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BHA kritisiert Bezahldauer-Überprüfung: Existenzielle Gefahr für britischen Pferdesport

11. Juli 20265 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
BHA kritisiert Bezahldauer-Überprüfung: Existenzielle Gefahr für britischen Pferdesport

Die British Horseracing Authority (BHA) übt scharfe Kritik an den geplanten Bonitätsprüfungen der Gambling Commission. Diese könnten dem Pferdesport innerhalb von fünf Jahren bis zu 293 Millionen Euro Schaden zufügen und Spieler in den Schwarzmarkt treiben.

Die British Horseracing Authority (BHA) warnt eindringlich vor den Auswirkungen der von der Gambling Commission vorgeschlagenen Bonitätsprüfungen für Online-Glücksspieler. Die Behörde befürchtet erhebliche finanzielle Einbußen für den Pferdesport und eine Gefährdung der Privatsphäre der Kunden. Diese Prüfungen werden schrittweise eingeführt und könnten weitreichende Folgen für die gesamte britische Glücksspielbranche haben. Erste Schätzungen sprechen von Verlusten im dreistelligen Millionenbereich.

Laut dem BHA-Chef Brant Dunshea sind die Maßnahmen der Glücksspielkommission problematisch. Er kritisierte die Entscheidung scharf und betonte die „massiven finanziellen Auswirkungen für den britischen Pferdesport und die gesamte Wirtschaft des Vereinigten Königreichs“. Die BHA befürchtet zudem eine „unverhältnismäßige Einmischung“ in die Privatsphäre der Wettenden. Die britische Rennsportgemeinschaft habe jahrelang Gespräche geführt und die Regierung vor den möglichen Folgen dieser Politik gewarnt. Man befürchte, dass viele Kunden durch diese strengen Kontrollen in den illegalen Markt gedrängt würden. Das würde auch zu geringeren Steuereinnahmen für den Staat führen. Man sei „zutiefst enttäuscht“.

Zahlen und Fakten

Die Financial Risk Assessments der Gambling Commission treten schrittweise in Kraft. Die erste Phase betrifft die größten Betreiber. Hier werden Kunden geprüft, sobald sie ein Netto-Einzahlungslimit von 5.850 Euro (5.000 GBP) innerhalb von 24 Stunden erreichen. Wenn die Maßnahmen vollständig umgesetzt sind, werden Spieler ab 25 Jahren überprüft, wenn ihre Netto-Einzahlungen 1.170 Euro (1.000 GBP) innerhalb von 24 Stunden oder 3.510 Euro (3.000 GBP) über 90 Tage übersteigen. Für jüngere Kunden unter 25 Jahren liegen die Grenzwerte bei 878 Euro (750 GBP) pro Tag oder 2.340 Euro (2.000 GBP) über 90 Tage.

Die Aufsichtsbehörde plant, Informationen von Kreditauskunfteien zu nutzen. Dies soll unnötige Dokumentenanfragen für Kunden ohne finanzielle Risikomerkmale vermeiden. Sarah Gardner, amtierende Geschäftsführerin der Gambling Commission, äußerte sich dazu:

„Wir sind zuversichtlich, dass unser Ansatz, der auf hochwertigen Daten basiert, Unterstützung für stark wetttende Kunden in finanziellen Schwierigkeiten ermöglichen wird. Gleichzeitig wird er die Reibung für Kunden reduzieren, die nicht in finanziellen Schwierigkeiten sind, indem die Notwendigkeit unnötiger und unpopulärer Dokumentenprüfungen zum Verständnis des finanziellen Risikos entfällt.“

Sie ergänzte, dass die Kommission während der Pilotphase Feedback eingeholt habe. Dies habe zu einem vorsichtigen Vorgehen geführt. Die BHA zitierte unabhängige Modellrechnungen. Diese ergaben nach dem Gambling White Paper von 2023, dass die Politik den Pferdesportsektor über einen Zeitraum von fünf Jahren rund 293 Millionen Euro (250 Millionen GBP) an entgangenen Einnahmen kosten könnte. Der Betting and Gaming Council schätzte, dass etwa 120.000 Pferdewettende von erweiterten Prüfungen betroffen sein könnten. Etwa 96.000 von ihnen würden wahrscheinlich die Bereitstellung von Dokumenten verweigern. Eine Umfrage der Gambling Commission unter über 12.000 Befragten zeigte, dass nur 14 Prozent bereit wären, persönliche Finanzinformationen preiszugeben. 66 Prozent würden sich unwohl oder sehr unwohl fühlen, wenn Kreditauskunfteien auf ihre persönlichen Daten zugreifen würden. Der stellvertretende Glücksspielminister Louie French forderte eine verstärkte parlamentarische Prüfung.

