Niederlage für Richard Desmond: Gericht weist Berufung gegen Lotterie-Lizenz ab

Der Streit um die 4. staatliche Lotterie-Lizenz in England ist beendet. Das Gericht wies Ansprüche über 1,3 Milliarden Pfund gegen die Gambling Commission endgültig ab.
Das rechtliche Tauziehen um eine der lukrativsten öffentlichen Ausschreibungen in Europa hat ein Ende gefunden. Der Court of Appeal in Großbritannien hat den Antrag auf Berufung der Firmen Northern & Shell sowie The New Lottery Company (TNLC) abgelehnt. Damit bleibt das Urteil des High Court aus dem April 2026 bestehen, welches die Klagen gegen die britische Glücksspielaufsicht, die Gambling Commission, vollumfänglich abgewiesen hatte. Es ging im Kern um die Vergabe der vierten Lizenz für die National Lottery, beziehungsweise um die Behauptung, das Auswahlverfahren sei fehlerhaft verlaufen.
Die Kläger, allen voran der Medienmogul Richard Desmond, hatten versucht, die Entscheidung der Aufsichtsbehörde anzufechten. Sie argumentierten, dass die Gambling Commission bei der Bewertung der Gebote für die auf zehn Jahre ausgelegte Lizenz manifestierte Fehler begangen habe. Doch die Richter am Berufungsgericht sahen das anders. Lord Justice Coulson stellte klar, dass die Chancen auf einen Erfolg der Berufung verschwindend gering seien. Zudem habe TNLC in praktischer Hinsicht keinen tatsächlichen Verlust erlitten, der eine solche Klage rechtfertigen würde.
Zahlen und Fakten
Die Dimensionen dieses Rechtsstreits sind gewaltig. Die National Lottery wurde im Jahr 1994 ins Leben gerufen und gilt als eine der größten Lotterien weltweit. Seit ihrem Bestehen wurden mehr als 52 Milliarden Pfund (einige Quellen sprechen von bis zu 53 Milliarden Pfund) für über 670.000 gute Zwecke im gesamten Vereinigten Königreich gesammelt. Der Wert des Vertrags für die vierte Lizenzperiode wird auf rund 6,5 Milliarden Pfund geschätzt. Richard Desmond forderte ursprünglich bis zu 1,3 Milliarden Pfund an Schadensersatz, um hypothetische entgangene Einnahmen auszugleichen.
Die Kosten für das Verfahren waren ebenfalls immens. Schätzungen zufolge beliefen sich die Rechtskosten für Desmonds Unternehmen bereits im Mai des vergangenen Jahres auf etwa 55 Millionen Pfund. In seinem Urteil kritisierte das Gericht auch die Prozessführung der Klägerseite. Mrs. Justice Joanna Smith, die den Fall am High Court verhandelte, bezeichnete die Versuche, Argumente in letzter Sekunde zu ändern oder fallen zu lassen, als unentschuldbar.
Hintergrund
Der Konflikt begann bereits im Jahr 2022, als die Gambling Commission den Zuschlag für die vierte Lizenz an Allwyn gab, ein Unternehmen des tschechischen Milliardärs Karel Komárek. Zuvor war die Lizenz jahrzehntelang im Besitz von Camelot. Desmonds TNLC war leer ausgegangen und fühlte sich benachteiligt. Die Kläger warfen der Kommission vor, unzulässige Änderungen am Lizenzvertrag nach Abschluss des Wettbewerbs vorgenommen zu haben. Ein Sprecher der Gambling Commission reagierte erleichtert auf die aktuelle Entscheidung des Berufungsgerichts:
„Dies ist eine wichtige Entscheidung für den Betrieb der National Lottery, die wir begrüßen. Die Gambling Commission hat einen fairen und robusten Wettbewerb für die Vergabe der vierten Lizenz durchgeführt. Keine der beanstandeten Änderungen an der Lizenz im Zuge ihrer Umsetzung war wesentlich oder verstieß gegen die einschlägigen Vergabevorschriften." - Sprecher der Gambling Commission
Durch das Urteil kann Allwyn nun ohne weitere Störungen durch langwierige Gerichtsprozesse in die Lotterie investieren. Das Ziel der Aufsicht bleibt es, das Spiel zum Wohle der Teilnehmer und der geförderten Projekte zu regulieren. Die Entscheidung unterstreicht die Integrität der britischen Behörden in komplexen Vergabeverfahren.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler hat dieses Urteil keine direkten Auswirkungen auf die Teilnahme an hiesigen Lotterien wie Lotto 6aus49 oder den Eurojackpot. Dennoch zeigt der Fall, wie wichtig eine stabile staatliche Regulierung ist. In Deutschland unterliegt das Glücksspiel dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021), der durch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) durchgesetzt wird. Ähnlich wie die britische Aufsicht achtet die GGL streng darauf, dass nur lizensierte Anbieter auf dem Markt agieren.
