Lewes FC setzt Zeichen gegen Glücksspielwerbung: Partnerschaft mit Gamban
KI-GENERIERTWährend die Premier League ab der Saison 2026/2027 ein Verbot für Wettanbieter auf der Trikotfront einführt, kooperiert der Fan-Club Lewes FC demonstrativ mit der Sperr-Software Gamban.
Im englischen Fußball regt sich Widerstand gegen die allgegenwärtige Präsenz von Wettanbietern. Der Lewes Football Club, ein Verein im Besitz seiner Fans und ansässig in der Isthmian League Premier Division, geht einen radikalen Weg. Für die Spielzeit 2026 und 2027 hat der Club den Softwareanbieter Gamban als Sponsor gewonnen. Das Unternehmen stellt Lösungen zur Selbstsperre bereit, die den Zugriff auf Glücksspielseiten technisch unterbinden. Es ist ein bewusster Schritt gegen den Strom, denn Lewes FC kämpft bereits seit 2019 gegen das aus ihrer Sicht schädliche Ausmaß von Glücksspielwerbung im Sport.
Die Situation im britischen Fußball ist paradox. Während der Lewes FC versucht, ein Zeichen zu setzen, ist er paradoxerweise selbst gezwungen, für die Branche zu werben. Durch einen ligaweiten Vertrag mit Entain, der das Branding Pitching In auf die Ärmel aller Vereine der Trident Leagues bringt, muss auch Lewes ein Logo mit Bezug zum Glücksspielsektor tragen. John Peel, Direktor bei Lewes, bezeichnet die neuen Regeln in den oberen Ligen als rein symbolisch. Er kritisiert, dass das neue Verbot der Premier League lediglich die Vorderseite der Trikots betrifft, während Werbung an anderen Stellen weiterhin erlaubt bleibt.
„Die Mehrheit der Fußballtrikots ist mit Glücksspiel-Sponsoring bedeckt, während Wettanzeigen in und um Stadien fast unmöglich zu vermeiden sind. Wir freuen uns, mit einem Verein zusammenzuarbeiten, der unsere Überzeugung teilt, dass Fußball die Dinge anders angehen kann.“ - Statement von Gamban zur Partnerschaft mit Lewes FC
Zahlen und Fakten
In der Premier League hat der Bann der Front-Trikotwerbung für erhebliche Verschiebungen gesorgt. Insgesamt acht der 20 Vereine mussten für die Saison 2026 und 2027 neue Partner finden. Prominente Beispiele sind der FC Everton, der Stake durch CMC Markets ersetzte, oder der FC Fulham, der nun mit der Datenfirma ClickHouse kooperiert. Auch Brentford wechselte von Hollywoodbets zum Stellenportal Indeed. Dennoch bedeutet dies nicht das Ende der Wettanbieter im Stadion. Ärmelwerbung, Trainingsbekleidung und die Bandenwerbung bleiben für Buchmacher weiterhin offen, was Kritiker als Schlupfloch bezeichnen.
Matt Zarb-Cousin, Mitbegründer von Gamban, sieht im Sportwetten-Sektor eine Gefahr für die psychische Gesundheit. Er betont, dass Sportwetten oft als Einstieg in hochgradig süchtigmachende Online-Slots und Casinos fungieren. Laut Zarb-Cousin verzeichnet die Industrie Rekordgewinne, während Millionen Menschen gefährdet oder bereits süchtig sind. Der Schritt von Lewes FC wird daher als wichtiges Gegengewicht gewertet, das zeigt, dass Fußballvereine auch ohne das Geld der Wettindustrie existieren können. Ähnliche Wege ging Gamban bereits mit dem dänischen Esports-Team ECSTATIC, um auch dort den Fokus auf den Schutz der Spieler zu legen.
