Entain meldet Umsatzplus bei sinkenden Gewinnen durch neue Steuern
KI-GENERIERTTrotz eines Wachstums des Nettospielertrags auf 2,55 Milliarden Pfund leidet der Glücksspielriese Entain unter massiven Steuerlasten in Großbritannien und Deutschland.
Die Welt der Online-Wetten und des Glücksspiels befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, wie die jüngsten Zahlen des Branchenschwergewichts Entain verdeutlichen. Der Konzern, zu dem bekannte Marken wie Ladbrokes, Bwin und Sportingbet gehören, legte am 13. August 2026 seinen Bericht für das erste Halbjahr vor. Es ist eine Geschichte von zwei Wahrheiten. Einerseits boomt das Geschäft mit den Spielern, befeuert durch sportliche Großereignisse wie die Weltmeisterschaft. Andererseits schlägt der Fiskus in den Kernmärkten so hart zu, dass unter dem Strich weniger übrig bleibt als im Vorjahr.
Besonders auffällig ist die Diskrepanz zwischen dem Nettospielertrag (Net Gaming Revenue, NGR), der um 5 Prozent auf 2,55 Milliarden Pfund kletterte, und dem bereinigten operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA). Letzteres sank um 2 Prozent auf 479,3 Millionen Pfund. Dieser Rückgang ist kein Zufall, sondern das direkte Resultat einer neuen steuerlichen Realität in Europa. Vor allem die im April 2026 eingeführte neue Fernspielsteuer (RGD tax) in Großbritannien hat tiefe Löcher in die Kassen gerissen. Die effektive Steuerquote des Unternehmens sprang von 30,3 Prozent auf beachtliche 34,4 Prozent.
Zahlen und Fakten
Ein Blick in die Details zeigt, wo Entain im Jahr 2026 seine Stärken ausspielt. Das Online-Segment wuchs währungsbereinigt um 7 Prozent, während der stationäre Einzelhandel ein schmales Plus von 1 Prozent beisteuerte. Herausragend präsentierte sich der spanische Markt mit einem Zuwachs von 28 Prozent beim NGR. Auch in Großbritannien und Irland (+13 Prozent) sowie in Australien (+13 Prozent) liefen die Geschäfte dank der Weltmeisterschaft hervorragend. In Australien halfen vor allem überarbeitete Produkte der Marken Ladbrokes und Neds sowie verbesserte Bet-Builder-Funktionen, die Kunden bei der Stange zu halten.
Im Gegensatz dazu steht das Sorgenkind Brasilien. Dort brach der Nettospielertrag um 25 Prozent ein. Entain führt dies auf extrem niedrige Margen bei Sportwetten im ersten Quartal und einen aggressiven Verdrängungswettbewerb zurück. Dennoch setzt das Management dort auf Disziplin und will nicht um jeden Preis in teures Marketing investieren. Parallel dazu kündigte Entain den Rückzug aus Zentral- und Osteuropa (CEE) an. Ein Anteil von 20 Prozent an Entain CEE wird für 425 Millionen Euro an den Partner EMMA Capital verkauft. Dieser Schritt bewertet die Sparte mit insgesamt 2,1 Milliarden Euro und soll helfen, die Verschuldung des Gesamtkonzerns unter das Dreifache des EBITDA zu drücken.
Hintergrund
Die Bilanz von Entain wird jedoch nicht nur durch Steuern, sondern auch durch rechtliche Altlasten belastet. Das Unternehmen musste 96,1 Millionen Pfund für Rechtsstreitigkeiten und belastende Verträge zurückstellen. Ein wesentlicher Teil dieser Summe entfällt auf Rückforderungen von deutschen Spielern, die Verluste aus Zeiten einklagen, in denen das Angebot in Deutschland regulatorisch noch in einer Grauzone lag. Trotz dieser massiven Einmalbelastungen gelang es dem Konzern, den Verlust nach Steuern von 85,8 Millionen Pfund im Vorjahr auf nun 11,4 Millionen Pfund zu reduzieren. Stella David, die Vorstandsvorsitzende von Entain, zeigt sich kämpferisch und optimistisch für die Zukunft.