Deutsche Nutzer sollten darauf achten, ausschließlich bei Anbietern zu spielen, die auf der sogenannten Whitelist der GGL stehen. Dort gelten strenge Spielerschutzregeln, wie das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro über das LUGAS-System sowie ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Online-Slots. Solche klaren rechtlichen Rahmenbedingungen verhindern in der Regel solch langwierige Schadensersatzklagen privater Akteure gegen den Staat, da die Vergabeprozesse für Konzessionen im deutschen Recht sehr präzise definiert sind.
Was das für GGL-Casinos heißt
Casinos mit einer deutschen Konzession profitieren indirekt von solchen Urteilen in anderen europäischen Ländern. Es stärkt die Position der Regulierungsbehörden. Wenn staatliche Aufsichten wie die GGL oder die UKGC rechtlich als standhaft bestätigt werden, erhöht das das Vertrauen der legalen Betreiber in den Standort. Ein fairer Wettbewerb ohne die Schattenwirtschaft von MGA- oder Curacao-Anbietern ist das Ziel. Deutsche Lizenznehmer müssen sich zwar an harte Regeln halten, genießen im Gegenzug aber die Rechtssicherheit einer staatlich geprüften Lizenz, die auch vor willkürlichen Klagen unbeteiligter Dritter schützt.
Häufige Fragen
Wer hat die Klage gegen die Gambling Commission verloren?
Die Unternehmen The New Lottery Company (TNLC) und Northern & Shell unter der Führung von Richard Desmond verloren den Prozess. Das Berufungsgericht wies ihre Anträge gegen die Lizenzvergabe der National Lottery endgültig ab.
Warum wurde die vierte Lizenz an Allwyn vergeben?
Laut der Gambling Commission wurde ein fairer und robuster Wettbewerb durchgeführt, bei dem Allwyn das beste Angebot abgab. Das Gericht bestätigte, dass keine Änderungen am Vertrag gegen geltendes Recht verstießen.
Wie viel Geld wurde bisher durch die Lotterie für gute Zwecke gesammelt?
Seit der Gründung im Jahr 1994 wurden über 52 Milliarden Pfund für mehr als 670.000 gemeinnützige Projekte gesammelt. Die Lotterie zählt damit zu den größten der Welt.
Wie hoch waren die Schadensersatzforderungen von Richard Desmond?
Die Kläger forderten bis zu 1,3 Milliarden Pfund als Entschädigung für angeblich entgangene Gewinne. Zudem investierte die Klägerseite geschätzte 55 Millionen Pfund in ihre eigenen Rechtskosten.
Was bedeutet dieses Urteil für das Vertrauen in Glücksspielbehörden?
Die Entscheidung stärkt die Position staatlicher Regulatoren wie der Gambling Commission oder der deutschen GGL. Sie zeigt, dass komplexe Lizenzvergaben vor Gericht Bestand haben, wenn sie transparent ablaufen.
Sind deutsche Lizenzen der GGL ähnlich sicher wie die britische Lotterielizenz?
Ja, der deutsche Glücksspielstaatsvertrag 2021 bietet einen rechtlich verbindlichen Rahmen für Anbieter und Spieler. Durch Systeme wie LUGAS und die GGL-Whitelist wird sichergestellt, dass der Spielerschutz und faire Wettbewerbsregeln in Deutschland höchste Priorität haben.
Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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