Steuerdruck in Europa: Glücksspiel-Riesen flüchten in neue Märkte
KI-GENERIERTSteigende Steuern und strenge Regeln setzen Branchenriesen wie Entain unter Druck. In Großbritannien verdoppelte sich die Abgabe auf 40 Prozent, was einen globalen Strategiewechsel einleitet.
Die goldene Ära des europäischen Online-Glücksspiels scheint ihrem Ende entgegenzugehen, während die großen Akteure der Branche ihre Segel in Richtung Westen und Süden setzen. Was einst als stabiler Heimathafen für Imperien wie Entain, Flutter und Betsson galt, verwandelt sich zunehmend in ein schwieriges Pflaster. Grund dafür ist eine toxische Mischung aus immer strengeren regulatorischen Auflagen und einer steuerlichen Belastung, die in einigen Ländern die Grenze zur Unwirtschaftlichkeit überschreitet. Während die Umsätze in Europa stagnieren, locken neue, frisch regulierte Märkte in Lateinamerika und Afrika mit dynamischem Wachstum.
Besonders deutlich wird diese Entwicklung am Beispiel von Entain. Das Unternehmen, das hinter bekannten Marken wie Bwin steht, musste im Geschäftsjahr 2025 einen statutorischen Verlust vor Steuern von rund 557 Millionen Britischen Pfund hinnehmen. Zwar stieg das bereinigte EBITDA auf 1,16 Milliarden Pfund, doch die Altlasten und vor allem die neuen steuerlichen Rahmenbedingungen in Großbritannien lasten schwer auf der Bilanz. Ab April 2026 sah sich Entain mit einer Verdopplung der Remote Gaming Duty von 21 auf 40 Prozent konfrontiert. Solche Sprünge lassen sich kaum durch Effizienzsteigerungen auffangen, weshalb das Unternehmen bereits im Juli den Abbau von 500 Stellen weltweit bestätigte.
Zahlen und Fakten
Die steuerliche Belastung ist kein rein britisches Phänomen. In Frankreich liegt die Besteuerung des Gross Gaming Revenue (GGR) inzwischen bei über 59 Prozent. Italien verlangt für neue Online-Konzessionen Lizenzgebühren in Höhe von 7 Millionen Euro, und die Niederlande haben die Glücksspielsteuern seit 2024 bereits dreimal angehoben. James Kilsby, Chefanalyst bei Vixio, betont den globalen Wandel:
„Vor 2018 war der regulierte Online-Glücksspielmarkt stark eurozentriert, aber die Legalisierung von Sportwetten und iGaming in verschiedenen US-Bundesstaaten sowie in Ontario und Brasilien fiel mit strengeren Regulierungen in europäischen Ländern zusammen, was das Wachstum in vielen Fällen einschränkte." - James Kilsby, Chief Analyst bei Vixio
Bis zum Jahr 2028 prognostiziert Vixio für die regulierten Märkte in den USA, Kanada und Lateinamerika ein Volumen von 56,3 Milliarden US-Dollar. Damit würde die Region mit Europa gleichziehen oder den alten Kontinent sogar überholen. Entain hat auf diese Entwicklung reagiert und seine Präsenz in Märkten, die sich noch in der Grauzone befinden, drastisch reduziert, während Brasilien als absoluter Pflichtmarkt deklariert wurde. Dort wurde der Online-Markt im Januar des Vorjahres offiziell reguliert.
Hintergrund
Neben den Steuern verändert auch der Wettbewerb durch neue Plattformen das Geschäft. Sogenannte Prediction Markets, also Prognosemärkte, knabbern zunehmend an den Volumina klassischer Sportwetten. Konkurrenten wie Flutter schätzen die Auswirkungen der britischen Steueränderungen auf ihr bereinigtes EBITDA für das Geschäftsjahr 2026 auf 240 Millionen Pfund, ein Betrag, der im Folgejahr sogar auf 405 Millionen Pfund ansteigen könnte. Gleichzeitig liefert die US-Marke FanDül mittlerweile den größten Umsatzbeitrag für die Gruppe, was die geografische Verschiebung der Prioritäten unterstreicht.
Auch Betsson meldet Rekorde aus Lateinamerika. Im zweiten Quartal 2026 wuchs der Umsatz dort um 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und macht nun mehr als ein Drittel der Gesamteinnahmen aus. CEO Pontus Lindwall verfolgt eine langfristige Strategie. Er investiert in B2C-Märkte, die aktuell noch keine Gewinne abwerfen, in der festen Überzeugung, dass der heutige Druck die Basis für das Wachstum von morgen bildet. Neben Lateinamerika rückt Afrika als neuer Hoffnungsträger in den Fokus. Länder wie Nigeria, Kenia und Südafrika locken mit einer jungen, mobil-affinen Bevölkerung. Vixio erwartet für den afrikanischen Markt zwischen 2025 und 2028 ein Wachstum von etwa 48 Prozent.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Kunden bedeutet dieser globale Trend vor allem eines: Der heimische Markt wird für große Betreiber immer weniger attraktiv, was den Fokus auf Effizienz und strikte Einhaltung der Regeln schärft. In Deutschland gilt seit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 ein strenges Regime. Dazu gehören das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat sowie das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spielrunde an virtuellen Automaten. Diese Maßnahmen werden über das zentrale LUGAS-System überwacht.
