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Kalshi und ADI Predictstreet: Mehr Schein als Sein bei WM-Partnerschaft?

8. Juli 20267 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Kalshi und ADI Predictstreet: Mehr Schein als Sein bei WM-Partnerschaft?

Die Zusammenarbeit von Kalshi und ADI Predictstreet zur Fußball-WM 2026 ist weniger tiefgreifend als bisher angenommen. ADI Predictstreet lockte auf seinem Markt zum Spiel USA gegen Belgien nur 422.491 US-Dollar an Volumen an, während Kalshi 17,3 Millionen US-Dollar verzeichnete.

Die Berichte über eine weitreichende Partnerschaft zwischen den Prediction-Market-Plattformen Kalshi und ADI Predictstreet zur Fußball-Weltmeisterschaft 2026 waren offenbar überzogen. Entgegen Darstellungen in der New York Times und Bloomberg dementiert Kalshi eine tiefgreifende Verflechtung. Die Wahrheit scheint in der Mitte zu liegen. Es geht wohl eher um eine geschickte Marketing-Strategie.

Kalshi stellte klar, dass man weder Liquidität für ADI Predictstreet bereitstelle noch in die ADI Chain investiere. Jede zukünftige Nutzung der Kalshi-Märkte durch ADI sei lediglich eine Möglichkeit, aber keine bereits bestehende Vereinbarung. Diese Klarstellung kommt, nachdem einige Medien fälschlicherweise annahmen, Kalshi würde ADI Predictstreet mit den notwendigen Mitteln versorgen, um dessen geringes Handelsvolumen zu adressieren.

Zahlen und Fakten

Ein wesentlicher Punkt der Missverständnisse betrifft das sogenannte Market-Making und Order-Flow. Market-Making bedeutet, direkt Liquidität auf Kauf- und Verkaufsseiten bereitzustellen. Order-Flow-Routing hingegen leitet Nutzer zu einer anderen Plattform um, ohne selbst Liquidität zu stellen. Kalshi dementiert, Market-Making für ADI Predictstreet zu betreiben. Auch ein Order-Flow-Routing, wie von der New York Times berichtet, findet laut Kalshi aktuell nicht statt, könnte aber zukünftig eine Option sein. Elisabeth Diana, Kalshis Kommunikationschefin, äußerte sich dazu:

„Die Erwähnung der NYT ist, dass wir ADI in Zukunft möglicherweise erlauben könnten, unsere Märkte für ihr Volumen zu nutzen – ähnlich wie Coinbase und Robinhood.“ - Elisabeth Diana, Kommunikationschefin bei Kalshi

Die reine Zahlen sprechen Bände über die unterschiedliche Reichweite der beiden Plattformen. Zum WM-Viertelfinale zwischen den USA und Belgien zog ADI Predictstreet lediglich ein Volumen von 422.491 US-Dollar an, während Kalshi für denselben Markt beachtliche 17,3 Millionen US-Dollar verzeichnen konnte. Auch bei den kumulierten Wetten auf den Weltmeister gab es am 26. Juni 2026 eine eklatante Diskrepanz: ADI Predictstreet erreichte 58.600 US-Dollar, Kalshi über 583 Millionen US-Dollar. Dies unterstreicht, wie dringend ADI Predictstreet Momentum und Nutzer braucht.

ADI Predictstreet hat angeblich 150 Millionen US-Dollar investiert, um FIFA World Cup-Sponsor zu werden. Kalshi hingegen zahlte mutmaßlich nur 20 Millionen US-Dollar für die Co-Branding-Partnerschaft. Ein deutlicher Preisunterschied für eine Zusammenarbeit, die für ADI Predictstreet bisher nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat.

Ein weiterer Aspekt ist die zugrunde liegende Technologie: ADI Predictstreet nutzt für die dezentrale Abrechnung ihrer Event-Verträge die ein Jahr alte ADI Chain Blockchain. Die native Währung der Blockchain, der ADI Coin, hat eine Marktkapitalisierung von 204 Millionen US-Dollar mit einem 24-Stunden-Volumen von 5,15 Millionen US-Dollar. Die On-Chain-Aktivität ist eher niedrig, was auf verstärkte Spekulation hindeutet.