Hintergrund
Der Konflikt um Glücksspielwerbung schwelt in Großbritannien seit Jahren. Die Premier League hatte sich unter politischem Druck zu einer freiwilligen Beschränkung bereit erklärt. Diese betrifft jedoch ausschließlich die prominenteste Werbefläche auf der Brust. Dass dies den Markt nicht schrumpfen lässt, zeigt die Aussage von Tanya Bragin von ClickHouse. Sie beschreibt die Situation als Käufermarkt, in dem Unternehmen nun Zugang zu Werbeflächen haben, die zuvor von finanzstarken Buchmachern blockiert wurden. Dennoch bleiben die Preise für Sponsoringverträge wettbewerbsfähig, da die globale Reichweite des englischen Fußballs ungebrochen hoch ist.
Was heißt das für deutsche Spieler?
In Deutschland ist die Lage durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) strenger geregelt als in England. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) führt eine sogenannte Whitelist, auf der alle legalen Anbieter verzeichnet sind. Für deutsche Spieler bedeutet dies ein hohes Maß an Sicherheit, da lizenzierte Anbieter strenge Regeln einhalten müssen. Dazu gehören das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat sowie das Einsatzlimit von einem Euro pro Spin bei Online-Spielautomaten. Systeme wie LUGAS überwachen diese Limits, um exzessives Spielverhalten zu verhindern.
Ein Verbot von Trikotwerbung, wie es nun in Ansätzen in England umgesetzt wird, ist in Deutschland derzeit kein zentrales Thema, solange die werbenden Unternehmen eine GGL-Lizenz besitzen. Dennoch dient die Entwicklung in Großbritannien als Warnsignal für den deutschen Markt. Der Spielerschutz steht hierzulande durch das Sperrsystem OASIS bereits stark im Fokus. Deutsche Kunden sollten darauf achten, ausschließlich bei Casinos mit deutscher Lizenz zu spielen, da Anbieter mit Lizenzen aus Malta oder Curacao nicht den hiesigen Sozialkonzepten unterliegen und keine rechtliche Absicherung im Sinne des GlüStV 2021 bieten.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Anbieter mit GGL-Lizenz in Deutschland ist die Debatte um Werbeverbote von hoher Relevanz. Wenn in großen Ligen wie der Premier League Beschränkungen eingeführt werden, steigt oft auch der Druck auf deutsche Regulierer, die Werbefreiheit weiter einzuschränken. Aktuell dürfen GGL-Casinos im Fernsehen und Internet werben, unterliegen aber strengen zeitlichen Begrenzungen (keine Werbung für Online-Casinos zwischen 6 und 21 Uhr). Ein proaktiver Ansatz beim Spielerschutz, wie ihn Gamban in England propagiert, könnte auch für deutsche Anbieter ein Weg sein, gesellschaftliche Akzeptanz zu sichern und härteren gesetzlichen Verboten zuvorzukommen.
Häufige Fragen
Warum hat Lewes FC eine Partnerschaft mit Gamban geschlossen?
Der Verein möchte ein Zeichen gegen die Dominanz von Glücksspielwerbung setzen und nutzt die Kooperation, um Software zum Schutz vor Spielsucht zu bewerben. Der Club kritisiert seit 2019 die negativen Auswirkungen der Branche auf den Fußball.
Welche neuen Regeln gelten in der Premier League ab 2026?
Ab der Saison 2026 und 2027 ist Werbung für Glücksspielunternehmen auf der Vorderseite der Spielertrikots verboten. Acht Vereine mussten deshalb neue Hauptsponsoren finden, da die Branche dort zuvor stark vertreten war.
Bleibt Glücksspielwerbung im englischen Fußball weiterhin erlaubt?
Ja, das Verbot beschränkt sich nur auf die Trikotfront. Werbung auf den Ärmeln, der Trainingskleidung und auf Banden im Stadion ist nach den aktuellen Regeln der Premier League weiterhin zulässig.
Wie werden deutsche Spieler vor Spielsucht geschützt?
In Deutschland greifen Instrumente wie das Sperrsystem OASIS und das Überwachungssystem LUGAS. Zudem gibt es ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro und ein Einsatzlimit von einem Euro pro Spielrunde bei Online-Slots.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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