„Entain wird zu einem schärferen, fitteren und besser vernetzten Unternehmen. Ich bin zuversichtlich, dass unser disziplinierter Fokus auf Wachstum und Optimierung in Zukunft einen starken Cashflow generieren wird und Entain gut positioniert bleibt, um ein langfristiger Gewinner der Branche zu sein.“ - Stella David, Chief Executive Officer von Entain
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für Kunden in Deutschland ist der Bericht von Entain ein Signal der Stabilität, aber auch der strengen Regulierung. Da Entain mit Marken wie Bwin fest auf der Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) steht, operiert das Unternehmen strikt nach den Regeln des Glücksspielstaatsvertrags 2021. Das bedeutet für die Spieler: Das monatliche anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro bleibt bestehen und wird über das LUGAS-System überwacht. Auch das Einsatzlimit von einem Euro pro Spielrunde an virtuellen Automaten ist unverrückbar. Die hohen Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten zeigen zudem, dass die Branche die Aufarbeitung der Vergangenheit ernst nimmt, während sie gleichzeitig versucht, im streng regulierten deutschen Markt profitabel zu bleiben.
Was das für GGL-Casinos heißt
Die Entwicklung bei Entain verdeutlicht den Druck, unter dem alle GGL-lizenzierten Anbieter stehen. Hohe Steuern und strenge Spielerschutzauflagen schmälern die Margen massiv. Im Vergleich zu illegalen Anbietern ohne deutsche Lizenz, die oft von Curacao oder Malta aus operieren, haben legale Casinos deutlich höhere Kostenstrukturen. Entain versucht, diesen Druck durch technologische Upgrades im Rahmen des Projekts Romer abzufedern, für das im Halbjahr 16 Millionen Pfund aufgewendet wurden. Die Botschaft ist klar: Nur wer technologisch effizient arbeitet und gleichzeitig die strengen deutschen Regeln einhält, wird langfristig überleben können. Die GGL-Whitelist ist hierbei das entscheidende Qualitätssiegel, das Spielersicherheit garantiert, aber für die Konzerne eben auch teuer erkauft ist.
Häufige Fragen
Wie haben sich die Einnahmen von Entain im Jahr 2026 entwickelt?
Der Nettospielertrag stieg im ersten Halbjahr 2026 um 5 Prozent auf 2,55 Milliarden Pfund. Besonders die Online-Bereiche in Spanien und Großbritannien zeigten zweistelliges Wachstum.
Warum sank der Gewinn von Entain trotz höherer Umsätze?
Hauptgrund war die Einführung neuer Steuern, insbesondere die britische Fernspielsteuer ab April 2026. Zudem stiegen die Steuerzahlungen insgesamt auf 93,1 Millionen Pfund, was die Gewinnmarge auf 60 Prozent drückte.
Welche Rolle spielen deutsche Spielerklagen für den Konzern?
Entain musste Rückstellungen in Höhe von 96,1 Millionen Pfund bilden, die zu einem großen Teil für Forderungen deutscher Spieler wegen früherer Verluste reserviert sind. Diese Altlasten belasten das operative Ergebnis weiterhin spürbar.
Was passiert mit dem Geschäft von Entain in Osteuropa?
Der Konzern verkauft zunächst 20 Prozent seiner Anteile an Entain CEE für 425 Millionen Euro an EMMA Capital. Langfristig ist ein vollständiger Rückzug geplant, um die Schuldenlast der Gruppe zu senken.
Ist das Spielen bei Entain-Marken für Deutsche sicher und legal?
Ja, Marken wie Bwin verfügen über eine offizielle Lizenz der GGL und stehen auf der Whitelist. Das bedeutet, dass alle strengen Vorgaben des Glücksspielstaatsvertrags 2021 zum Spielerschutz und zur Suchtprävention eingehalten werden.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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