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NagaCorp: Wachstumsprognosen trotzen der VIP-Flaute

9. Juli 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
NagaCorp: Wachstumsprognosen trotzen der VIP-Flaute

NagaCorp, Betreiber des kambodschanischen NagaWorld, soll bis 2027 jährlich ein Wachstum des bereinigten Umsatzes von 3 Prozent bis 8 Prozent erreichen. Dies prognostiziert S&P Global Ratings, trotz anhaltend schwieriger Marktbedingungen.

Die Erholung der Glücksspielbranche in Südostasien nimmt langsam Fahrt auf, doch die Nachwirkungen der Pandemie sind noch immer deutlich spürbar. Besonders im Blickpunkt steht NagaCorp, der Mammut-Betreiber des bekannten NagaWorld Resorts in Kambodscha.

S&P Global Ratings hat nun aktuelle Prognosen veröffentlicht, die ein moderates, aber stetiges Wachstum für das Unternehmen vorhersagen. Es sieht so aus, als würde NagaCorp trotz des Verlusts des einst lukrativen VIP-Geschäfts neue Wege finden, um seine Umsätze zu steigern.

Zahlen und Fakten

S&P Global Ratings rechnet in einem kürzlich veröffentlichten Memo damit, dass NagaCorp, ein an der Börse in Hongkong gelisteter Casino-Betreiber, in den Jahren 2026 und 2027 ein Wachstum des bereinigten Umsatzes von 3 Prozent bis 8 Prozent erzielen wird. Das ist eine wichtige Einschätzung. Bereits in einem Kommentar vom Mai hatte die Ratingagentur ein Gewinnwachstum von etwa 5 Prozent bis 6 Prozent erwartet. Die Firma meldete für 2025 einen Umsatz von 713 Millionen US-Dollar und ein EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von 404 Millionen US-Dollar. Das waren nur 40 Prozent beziehungsweise 60 Prozent der Werte von 2019. Damals, im Jahr 2019, betrugen die Einnahmen 1,8 Milliarden US-Dollar und das EBITDA 667 Millionen US-Dollar. Ein Großteil davon, etwa 70 Prozent des Bruttospielertrags, stammte aus dem VIP-Segment, das hauptsächlich durch sogenannte Junket-Betreiber generiert wurde. Dieses Segment, so die Einschätzung, wird voraussichtlich nicht in vollem Umfang zurückkehren.

NagaCorp verfügt Ende 2025 über einen Barbestand von rund 372 Millionen US-Dollar. Die ausstehenden Verbindlichkeiten umfassten lediglich ein Aktionärsdarlehen von 70 Millionen US-Dollar, das im Mai 2026 fällig wird. S&P Global Ratings prognostiziert für die Jahre 2026 und 2027 ein Schulden-EBITDA-Verhältnis von etwa 0,3x. Die Kapitalausgaben (Capex) des Unternehmens werden auf etwa 170 Millionen US-Dollar im Jahr 2026 geschätzt, bevor sie im Jahr 2027 auf etwa 380 Millionen US-Dollar für das Naga3-Projekt steigen. Jährliche Ausschüttungen an Aktionäre werden mit 100 bis 120 Millionen US-Dollar angesetzt. NagaCorp hat seine Dividenden im Jahr 2025 mit einer Ausschüttungsquote von 30 Prozent wieder aufgenommen.

Hintergrund

Ein wesentlicher Faktor für diese Prognosen ist die robuste Finanzlage von NagaCorp, gestärkt durch eine niedrige Verschuldung und erhebliche Barreserven. Das Unternehmen hat seine Cashflows seit 2022 diszipliniert verwaltet. Dividenden und Kapitalausgaben wurden begrenzt. Die Dividendenzahlungen wurden erst 2025 wieder aufgenommen. Die Einstellung eines Aktionärsfinanzierungsabkommens für das Naga3-Projekt im Dezember 2025 ermöglicht es dem Unternehmen nun, das 3,5 Milliarden US-Dollar teure Projekt neu zu skalieren. Dies könnte entweder hauptsächlich durch interne Cashflows oder durch externe Märkte finanziert werden.

