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Grenzenlos Glücksspiel: Gibraltar und Spanien öffnen die Grenze

15. Juli 20265 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Grenzenlos Glücksspiel: Gibraltar und Spanien öffnen die Grenze

Gibraltar und die EU haben einen Vertrag unterzeichnet, der am 15. Juli in Kraft tritt und Grenzkontrollen zu Spanien aufhebt. Der Online-Glücksspielsektor macht 30% des BIP Gibraltars aus.

Gibraltar und die Europäische Union haben einen bahnbrechenden Vertrag unterzeichnet. Dieser tritt am 15. Juli in Kraft und beendet die Grenzkontrollen zwischen Gibraltar und Spanien. Für die Wirtschaft des Territoriums ist dies ein wichtiger Schritt. Besonders der Glücksspielsektor profitiert davon.

Das Territorium wird faktisch Teil des Schengen-Raums. Dies vereinfacht das Reisen für Anwohner erheblich. Gibraltar verspricht sich dadurch mehr wirtschaftliche Stabilität nach den Unsicherheiten des Brexits.

Zahlen und Fakten

Unter dem neuen Abkommen sind Reisepässe für Bewohner Gibraltars bei der Einreise nach Spanien nicht mehr nötig. Spanische Bürger können künftig mit ihrem Personalausweis nach Gibraltar reisen. Britische und gibraltarische Beamte übernehmen weiterhin die Grenzkontrollen des Vereinigten Königreichs. Spanische Behörden führen die Schengen-Kontrollen durch. Der Glücksspielsektor macht beeindruckende 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von Gibraltar aus. In diesem Sektor sind 54 Glücksspielbetreiber lizenziert. Fabian Picardo, der Chief Minister von Gibraltar, sieht darin eine große Chance:

„Das wird für uns eine Weiterentwicklung sein, da wir diese Operation starten. Unternehmen werden nun eine Zunahme an Kundenfrequenz erleben, die nicht durch mögliche Warteschlangen eingeschränkt wird.“ – Fabian Picardo, Chief Minister von Gibraltar

Das Abkommen soll die Grenzabläufe optimieren. Dies ist entscheidend, da Gibraltars Wirtschaft stark von grenzüberschreitenden Arbeitskräften abhängt. Bereiche wie Tourismus, Gastgewerbe und Online-Glücksspiel sind hier besonders betroffen. Zusätzliche Schutzmaßnahmen sind geplant, darunter ein modernes Finanzsystem für die Berufsausbildung. Auch die Koordination bei Sozialversicherungsfragen und der Schutz von Grenzgängern werden verbessert. Trotz der engen Zusammenarbeit betont die Regierung, dass die Souveränität Gibraltars nicht an Spanien übertragen wird.

Hintergrund

Der Brexit löste viele Fragen zur Zukunft Gibraltars aus. Besonders die Glücksspielbranche war besorgt. Viele Mitarbeiter von Glücksspielunternehmen leben in Südspanien und pendeln täglich nach Gibraltar. Dies liegt an den hohen Mietpreisen in Gibraltar. Ein Budget von 1.000 Pfund pro Monat reicht in Gibraltar oft nur für eine Einzimmerwohnung. In Spanien bekommt man dafür leicht eine Drei-Zimmer-Wohnung oder eine kleine Villa am Strand. Selbst 2016 gab es Gerüchte über eine vollständige Grenzschließung. Damals planten die Unternehmen, Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten zu lassen. Andrew Lyman, Executive Director der Gambling Division der Regierung von Gibraltar, sagte dazu, dass die Unsicherheit groß war. Viele Betreiber hatten aber bereits für den schlimmsten Fall vorgeplant. Unternehmen wie Bet365 verlegten Teile ihrer Teams nach Malta. Andere wie William Hill, Ladbrokes Coral und 888 blieben in Gibraltar. John O’Reilly, CEO der Rank Group, drückte die Hoffnung aus, dass „Logik und gesunder Menschenverstand obsiegen.“ Die Glücksspielunternehmen haben erheblich in die Infrastruktur Gibraltars investiert. Gibraltar entwickelte sich vom europäischen Hub zum Hub für das Vereinigte Königreich und Nicht-EU-Märkte. Die Teams konzentrierten sich auf Innovation statt auf operative Dienstleistungen. Diese Anpassungsfähigkeit half, die Auswirkungen des Brexits auf die Branche zu mildern. Der kontinuierliche und starke Rückhalt von Regierung und Regulierungsbehörde war entscheidend.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler, die sich für Online-Glücksspiel interessieren, bedeutet die Entwicklung in Gibraltar zunächst keine direkten Änderungen. Der deutsche Markt wird durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 reguliert. Das bedeutet, dass deutsche Spieler nur in Online-Casinos aktiv sein dürfen, die eine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) besitzen. Casinos mit einer Lizenz aus Gibraltar fallen nicht in diese Kategorie. Sie dürfen ihre Dienste nicht in Deutschland anbieten. Die GGL setzt die strengen Auflagen des Staatsvertrags durch. Spieler auf der GGL-Whitelist profitieren von wichtigen Schutzmaßnahmen. Dazu gehören ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an Spielautomaten. Zudem gibt es ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro, das über das zentrale LUGAS-System überwacht wird. Diese Maßnahmen sollen Spielsucht vorbeugen und verantwortungsvolles Spielen fördern. Eine Öffnung der Grenze in Gibraltar hat also keinen Einfluss auf die rechtliche Situation deutscher Online-Casinos. Spieler sollten sich immer an die GGL-lizenzierte Anbieter halten, um sicher und legal zu wetten. MGA- oder Curacao-Lizenzen bieten diesen in Deutschland erlaubten Schutz nicht.

Was das für GGL-Casinos heißt

Die neue Vereinbarung zwischen Gibraltar und der EU betrifft deutsche GGL-Casinos nicht direkt. Diese Casinos unterliegen den strengen nationalen Vorschriften Deutschlands und nicht den Regelungen aus Gibraltar. Der Fokus der GGL liegt auf dem Schutz der Spieler und der Einhaltung des Glücksspielstaatsvertrags 2021. Die Lizenzierung von Online-Glücksspielanbietern durch die GGL ist an spezifische technische und organisatorische Auflagen gebunden. Hierzu zählen beispielsweise die Anbindung an das übergreifende Sperrsystem OASIS und das Limit-System LUGAS. Eine Erleichterung der Grenzabfertigung in Gibraltar hat weder positive noch negative Auswirkungen auf die deutschen GGL-Casinos. Für sie bleiben die nationalen Gesetze und Vorschriften maßgeblich. Sie müssen weiterhin die Vorgaben der GGL vollständig erfüllen. Diese Entwicklung ist eine regionale Angelegenheit in Südeuropa. Sie hat keinen Einfluss auf die strategische Ausrichtung deutscher Casinos oder die Wettbewerbssituation im regulierten deutschen Online-Glücksspielmarkt.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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