Hintergrund

Die Partnerschaft, die in Wirklichkeit eher eine Co-Branding-Kooperation zu sein scheint, verdeutlicht die unterschiedlichen Stärken und Bedürfnisse der beiden Unternehmen. Macquarie Capital-Analyst Chad Beynon fasst es treffend zusammen:

„Wir denken, diese Partnerschaft sagt mehr über ADIs Liquiditätsbedarf aus als über Kalshis Marketingbedarf.“ - Chad Beynon, Leiter der US-Forschung bei Macquarie Capital

Beynon vermutet, dass ADI Predictstreet zwar ein wertvolles Asset – die FIFA-Rechte – erworben hat, es aber an einer Nutzerbasis und Liquidität mangelt, um dieses voll auszuschöpfen. Kalshi hingegen verfügt über reichlich Liquidität und Dynamik, aber keine direkte FIFA-Beziehung. Diese Komplementarität bildete die Grundlage für die Zusammenarbeit. Für den Moment scheint Kalshi der klare Gewinner zu sein, da das Unternehmen zu einem günstigen Preis eine enorme Marketingreichweite erzielt hat. Langfristig hängt der Erfolg von ADI Predictstreet davon ab, ob sich diese Beziehung zu einer echten Liquiditätsteilung und Infrastrukturintegration entwickelt, statt nur eine Marketingvereinbarung zu bleiben.

Es ist bekannt, dass ADI Predictstreet und ADI Chain Teil der International Holding Co. sind, die unter der Führung von Scheich Tahnoon bin Zayed Al Nahyan steht. Dieser leitet auch den Staatsfonds Abu Dhabi Investment Authority (ADIA) mit Vermögenswerten von 1 Billion US-Dollar. Dies deutet darauf hin, dass ADI Predictstreet möglicherweise ein langfristiges Spiel spielt, um Nutzer und Liquidität aufzubauen, auch wenn die anfänglichen Volumina enttäuschen.

Die Plattform erhielt ihre Glücksspiellizenz erst im April dieses Jahres von Gibraltar. Das britische Überseegebiet war damit der erste Standort, der einen Prediction Market wie ADI Predictstreet lizenziert hat. Trotzdem scheint ADI Predictstreet derzeit mit geringen Zahlen zu kämpfen. Das internationale Projekt hat aber schon den deutschen Regulierer auf den Plan gerufen. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) hat eine offizielle Untersuchung der Werbepraktiken von ADI Predictstreet während der Weltmeisterschaft eingeleitet. Die Plattform besitzt keine deutsche Lizenz. Ihre Präsenz wird als potenzieller Verstoß gegen die Glücksspielgesetze und Werbevorschriften in Deutschland angesehen.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler bedeutet diese Entwicklung, dass sie weiterhin auf zugelassene und regulierte Anbieter achten müssen. ADI Predictstreet, auch wenn es international für Aufsehen sorgt, ist in Deutschland nicht lizenziert. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) legt klare Regeln für Online-Glücksspiele fest. Anbieter benötigen eine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL), um legal am deutschen Markt agieren zu dürfen. Diese Lizenzen sind an strenge Auflagen gebunden, die dem Spielerschutz dienen.

Dazu gehören beispielsweise ein Einzahlungslimit von maximal 1.000 Euro pro Monat, das über das zentrale Limit-System LUGAS überwacht wird. Auch das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an Spielautomaten in Online-Casinos ist eine solche Maßnahme. Deutsche Spieler sollten die Whitelist der GGL konsultieren, um sicherzustellen, dass sie bei einem legalen und sicheren Anbieter spielen. Das Spielen bei unlizenzierten Anbietern birgt erhebliche Risiken, da diese nicht den deutschen Verbraucherschutzrichtlinien unterliegen und im Streitfall keine rechtliche Handhabe besteht.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für GGL-lizenzierte Casinos und Wettanbieter in Deutschland bedeutet der Fall ADI Predictstreet eine Bestätigung des strengen Regulierungsrahmens. Die GGL zeigt mit ihrer Untersuchung, dass sie aktiv gegen unlizenzierte Werbung und Angebote vorgeht. Dies schafft Vertrauen bei den Spielern, die sich an die legalen Anbieter halten. Gleichzeitig erhöht es den Druck auf Unternehmen, die versuchen, den deutschen Markt ohne gültige Lizenz zu betreten. Die Transparenz und die strikte Einhaltung der Regeln sind für GGL-Casinos von größter Bedeutung, um ihre Lizenzen zu behalten und das Vertrauen ihrer Kunden zu wahren. Der Fokus auf Spielerschutz und Regulierung in Deutschland bleibt hoch, was für etablierte und seriöse Anbieter von Vorteil ist.

Quellen & weiterführende Links

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