Hintergrund

Die Diskussion um Spielerschutz und Regulierung in Großbritannien ist nicht neu. Ähnliche Debatten wurden auch in anderen europäischen Ländern geführt. Die von der Gambling Commission geplanten Maßnahmen sind Teil einer umfassenderen Strategie, um Spielsucht zu bekämpfen und gefährdete Spieler zu schützen. Allerdings birgt die Umsetzung solcher Maßnahmen stets die Gefahr, dass ehrliche Spieler unverhältnismäßig eingeschränkt werden oder auf Anbieter im Schwarzmarkt ausweichen.

Die BHA-Geschäftsführerin Julie Harrington kritisierte die Vorschläge ebenfalls scharf. Sie sagte bei einem Empfang im House of Parliament, dass ein „pauschaler Ansatz bei der Erschwinglichkeit“ nicht angemessen sei. Dies gelte besonders für Pferderennen als Sport mit breitem Reiz über verschiedene sozioökonomische Schichten hinweg. Harrington betonte, der britische Pferdesport arbeite mit relevanten Interessengruppen zusammen, um eine Antwort auf die Konsultation der Gambling Commission zu formulieren. Man freue sich auf weitere Gespräche mit dem DCMS und der Gambling Commission über die Minderung der Auswirkungen auf Rennsportfans und die gesamte Branche.

Branchenvertreter äußerten Bedenken hinsichtlich der Zuverlässigkeit von Daten der Kreditauskunfteien. Melanie Ellis von Northridge Law merkte an, dass das Problem unterschiedlicher Ergebnisse bei gleichen Kunden ungelöst bleibe. Chris Elliott von Wiggin äußerte die Sorge, dass eine Reduzierung der Gross Gaming Yield (GGY) nicht nur von Spielern in finanzieller Not käme. Sie würde auch von Kunden stammen, die einfach keine Dokumente vorlegen oder Open-Banking-Prüfungen nutzen möchten. Elliott ist der Meinung, dass die Ankündigung der Kommission diese Bedenken nicht ausräumt.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Die Debatte im Vereinigten Königreich zeigt erneut, wie sensibel das Thema Spielerschutz und finanzielle Überprüfung ist. Für deutsche Spieler sind die hier diskutierten Mechanismen der Bonitätsprüfung nicht direkt relevant, da der deutsche Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) eigene strenge Regeln vorsieht. In Deutschland gibt es zwar keine Bonitätsprüfung im britischen Stil, aber ebenfalls Einzahlungslimits und eine zentrale Spielersperrdatei (LUGAS).

Deutsche Spieler können bei GGL-lizenzierten Anbietern monatlich maximal 1.000 Euro einzahlen. Dieses Limit gilt anbieterübergreifend und wird über das LUGAS-System überwacht. Zusätzlich ist der Einsatz pro Spin auf 1 Euro begrenzt, was ebenfalls als Spielerschutzmaßnahme dient. Diese nationalen Regelungen sollen dazu beitragen, Spielsucht zu verhindern, ohne die Spieler unverhältnismäßig zu belasten. Ob die deutschen Maßnahmen in ihrer Wirkung ausgewogener sind als die britischen, wird sich erst langfristig zeigen. Wichtig ist: In Deutschland müssen Spieler bei legalen Anbietern keine detaillierten Einkommensnachweise oder ähnliche Dokumente vorlegen, solange sie die allgemeinen Limits einhalten.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Casinos mit einer deutschen Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) bedeutet die Debatte im Vereinigten Königreich eine Bestärkung ihrer eigenen, zwar strengen, aber anders konzipierten Spielerschutzmaßnahmen. Sie müssen keine Bonitätsprüfungen nach britischem Vorbild durchführen. Stattdessen sind die gesetzlich festgelegten Einzahlungslimits von 1.000 Euro pro Monat und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin zentral für den Spielerschutz. Die GGL-Casinos sind an das LUGAS-System angebunden. Dies verhindert Mehrfachanmeldungen und kumulierte Einzahlungen über das festgelegte Limit hinaus.

Die Diskussion um die britischen Affordability Checks unterstreicht die Notwendigkeit, ein Gleichgewicht zwischen Spielerschutz und dem Schutz seriöser Geschäftsmodelle zu finden. Für GGL-Casinos bedeutet dies, dass sie sich weiterhin auf die Einhaltung der nationalen Vorgaben konzentrieren müssen. Eine Übernahme britischer Prüfungen ist derzeit nicht in Sicht. Die deutschen Vorschriften werden jedoch regelmäßig evaluiert und bei Bedarf angepasst.

Quellen & weiterführende Links

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