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Regulierung

Australien plant nationales Register zur Abmeldung von Glücksspielwerbung

Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Australien plant nationales Register zur Abmeldung von GlücksspielwerbungKI-GENERIERT

Die australische Regierung führt ein zentrales Opt-out-Register ein, um Bürger vor aggressiver Wettwerbung zu schützen. Verstöße kosten bis zu 1.000 Strafpunkte.

Die australische Politik steht vor einer weitreichenden Zäsur im Umgang mit Online-Glücksspiel und dessen medialer Präsenz. Kommunikationsministerin Anika Wells hat im Parlament eine Gesetzesinitiative vorgestellt, die den Bürgern eine zentrale Möglichkeit geben soll, sich von sämtlichen Werbemaßnahmen der Wettanbieter abzumelden. Dieses Vorhaben ist das Ergebnis intensiver Verhandlungen zwischen der Regierung und der oppositionellen Koalition, um den ausufernden Marketingdruck auf digitale Plattformen und Streamingdienste einzudämmen.

Besonders im Fokus stehen dabei Kinder und Jugendliche, die durch die Allgegenwart von Wettquoten und Glücksspiel-Promotions in sozialen Medien und bei Sportübertragungen beeinflusst werden könnten. Das geplante Register soll als eine Art Schutzschild fungieren, bei dem sich Nutzer einmalig eintragen, um plattformübergreifend keine personalisierte Werbung mehr zu erhalten. Dies unterscheidet sich deutlich von der bisherigen Praxis, bei der jeder Dienst einzeln in den Einstellungen angepasst werden musste.

Zahlen und Fakten

Das neue Gesetz sieht drastische Einschränkungen für die Ausstrahlung von Wettwerbung vor. Die Sperrstunde für solche Anzeigen wurde um eine Stunde vorverlegt und beginnt nun bereits um 5.00 Uhr morgens statt wie bisher um 6.00 Uhr. Damit ergibt sich ein Zeitfenster von 15,5 Stunden pro Tag, in dem bis 20.30 Uhr keine Glücksspielwerbung im Fernsehen oder Radio laufen darf. Zudem wird die Blackout-Phase direkt vor Live-Sportevents von fünf auf 15 Minuten verdichtet.

Für die Durchsetzung der neuen Regeln erhält die Behörde ACMA (Australian Communications and Media Authority) weitreichende Befugnisse. Unternehmen müssen Anweisungen zur Implementierung der Opt-out-Funktionen innerhalb von 30 Tagen umsetzen. Bei Verstößen drohen zivilrechtliche Strafen von bis zu 1.000 Strafeinheiten (Penalty Units). Sollten Anbieter versuchen, die Regeln durch gezielte Umgehungskonstrukte auszuhebeln, kann das Bußgeld auf bis zu 7.500 Strafeinheiten steigen. Besonders bemerkenswert ist die extraterritoriale Wirkung dieser Anti-Vermeidungsklausel, die auch Offshore-Schemata erfassen soll.

Ein weiterer kritischer Punkt betrifft die internen Strukturen der Wettanbieter. Zukünftig ist es untersagt, Mitarbeitern, Agenten oder Dritten Provisionen oder Boni für die Akquise, Reaktivierung oder Bindung von Kunden zu zahlen. Diese Maßnahme folgt Erkenntnissen aus einer Senatsuntersuchung, wonach Buchmacher gezielt Anreize wie Bargeld oder sogar illegale Gefälligkeiten nutzten, um sogenannte High Roller bei der Stange zu halten.

„Bevor man dort ankommt, würde dein VIP-Manager fragen: 'Hey Kumpel, welche Drogen willst du? Willst du ein paar Beutel für dieses Wochenende? Wir organisieren das für dich.'“ - Luke Bateman, ehemaliger Rugbyspieler

Hintergrund

Obwohl die Reformen von Premierminister Albanese als historisch bezeichnet werden, gibt es lautstarke Kritik von verschiedenen Seiten. Experten und Verbände wie Responsible Wagering Australia (RWA) bezweifeln die Effektivität eines Opt-out-Ansatzes. Verhaltensökonomische Studien zeigen oft, dass nur ein Bruchteil der Nutzer Standardeinstellungen aktiv ändert. Die Grünen fordern daher weiterhin ein vollständiges Verbot jeglicher Glücksspielwerbung, ähnlich wie es im Bericht You Win Some, You Lose More von 2023 empfohlen wurde.

