Milliarden-Deal bei Underdog und neue Regeln für Prognosemärkte durch die CFTC

Die IG Group übernimmt Underdog für bis zu 1,3 Milliarden Dollar, während die US-Behörde CFTC strengere Regeln gegen Interessenkonflikte bei Wettbörsen plant.
In der Welt des internationalen Glücksspiels und der Finanzwetten herrscht derzeit enorme Bewegung. Während große Fusionen die Marktanteile neu verteilen, greifen Regulierungsbehörden massiv in die Struktur der Anbieter ein. Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) hat einen Vorschlag vorgelegt, der das Fundament vieler moderner Prognosemärkte erschüttern könnte. Es geht um das Verbot von direktionalen Positionen für hauseigene Market Maker, was die ökonomische Basis für Plattformen wie Kalshi oder das Joint Venture Rothera von Robinhood und Susquehanna grundlegend verändern würde.
Die Stimmung in der Branche ist angespannt, da die neuen Regeln vorschreiben, dass Market Maker als neutrale Akteure auftreten müssen. Sie sollen Liquidität für beide Seiten eines Handels bereitstellen, anstatt auf ein bestimmtes Ergebnis zu setzen. Kritiker befürchten, dass dies zu höheren Gebühren und schlechteren Preisen für die Endkunden führt. Gleichzeitig sorgt eine Milliarden-Übernahme für Schlagzeilen: Die britische IG Group schluckt den US-Anbieter Underdog, der sich in Rekordzeit zu einer festen Größe im Bereich der Sportwetten und Prognosemärkte entwickelt hat.
Zahlen und Fakten
Die Übernahme von Underdog durch die IG Group wird mit einem Basispreis von 1,1 Milliarden Dollar beziffert, wobei durch Earnout-Klauseln eine Gesamtsumme von 1,3 Milliarden Dollar erreicht werden kann. Underdog hat erst vor Kurzem eine eigene Wettbörse gestartet, die laut Berichten von InGame bereits zehn Tage nach dem Launch ein tägliches Volumen von über einer Million Dollar verzeichnete. Das Unternehmen behauptet zudem, den dritten Platz beim regulierten Nominalvolumen in den USA einzunehmen.
Auf der rechtlichen Seite sieht sich Kalshi mit massiven Hürden konfrontiert. Ein Bundesrichter in New York lehnte zum zweiten Mal innerhalb eines Monats einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen staatliche Maßnahmen ab. Zudem reichte die Generalstaatsanwältin Letitia James eine Klage in New York gegen das Unternehmen ein. In Minnesota hingegen wurde ein Gesetz, das Prognosemärkte verbieten sollte, vorerst gestoppt, allerdings mit dem Hinweis, dass nicht alle Ereignisverträge unter die exklusive Zuständigkeit der CFTC fallen.
Hintergrund
Der Kern des Konflikts liegt in der vertikalen Integration. Wenn eine Börse gleichzeitig den Händler besitzt, der die Kurse stellt, entstehen zwangsläufig Interessenkonflikte. Alex Kane, Gründer von Sporttrade, kritisiert, dass selbst bei neutralen Gebührenordnungen die Anreize so gesetzt werden könnten, dass nur der hauseigene Market Maker überlebensfähig bleibt. Dies würde den Wettbewerb ersticken und eine Struktur schaffen, in der ein einziger Händler das Sagen hat.