Dennoch gibt es Bedenken bezüglich zukünftiger Investitionen und Ausschüttungen an die Aktionäre. Das Unternehmen könnte aggressive Ausschüttungen vornehmen oder umfangreiche Investitionen in Naga3 tätigen. Dies könnte die Barreserven aufzehren. S&P Global Ratings warnt davor, dass dies die Kreditwürdigkeit des Unternehmens erheblich beeinträchtigen könnte. Unter einem Stress-Szenario könnte das Schulden-EBITDA-Verhältnis von Naga im Jahr 2029 fast 3x erreichen, wenn Dividendenausschüttungen 60 Prozent betragen und 650 Millionen US-Dollar pro Jahr für Capex ausgegeben werden.

„Nagas stärkere Finanzposition bietet ein Abwärtspolster. Das Unternehmen hat eine starke Bilanz aufgebaut, die auf einer geringen Verschuldung und einem beträchtlichen Kassenbestand basiert.“ - S&P Global Ratings, Credit Analyst Report

NagaCorp war früher stark vom VIP-Segment abhängig, das hauptsächlich durch chinesische Junket-Betreiber abgewickelt wurde. Dieses Geschäftsmodell ist nach Regulierungsänderungen in China und der Pandemie stark eingeschränkt. Die Erholung in diesem Bereich dürfte schwierig bleiben. Die aktuellen Prognosen zeigen jedoch, dass das Unternehmen alternative Wachstumsstrategien verfolgt, um diese Lücke zu füllen.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Die Entwicklungen bei einem Casino-Riesen wie NagaCorp in Kambodscha mögen auf den ersten Blick weit entfernt erscheinen. Doch sie sind ein Spiegelbild globaler Trends in der Glücksspielbranche. Ob in Asien oder Europa, die Regulatorik verändert sich rasant. Deutschland hat mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 eine strenge Regulierung eingeführt. Online-Casinos müssen nun eine deutsche Lizenz von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) besitzen. Dies beinhaltet das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Online-Spielautomaten. Auch das zentrale Sperrsystem LUGAS ist ein wichtiger Bestandteil des Spielerschutzes und soll übermäßiges Glücksspiel verhindern. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, ein sicheres und verantwortungsvolles Spielumfeld zu schaffen. Im Gegensatz dazu zeigen die Herausforderungen von NagaCorp, wie stark der Markt von politischer Einflussnahme und globalen Wirtschaftsfaktoren abhängt. Ein regulierter Markt wie in Deutschland soll mehr Stabilität und Sicherheit bieten. Allerdings sind die Rahmenbedingungen hierzulande so streng, dass viele Spieler weiterhin bei Offshore-Anbietern landen, die diese Limits umgehen.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für in Deutschland lizenzierte Online-Casinos bedeutet die Entwicklung bei NagaCorp wenig direkt. Sie sind an die Auflagen der GGL gebunden. Die GGL arbeitet daran, den Markt für GGL-Anbieter attraktiver und fairer zu gestalten. Allerdings sind die Auflagen in Deutschland teils strenger als in anderen europäischen Ländern wie Malta (MGA-Lizenz) oder Gibraltar. Dies führt dazu, dass GGL-Anbieter im Wettbewerb mit illegalen Anbietern stehen, die sich nicht an die strengen Regeln halten. Der Fokus auf Spielerschutz und Transparenz bleibt aber das A und O. Nur so kann langfristig Vertrauen aufgebaut und ein nachhaltiger Online-Glücksspielmarkt in Deutschland etabliert werden. Die deutschen Regelungen zielen darauf ab, extreme Abhängigkeit wie sie bei den VIP-Junkets in Asien auftrat, zu verhindern. Die GGL muss aber auch aufpassen, dass sie die guten Anbieter nicht zu Tode reguliert.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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