New York verklagt Kalshi auf 36 Milliarden Dollar wegen illegalen Glücksspiels

Die Generalstaatsanwältin Letitia James geht hart gegen die Prognoseplattform Kalshi vor. Gefordert werden 36 Milliarden Dollar Schadensersatz wegen nicht lizenzierter Sportwetten.
In den USA braut sich ein gewaltiger Rechtsstreit zusammen, der die gesamte Branche der Prognosemärkte erschüttern könnte. New York hat eine Klage gegen das Unternehmen Kalshi eingereicht, die es in sich hat. Die Generalstaatsanwältin Letitia James wirft der Plattform vor, ohne die notwendigen Lizenzen als Glücksspielanbieter aufgetreten zu sein. Es geht dabei nicht um Kleinigkeiten, sondern um eine geforderte Schadensersatzsumme von mindestens 36 Milliarden US-Dollar. Die Klageschrift umfasst acht Punkte, darunter Verstöße gegen das verfassungsmäßige Glücksspielverbot des Staates New York, Buchmachereigesetze sowie den Bundes-Wire-Act. Es ist ein deutliches Signal an alle Anbieter, die versuchen, die strengen Regeln des legalen Marktes zu umgehen.
Die Vorwürfe wiegen schwer, da Kalshi laut den Ermittlern nicht nur regulatorische Hürden ignoriert, sondern auch aktiv gegen Jugendschutzbestimmungen verstoßen haben soll. Während in New York das Mindestalter für Glücksspiele bei 21 Jahren liegt, soll Kalshi bereits Nutzern ab 18 Jahren die Eröffnung von Konten ermöglicht haben. Besonders pikant ist der Vorwurf, dass auf der Plattform Wetten auf Spiele von College-Teams aus New York angeboten wurden. Solche Wetten sind selbst für lizenzierten Sportwettenanbieter im Bundesstaat strikt untersagt. Die Generalstaatsanwältin betonte, dass die Schadensersatzforderungen sogar noch steigen könnten, sobald eine vollständige Abrechnung der Einnahmen von Kalshi vorliegt.
Zahlen und Fakten
Die finanziellen Dimensionen des Falls sind gigantisch. New York fordert mindestens das Dreifache der Gewinne des Unternehmens sowie eine Strafe von 100.000 US-Dollar für jedes einzelne Sportwettenangebot, das in New York gemacht wurde. Kalshi selbst wird in der Klageschrift auf einen Wert von 22 Milliarden US-Dollar geschätzt, bei einem jährlichen Handelsvolumen von etwa 178 Milliarden US-Dollar. Um die Vorwürfe zu untermauern, führten staatliche Ermittler Testwetten durch. Dabei platzierten sie im April vier Kontrakte auf einen Sieg von Connecticut gegen Michigan für einen Gesamtbetrag von 1,14 US-Dollar inklusive Gebühren.
Die Gouverneurin von New York, Kathy Hochul, stellte sich demonstrativ hinter die juristischen Schritte gegen das Unternehmen. Sie machte deutlich, dass Regeln für alle gelten müssen, um den Schutz der Bürger zu gewährleisten.
„Kalshi hat sich dazu entschieden, die Glücksspielgesetze von New York zu ignorieren, die existieren, um Verbraucher zu schützen, problematisches Glücksspiel zu verhindern, Mittel für kritische öffentliche Dienste bereitzustellen und sicherzustellen, dass jedes Unternehmen nach denselben Regeln spielt.“ - Kathy Hochul, Gouverneurin von New York
Hintergrund
Der Fall Kalshi ist eingebettet in eine größere Debatte über die Zuständigkeiten der US-Behörden. Nur einen Tag vor der Klage hatte die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) ein Bundesgericht gebeten, New York daran zu hindern, zivil- oder strafrechtliche Maßnahmen gegen Kalshi oder andere registrierte Plattformen für Ereigniskontrakte zu ergreifen. Die CFTC vertritt den Standpunkt, dass sie die exklusive Autorität zur Regulierung solcher Anbieter besitzt. Kalshi hat bereits in anderen Bundesstaaten wie Michigan und Washington Niederlagen vor Gericht einstecken müssen. Erfolge gab es hingegen in New Jersey und Minnesota, wo Verbote vorerst blockiert wurden.
