Italien verschärft Werberegeln: AGCOM verbietet Promis und Slogans im Spielerschutz
KI-GENERIERTDie italienische Medienaufsicht AGCOM riegelt Schlupflöcher für Glücksspielwerbung ab und verbietet unter anderem Promi-Auftritte in Präventionskampagnen der 46 lizenzierten Anbieter.
In Italien weht ein schärferer Wind für Glücksspielanbieter, die versuchen, ihre Marke über den Umweg des Spielerschutzes bekannt zu machen. Die Medienaufsicht Autorità per le Garanzie nelle Comunicazioni, kurz AGCOM, hat am 29. Juli 2026 neue Richtlinien verabschiedet. Diese Regeln zielen direkt auf die 46 lizenzierten Betreiber im Land ab. Diese Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, 0,2 Prozent ihrer Nettoeinnahmen für Kampagnen zum verantwortungsbewussten Spielen aufzuwenden. Die jährliche Obergrenze für diese Ausgaben liegt bei einer Million Euro. Bisher gab es jedoch Unklarheiten darüber, wie viel Eigenwerbung in diesen eigentlich gemeinnützigen Botschaften stecken darf.
Die AGCOM stellt nun klar, dass Spielerschutz keine Tarnung für Marketing sein darf. Prominente Gesichter, die bereits mit einer Marke assoziiert werden, sind in solchen Kampagnen ab sofort verboten. Wer also einen bekannten Sportler als Markenbotschafter unter Vertrag hat, darf diesen nicht für Präventionsclips nutzen. Die Behörde sieht darin die Gefahr, dass Glücksspiel normalisiert wird, anstatt die Risiken zu verdeutlichen. Auch kommerzielle Slogans oder typische Werbesprüche der Anbieter haben in diesen Botschaften nichts mehr zu suchen. Es geht um eine strikte Trennung von Information und Verkaufsförderung.
Zahlen und Fakten
Die neuen Richtlinien basieren auf einem Prozess, der bereits am 25. März 2026 mit einer Konsultation begann. Vom 7. April bis zum 7. Mai konnten Beteiligte Stellung beziehen, bevor der Text Ende Juli finalisiert wurde. Ein zentraler Punkt ist die technische Umsetzung von Links. QR-Codes oder direkte Verknüpfungen zu Wettangeboten, Quoten oder Bonusaktionen sind in Spielerschutzkampagnen streng untersagt. Erlaubt sind lediglich Links zu neutralen Seiten, die Werkzeuge zum Selbstausschluss, Einzahlungslimits oder Hotlines anbieten. Diese Zielseiten müssen funktional vom Rest der Glücksspielseite getrennt sein und dürfen kein Nutzerprofiling betreiben.
Zudem rücken Tipster Konten auf Plattformen wie YouTube oder Instagram in das Visier der Aufseher. Oft werben diese Konten mit angeblichen Gewinnstrategien für Spielautomaten, ohne direkt mit einem Lizenznehmer verbunden zu sein. Die AGCOM fordert hier ein Eingreifen auf Plattformebene. Parallel dazu arbeitet die Zoll- und Monopolbehörde ADM (Agenzia delle Dogane e dei Monopoli) intensiv an der Sperrung illegaler Angebote. Die Liste der blockierten Portale umfasst mittlerweile über 12.000 Einträge. Allein im März 2026 kamen 73 neue Seiten hinzu, Anfang August folgten weitere 190 Sperrungen.
Hintergrund
Diese Verschärfung geschieht vor dem Hintergrund des sogenannten Würdedekrets (Dignity Decree) von 2018, das ein nahezu vollständiges Werbeverbot für Glücksspiel in Italien vorschreibt. Trotz dieses Verbots gab es immer wieder Versuche, Markenpräsenz durch Sponsoring oder eben Präventionskampagnen zu erhalten. Die AGCOM betont nun, dass das Logo des Anbieters niemals die zentrale Komponente einer Anzeige sein darf. Die Botschaft zur Suchtprävention muss laut den Richtlinien immer überwiegen.
„Die Prävention muss sichtbar schwerer wiegen als die Promotion, selbst dort, wo Branding erlaubt ist.“ - Auszug aus den AGCOM-Richtlinien vom 29. Juli 2026
Zusätzlich zum regulatorischen Druck droht finanzielle Ungemach durch den Gesetzentwurf Nr. 1902 des Senators Paolo Marcheschi. Dieser sieht eine Abgabe von zwei Prozent auf alle Einnahmen aus Fußballwetten vor, um den Sport zu fördern. Schätzungen gehen davon aus, dass dies jährlich zwischen 230 Millionen und 320 Millionen Euro kosten könnte, da der Umsatz mit Fußballwetten in Italien im Jahr 2024 die Marke von 16 Milliarden Euro überschritten hat.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler sind diese Entwicklungen in Italien ein wichtiger Indikator für den europäischen Trend zu strikterer Regulierung. In Deutschland regelt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) den Markt ähnlich streng. Wer in Deutschland in einem Online-Casino spielt, muss sich an das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat halten, das über das LUGAS-System überwacht wird. Auch das Einsatzlimit von einem Euro pro Spielrunde bei virtuellen Automaten dient dem Spielerschutz.
