in Großbritannien. Das entspricht etwa 10 Prozent des gesamten Filialnetzes von 1.200 Standorten.

Warum schließt Betfred seine Filialen?

Die Geschäftsführung nennt steigende Glücksspielsteuern, höhere Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitgeber und die allgemeine wirtschaftliche Instabilität als Hauptgründe. Auch die Lohninflation macht den wirtschaftlichen Betrieb vieler Standorte unmöglich.

Sind auch andere Buchmacher von Filialschließungen betroffen?

Ja, große Konkurrenten wie William Hill von der Gruppe evoke und Paddy Power von Flutter Entertainment haben bereits Ladenschließungen oder Stellenstreichungen vorgenommen. Auch Entain hat Filialen seiner Marke Ladbrokes in Irland geschlossen.

Wie hat sich die Glücksspielsteuer in Großbritannien verändert?

Ab dem 1. April 2026 stieg die Remote Gaming Duty für Online-Glücksspiele von 21 Prozent auf 40 Prozent. Diese massive Erhöhung setzt die Betreiber unter Druck, Kosten im defizitären Retail-Bereich einzusparen.

Was müssen Spieler in Deutschland bezüglich der Lizenz beachten?

In Deutschland ist Glücksspiel nur bei Anbietern legal, die eine Lizenz der GGL besitzen und auf der offiziellen Whitelist stehen. Diese Anbieter halten sich an den GlüStV 2021, inklusive des 1 Euro Einsatzlimits und des 1.000 Euro Einzahlungslimits pro Monat.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

Erwähnte Unternehmen:Betfred

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