Interessanterweise vergleicht Letitia James ihr Vorgehen gegen Kalshi mit früheren Durchsetzungsmaßnahmen gegen Kryptowährungsfirmen wie Coinbase und Gemini. Es zeigt sich ein Muster: Der Staat New York greift hart durch, wenn Finanz- oder Glücksspielprodukte ohne lokale Lizenz an seine Bürger vertrieben werden. Während Las Vegas und Macau nach der Pandemie wieder Rekordumsätze melden, wie etwa Macaus Anstieg um 366 Prozent im Mai 2023 im Vergleich zum Vorjahr, zeigt der Fall Kalshi die Kehrseite des Marktwachstums, wenn Anbieter sich außerhalb des legalen Rahmens bewegen.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler ist dieser Fall eine wichtige Mahnung zur Vorsicht bei der Wahl der Plattform. In Deutschland ist der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) die maßgebliche Rechtsgrundlage. Wer bei Anbietern ohne deutsche Lizenz spielt, begibt sich in eine rechtliche Grauzone und verzichtet auf weitreichende Schutzmechanismen. In Deutschland gibt es die GGL-Whitelist, die genau auflistet, welche Betreiber legal agieren dürfen. Wichtige Regeln wie das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und das Einsatzlimit von einem Euro pro Spin bei Online-Slots dienen dem Spielerschutz.
Systeme wie LUGAS überwachen diese Limits und stellen sicher, dass Spieler sich nicht finanziell übernehmen. Plattformen wie Kalshi, die in den USA als Prognosemärkte getarnt Glücksspiel ohne Lizenz anbieten, hätten in Deutschland keine Chance auf eine Legalisierung ohne strikte Einhaltung dieser Vorgaben. Der Fall zeigt, dass Behörden weltweit bereit sind, mit massiven Bußgeldern gegen schwarze Schafe vorzugehen. Wer sicher spielen will, sollte sich daher ausschließlich an Anbieter halten, die von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) reguliert werden.
Was das für GGL-Casinos heißt
Lizenzierte Casinos in Deutschland können den Fall Kalshi als Bestätigung ihrer eigenen Strategie sehen. Während unregulierte Anbieter durch Klagen in Milliardenhöhe existenziell bedroht werden, bietet die deutsche Lizenz Rechtssicherheit. Ein GGL-konformes Casino investiert zwar viel in Technik und Spielerschutz, vermeidet aber das Risiko solcher drakonischen Strafen. Die strikte Trennung von Sportwetten und anderen Glücksspielformen sowie das Verbot von Wetten auf bestimmte Ereignisse (wie es in New York bei College-Teams der Fall ist) sind in Deutschland klar geregelt. Das schafft Vertrauen bei den Kunden und schützt die Betreiber vor staatlichen Interventionen, wie sie Kalshi gerade erlebt.
Häufige Fragen
Warum verklagt New York das Unternehmen Kalshi?
Die Behörden werfen Kalshi vor, als nicht lizenziertes Glücksspielunternehmen zu agieren und illegale Sportwetten anzubieten. Zudem soll die Plattform gegen Jugendschutzgesetze verstoßen haben, indem sie 18-Jährige wetten ließ.
Wie hoch ist die geforderte Schadensersatzsumme?
New York fordert mindestens 36 Milliarden US-Dollar Schadensersatz von Kalshi. Die Summe setzt sich aus Strafen für jedes Wettangebot und der Rückforderung von Gewinnen zusammen.
Darf man auf Kalshi auf College-Sport wetten?
Laut der Klage bot Kalshi Wetten auf College-Teams aus New York an, was im Bundesstaat verboten ist. Staatliche Ermittler belegten dies durch Testwetten im April.
Wer reguliert Prognosemärkte in den USA?
Es gibt einen Kompetenzstreit zwischen der Bundesbehörde CFTC und den einzelnen Bundesstaaten. Die CFTC beansprucht die alleinige Aufsicht, während New York seine eigenen Glücksspielgesetze durchsetzt.
Was sollten deutsche Spieler bei Online-Wetten beachten?
Spieler in Deutschland sollten nur bei Anbietern mit GGL-Lizenz spielen, um gesetzlich geschützt zu sein. Nur dort greifen wichtige Sicherheitsmaßnahmen wie das 1.000-Euro-Einzahlungslimit und die Überwachung durch LUGAS.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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