Zudem gibt es logistische Bedenken. RWA-Chef Kai Cantwell wies darauf hin, dass das Register in weniger als vier Monaten entwickelt werden soll, während das Ausschlussregister BetStop von der Konzeption bis zur Einführung vier Jahre benötigte. Dennoch betonte Albanese, dass das Gesetz den Schutz der Gefährdeten massiv erhöhe, während der breiten Bevölkerung das gelegentliche Wetten weiterhin ermöglicht werde. Das Inkrafttreten ist für den 1. Januar 2027 geplant.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler ändert sich durch die australischen Reformen unmittelbar nichts, doch die Parallelen zur hiesigen Regulierung sind frappierend. In Deutschland regelt der Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV 2021) bereits sehr strikt, wie und wann geworben werden darf. So gibt es in Deutschland ebenfalls Sperrzeiten für Werbung (zwischen 6.00 und 21.00 Uhr für virtuelle Automatenspiele) und ein striktes Verbot von an Kinder gerichteter Werbung.

Ein zentrales Register wie in Australien gibt es in dieser Form für Werbung hierzulande nicht, jedoch existiert mit LUGAS eine zentrale Überwachungsdatei, die das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro und das Verbot des parallelen Spiels bei mehreren Anbietern technisch durchsetzt. Spieler in Deutschland, die sich vor Glücksspielwerbung schützen wollen, müssen oft auf die individuellen Einstellungen der Plattformen oder auf generelle Werbeblocker zurückgreifen. Die australische Initiative könnte als Vorbild für künftige EU-weite oder nationale Debatten über einen zentralen Werbe-Opt-out dienen.

Was das für GGL-Casinos heißt

Casinos mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) sind bereits an extrem harte Werbeauflagen gebunden. Das in Australien diskutierte Verbot von Influencern und Sportstars für Glücksspielwerbung ist in Deutschland teilweise schon Realität, da Werbung keine Elemente enthalten darf, die besonders Jugendliche ansprechen. Während Anbieter ohne deutsche Lizenz (oft aus Malta oder Curacao) häufig mit aggressiven Bonusversprechen werben, müssen GGL-lizenzierte Anbieter ihre Marketingmaßnahmen vorab genehmigen lassen oder sich strikt an den Annex des GlüStV halten. Der australische Vorstoß zeigt, dass der weltweite Trend klar in Richtung einer weiteren Einschränkung der Marketingfreiheit geht, was den regulatorischen Druck auf deutsche Anbieter langfristig hochhalten dürfte.

Häufige Fragen

Was ist das australische Opt-out-Register?

Es handelt sich um ein geplantes nationales Verzeichnis, in das sich Bürger eintragen können, um keine personalisierte Glücksspielwerbung mehr zu erhalten. Das Register soll plattformübergreifend für Streamingdienste und Online-Inhalte gelten.

Wann treten die neuen Regeln in Australien in Kraft?

Die Umsetzung der Werbereformen und die Einführung des Registers sind nach aktuellem Stand für den 1. Januar 2027 vorgesehen. Bis dahin müssen technische Details geklärt und die Behörden vorbereitet werden.

Welche Strafen drohen Unternehmen bei Missachtung?

Verstöße gegen die Werbevorschriften können mit bis zu 1.000 Strafeinheiten belegt werden. Bei bewusster Umgehung der Regeln durch Offshore-Konstrukte steigen die Bußgelder sogar auf bis zu 7.500 Strafeinheiten an.

Gibt es ähnliche Regeln für Spieler in Deutschland?

In Deutschland ist Werbung für Online-Casinos zwischen 6.00 und 21.00 Uhr weitgehend verboten. Zudem schützt das LUGAS-System Spieler durch ein Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und den Abgleich mit der Sperrdatei OASIS.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

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