Philippinen planen Totalverbot für Glücksspielwerbung wie bei Tabakwaren

Senator Francis Escudero fordert ein komplettes Werbeverbot für Glücksspiele auf den Philippinen. Bei Verstößen drohen bis zu 500.000 Pesos Strafe.
In den Philippinen braut sich für die Glücksspielindustrie ein massiver Sturm zusammen. Senator Francis Escudero treibt derzeit einen Gesetzentwurf voran, der die Branche in ihren Grundfesten erschüttern könnte. Sein Ziel ist ein totales Werbeverbot, das alle Kanäle umfasst. Damit orientiert er sich an den strengen Regeln für die Tabakindustrie, die bereits seit dem Jahr 2008 in Kraft sind. Es ist ein radikaler Schritt, der zeigt, wie sehr der politische Druck auf Anbieter von Online-Wetten und Casinos wächst. Escudero argumentiert, dass es an der Zeit sei, den Schutz von Minderjährigen und gefährdeten Personen über die finanziellen Interessen der Konzerne zu stellen.
Die vorgeschlagene Senate Bill 2347 sieht vor, dass jegliche Form von Werbung im Fernsehen, Radio, in Printmedien sowie online und in sozialen Netzwerken untersagt wird. Besonders brisant ist das geplante Verbot von Kooperationen mit Influencern und die Nutzung von prominenten Werbegesichtern. Wer gegen diese Auflagen verstößt, muss mit drakonischen Strafen rechnen. Die Rede ist von Geldstrafe von bis zu 500.000 Pesos und Haftstrafen von bis zu drei Jahren. Damit wird deutlich, dass die Regierung den Kampf gegen die Spielsucht nicht nur als Lippenbekenntnis versteht, sondern hart durchgreifen will.
Zahlen und Fakten
Die wirtschaftliche Lage der Branche auf den Philippinen ist ohnehin bereits angespannt. Die Regulierungsbehörde PAGCOR meldete für das erste Halbjahr 2025 einen Umsatzrückgang von 27 Prozent auf 38,9 Milliarden Pesos, was etwa 472,3 Millionen Britischen Pfund entspricht. Besonders hart traf es den Bereich iGaming, dessen Einnahmen um 41,85 Prozent einbrachen. Inmitten dieser Krise kommt der Vorstoß von Escudero zur Unzeit für die Betreiber.
„Diese Maßnahme zielt darauf ab, ein verantwortlicheres Spielumfeld zu schaffen, das Minderjährige und ähnlich schutzbedürftige Personen schützt, informierte Verbraucherentscheidungen fördert und das öffentliche Interesse vorantreibt.“ - Francis Escudero, Senator der Philippinen
Auch Alejandro Tengco, der Chef der PAGCOR, signalisierte bereits Diskussionsbereitschaft. Die Behörde experimentierte zuvor mit einem Werbeverbot während der Hauptsendezeit zwischen 17.30 Uhr und 20.30 Uhr. Doch das reicht den Kritikern nicht mehr aus. Senator Juan Miguel Zubiri, der bereits 2025 den Anti-Online Gambling Act einbrachte, bezeichnete die Spielsucht als „sozialen Krebs“, der das Land zerfresse. Er forderte sogar ein komplettes Verbot aller digitalen Plattformen.
Hintergrund
Der Kampf um die Regulierung ist auf den Philippinen auch eine Debatte über Steuereinnahmen versus soziale Kosten. Während das iGaming im ersten Quartal 2025 noch rund 47 Milliarden Pesos generierte, warnen Politiker wie Zubiri vor steigenden Kriminalitätsraten und massiver Verschuldung der Bürger. Präsident Ferdinand Marcos Jr. wägt derzeit verschiedene Optionen ab. Eine davon ist die House Bill 1351, der sogenannte Kontra e-Sugal Act. Dieser sieht eine Steuer von 10 Prozent auf Online-Glücksspielerträge vor, um Hilfsprogramme für Spielsüchtige zu finanzieren. Zudem sollen E-Wallets für Transaktionen gesperrt und Kreditkartenzahlungen massiv eingeschränkt werden.