„Die Einschränkung verbundener Market Maker kombiniert mit höheren Gebühren für externe Akteure führt zu geringerer Liquidität, größeren Spreads und damit zu schlechteren Preisen. Ohne die Gewinne der verbundenen Market Maker müssten Prognosemärkte konsolidieren.“ - SigmaSquirrel, Analyst bei SigmaSquirrel
Zusätzlich zu den strukturellen Fragen kämpft die WNBA mit einem PR-Debakel. Die Liga veröffentlichte ein Video, in dem die Spielerinnen Angel Reese und Paige Bückers eine private Wette über 400 Dollar auf ihr eigenes Spiel abschlossen. In einer Zeit, in der Integrität im Sport durch die Nähe zum Glücksspiel unter ständiger Beobachtung steht, wirkt ein solches Verhalten der Stars verheerend auf das Image der Profi-Liga.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Kunden haben diese internationalen Entwicklungen indirekte, aber spürbare Auswirkungen. Deutschland verfügt mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) über eines der strengsten Regelwerke weltweit. Während in den USA über Liquidität und Market Maker gestritten wird, sorgt in Deutschland die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) für Ordnung. Wer bei Anbietern auf der offiziellen Whitelist spielt, muss sich um Marktmanipulationen durch verbundene Firmen weniger Sorgen machen.
Allerdings bedeuten die strengen Regeln auch Einschränkungen: Das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über alle Anbieter hinweg und das Einsatzlimit von einem Euro pro Spin bei Slots sind feste Säulen des deutschen Spielerschutzes. Die Überwachung erfolgt über das System LUGAS, das Mehrfachanmeldungen und das Überschreiten der Limits verhindert. Internationale Fusionen wie bei Underdog könnten langfristig dazu führen, dass finanzstärkere Anbieter versuchen, mit neuen Produkten auch auf den deutschen Markt zu drängen, sofern sie die strengen GGL-Auflagen erfüllen.
Was das für GGL-Casinos heißt
Deutsche Casinos mit GGL-Lizenz müssen sich strikt an die Trennung von Sportwetten und Casinospielen halten. Die aktuellen Debatten in den USA zeigen, wie wichtig Transparenz bei der Preisbildung ist. Während MGA- oder Curacao-Anbieter oft mit undurchsichtigen Strukturen arbeiten, bieten deutsche Lizenznehmer Sicherheit durch staatliche Aufsicht. Die GGL beobachtet genau, welche neuen Wettformen international entstehen, um diese gegebenenfalls in den deutschen Rechtsrahmen einzuordnen oder zum Schutz der Spieler zu untersagen. Prognosemärkte auf politische Ereignisse, wie sie in den USA gerade boomen, sind in Deutschland aufgrund des strikten Fokus auf Sport und Zufallsspiel derzeit kaum legal umsetzbar.
Häufige Fragen
Wie viel zahlt die IG Group für die Übernahme von Underdog?
Die IG Group zahlt einen Basispreis von 1,1 Milliarden Dollar. Durch zusätzliche gewinnabhängige Zahlungen kann der Gesamtbetrag des Deals auf bis zu 1,3 Milliarden Dollar ansteigen.
Warum plant die CFTC neue Regeln für Wettbörsen?
Die Behörde möchte Interessenkonflikte vermeiden, die entstehen, wenn eine Börse gleichzeitig den Market Maker besitzt. Künftig sollen diese Market Maker keine gerichteten Wetten mehr abschließen dürfen, sondern müssen neutral Liquidität bereitstellen.
Welchen rechtlichen Ärger hat der Anbieter Kalshi?
Kalshi wurde in New York von Generalstaatsanwältin Letitia James verklagt und scheiterte mehrfach vor Gericht mit Anträgen auf einstweilige Verfügungen. Auch in Wisconsin gab es negative Urteile gegen das Unternehmen.
Warum ist das WNBA-Video mit Angel Reese problematisch?
In dem Video wetten Spielerinnen 400 Dollar auf den Ausgang ihres eigenen Spiels. Da Integritätsregeln Wetten auf eigene Partien streng untersagen, wertet die Branche dies als schweres PR-Versagen der Liga.
Welche Limits gelten für Spieler in Deutschland?
Nach dem GlüStV 2021 gilt ein anbieterübergreifendes Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat. Zudem sind Einsätze bei Online-Slots auf einen Euro pro Spielrunde begrenzt, was durch das LUGAS-System kontrolliert wird.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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