Genau wie in Italien wird auch in Deutschland kritisch beäugt, wie Anbieter werben dürfen. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) führt eine Whitelist, auf der nur legale Anbieter stehen. Deutsche Spieler sollten unbedingt darauf achten, nur bei Casinos mit GGL-Lizenz zu spielen, da nur dort die strengen deutschen Schutzstandards gelten. Wer bei MGA- oder Curacao-Anbietern spielt, setzt sich nicht nur rechtlichen Risiken aus, sondern verzichtet auch auf die Sicherheitssysteme wie OASIS (Sperrsystem) und LUGAS. Die italienischen Regeln zeigen, dass der Spielerschutz europaweit Vorrang vor dem Profit der Unternehmen erhält.
Was das für GGL-Casinos heißt
Anbieter mit einer Lizenz der GGL müssen bereits jetzt sehr vorsichtig mit ihrer Werbung umgehen. Die italienische Entscheidung, Promis aus Präventionskampagnen zu verbannen, könnte als Blaupause für künftige deutsche Regulierungen dienen. Wenn bekannte Fußballer oder Influencer nicht mehr für verantwortungsbewusstes Spielen werben dürfen, verlieren Anbieter ein wichtiges Werkzeug zur Imagepflege. Für deutsche GGL-Casinos bedeutet dies, dass sie ihre Marketingstrategien noch stärker auf Information und Sachlichkeit ausrichten müssen, um nicht mit den Aufsehern in Halle an der Saale in Konflikt zu geraten.
Häufige Fragen
Was hat die AGCOM in Italien genau beschlossen?
Die AGCOM hat neue Richtlinien verabschiedet, die es lizenzierten Glücksspielanbietern untersagen, Prominente oder kommerzielle Slogans in Spielerschutzkampagnen zu verwenden. Zudem dürfen Links in diesen Anzeigen nicht zu Bonusangeboten führen, sondern nur zu neutralen Hilfeseiten.
Warum dürfen keine Prominenten mehr in diesen Spots auftreten?
Die Behörde befürchtet, dass der Einsatz von bekannten Gesichtern das Glücksspiel normalisiert und die Schutzabsicht der Kampagne untergräbt. Es soll verhindert werden, dass Spielerschutz als getarnte Markenwerbung missbraucht wird.
Wie hoch sind die Pflichtausgaben für Spielerschutz in Italien?
Alle 46 lizenzierten Betreiber müssen 0,2 Prozent ihrer Nettoeinnahmen für die Kommunikation zum verantwortungsbewussten Spielen ausgeben. Diese Ausgaben sind auf maximal eine Million Euro pro Jahr begrenzt.
Gibt es in Italien noch weitere Einschränkungen für Wettanbieter?
Ja, es wird derzeit über eine zusätzliche zweiprozentige Abgabe auf Fußballwetten diskutiert, die dem italienischen Fußball zugutekommen soll. Zudem sind bereits über 12.000 illegale Glücksspielseiten von den Behörden gesperrt worden.
Was bedeuten diese strengen Regeln für Spieler in Deutschland?
Auch in Deutschland gelten durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 harte Regeln wie das 1.000 Euro Einzahlungslimit und die Überwachung durch LUGAS. Spieler sollten nur bei Anbietern der GGL-Whitelist spielen, um von diesen gesetzlichen Schutzmaßnahmen zu profitieren.
Teilen
Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).
Diesen Artikel in 23 Sprachen lesen
Verwandte Themen
Weiterführende Artikel
KI-GENERIERTUS-Behörde CFTC verbietet Wett-Quoten auf Prognosemärkten
Die US-Handelsaufsicht CFTC untersagt Betreibern von Prognosemärkten die Nutzung klassischer Buchmacher-Quoten wie +200 oder -110 bis zum 31. August.
KI-GENERIERTGroßbritannien plant hartes Vorgehen gegen Spielhallen und Wettbüros
Premierminister Andy Burnham und Abgeordnete fordern das Ende der automatischen Genehmigungspflicht für neue Glücksspielstätten, um Gemeinden mehr Macht zu geben.
KI-GENERIERTItalien sperrt 190 illegale Glücksspiel-Domains bis zum 20. August
Die italienische Behörde ADM setzt den Rotstift an und lässt 190 nicht autorisierte Webseiten blockieren. Internetanbieter müssen die Anordnung bis zum 20. August umsetzen.