Zubiri betonte jedoch, dass der Widerstand der Branche groß sei. Hinter den Unternehmen stünden „sehr reiche und mächtige“ Personen, die ihren Einfluss geltend machen werden. Es bleibt abzuwarten, ob sich die strengen Werbeverbote durchsetzen können, da das Gesetz von Zubiri beispielsweise seit Juli 2025 in den Ausschüssen feststeckt. Dennoch ist der Trend klar: Die Zeit der unregulierten Goldgräberstimmung scheint vorbei zu sein.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler hat diese Entwicklung eine indirekte, aber wichtige Bedeutung. Wer auf Seiten spielt, die keine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) besitzen, setzt sich ähnlichen Risiken aus, wie sie nun auf den Philippinen bekämpft werden. In Deutschland ist der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) das Maß aller Dinge. Er schreibt klare Grenzen vor, wie das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über alle Anbieter hinweg, das durch das LUGAS-System überwacht wird. Werbeverbote sind hierzulande ebenfalls streng geregelt, insbesondere im Fernsehen und Internet zwischen 6.000 und 21.000 Uhr für virtuelle Automatenspiele.
Deutsche Spieler sollten ausschließlich in Casinos mit GGL-Zertifikat spielen. Hier ist der Jugendschutz durch Identitätsprüfungen und der Spielerschutz durch das OASIS-Sperrsystem gewährleistet. Anbieter aus Übersee oder mit Lizenzen aus Curacao bieten oft keine vergleichbare Sicherheit und nutzen aggressive Werbemethoden, die in Deutschland untersagt sind. Die Debatte auf den Philippinen zeigt, dass selbst liberale Märkte nun erkennen, dass ohne harte Regeln der soziale Frieden gefährdet ist. In Deutschland schützt das 1 Euro Einsatzlimit pro Spin zusätzlich vor schnellen, unkontrollierten Verlusten.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Betreiber mit einer deutschen Lizenz ist die Nachricht aus Asien eine Bestätigung ihres Geschäftsmodells. Während Märkte wie die Philippinen erst jetzt mühsam versuchen, Werbeeinschränkungen und Steuererhöhungen durchzudrücken, arbeiten deutsche Unternehmen bereits in einem hochregulierten Umfeld. Die GGL-Whitelist bietet Rechtssicherheit. Wer sich an die Regeln des GlüStV 2021 hält, muss keine plötzlichen Blackouts oder drakonischen Haftstrafen fürchten, wie sie Senator Escudero nun vorschlägt. Die Fokussierung auf Verantwortung statt auf massives Marketing mit Prominenten ist in Deutschland längst Realität und sichert langfristig die Stabilität des Marktes.
Häufige Fragen
Warum fordert Senator Escudero ein Werbeverbot für Glücksspiel?
Er möchte Minderjährige und gefährdete Personen vor Spielsucht schützen. Als Vorbild dient das Tabakwerbeverbot, das auf den Philippinen seit 2008 in Kraft ist.
Welche Strafen drohen bei Verstößen gegen das geplante Gesetz?
Anbieter müssen mit Bußgeldern von bis zu 500.000 Pesos rechnen. Zusätzlich sieht der Entwurf Haftstrafen von bis zu drei Jahren für Verantwortliche vor.
Wie haben sich die Umsätze im philippinischen iGaming entwickelt?
Die Einnahmen sind im ersten Halbjahr 2025 massiv eingebrochen. Laut PAGCOR sank der Umsatz im Bereich iGaming um 41,85 Prozent auf 38,9 Milliarden Pesos.
Was ist der Kontra e-Sugal Act?
Dies ist ein konkurrierender Gesetzentwurf, der eine 10-prozentige Steuer auf Online-Glücksspiele vorsieht. Das Geld soll direkt in Programme zur Bekämpfung von Spielsucht fließen.
Sind diese strengen Regeln mit der Lage in Deutschland vergleichbar?
Ja, in Deutschland regelt der GlüStV 2021 Werbung bereits sehr streng, um Suchtprävention zu leisten. Deutsche Spieler sind durch LUGAS und OASIS sowie das 1 Euro Einsatzlimit deutlich besser geschützt als auf unregulierten Auslandsmärkten.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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