Da Deutschland den Umsatz und nicht den Bruttospielertrag (GGR) besteuert, ist der Margendruck hierzulande ähnlich hoch wie in den anderen europäischen Problemzonen. Spieler sollten darauf achten, ausschließlich bei Anbietern zu spielen, die auf der offiziellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen. Nur diese Anbieter garantieren den Schutz durch deutsche Gesetze und den Anschluss an das Spielersperrsystem OASIS. Die Abwanderung großer Konzerne in ferne Märkte könnte mittelfristig dazu führen, dass das Bonusangebot in Europa schrumpft, während in Brasilien oder den USA aggressive Marketingkampagnen gefahren werden.
Was das für GGL-Casinos heißt
Casinos mit einer Lizenz der GGL stehen vor der Herausforderung, in einem Hochsteuerland profitabel zu bleiben. Während Betreiber wie Entain oder Betsson ihre Gewinne zunehmend in Übersee erwirtschaften, dient das Deutschlandgeschäft oft nur noch als defensiver Marktanteil. Der hohe Regulierungsaufwand durch LUGAS und die Steuerlast auf jeden einzelnen Einsatz erschweren es, gegen den illegalen Schwarzmarkt aus Curacao oder Malta zu bestehen, der diese Kosten nicht trägt. Die GGL muss daher ihre Bemühungen im Enforcement verstärken, um sicherzustellen, dass die legalen Anbieter nicht durch den Steuerdruck aus dem Markt gedrängt werden, was letztlich den Spielerschutz untergraben würde.
Häufige Fragen
Warum verlassen viele Glücksspielanbieter Europa?
Steigende Steuern, wie die Erhöhung auf 40 Prozent in Großbritannien, und immer strengere Regeln machen das Geschäft weniger profitabel. Gleichzeitig bieten neu regulierte Märkte in Lateinamerika und Afrika deutlich höhere Wachstumschancen.
Wie entwickeln sich die Steuern für Online-Glücksspiel in Europa?
In Ländern wie Frankreich liegt die Steuer auf den Bruttospielertrag bereits bei über 59 Prozent, während Italien hohe Lizenzgebühren von 7 Millionen Euro verlangt. Die Niederlande haben ihre Sätze seit 2024 bereits dreimal angehoben.
Welche Märkte gelten als die Zukunft der Branche?
Vor allem Brasilien, das seinen Markt im Januar 2025 öffnete, sowie afrikanische Staaten wie Nigeria und Südafrika stehen im Fokus. Es wird erwartet, dass der amerikanische Markt bis 2028 ein Volumen von über 56 Milliarden US-Dollar erreicht.
Was müssen Spieler in Deutschland beim Online-Glücksspiel beachten?
In Deutschland ist das Spiel nur bei Anbietern legal, die eine Lizenz der GGL besitzen und auf der offiziellen Whitelist stehen. Es gelten strenge Limits wie die 1.000-Euro-Einzahlungsgrenze und das 1-Euro-Einsatzlimit pro Spin zur Suchtprävention.
Teilen
Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
Whitelist erlaubter Online-Anbieter
Redaktionsrichtlinien Lustich.de
BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700
Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).
Diesen Artikel in 15 Sprachen lesen
Verwandte Themen
Weiterführende Artikel
KI-GENERIERTNapoleon Games übernimmt Brüsseler Vorzeige-Casino für 750 Millionen Euro
Der Betreiber Napoleon Games sichert sich die Konzession für das Grand Casino Brussels bis 2041 und verdrängt damit den langjährigen Betreiber Viage nach 15 Jahren.
KI-GENERIERTRaketech im Aufwind: Fußball-Weltmeisterschaft rettet das zweite Quartal
Trotz eines Rückgangs auf 5,6 Millionen Euro Umsatz im Jahresvergleich blickt Raketech positiv in die Zukunft. Die FIFA WM und die AffiliationCloud sorgten für wichtige Impulse im zweiten Quartal.
KI-GENERIERTGlücksspielmarkt in Portugal wächst: 328 Millionen Euro im zweiten Quartal 2026
Der portugiesische Online-Glücksspielmarkt verzeichnete im zweiten Quartal 2026 einen Bruttospielertrag von 328,2 Millionen Euro bei 248.400 Neuregistrierungen.










